"Egal, was der Rest der Welt denkt"
Bush nominiert Wolfowitz als neuen Weltbank-Chef

Die Nominierung von US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz als künftiger Chef der Weltbank hat am Mittwoch besonders in Europa Kritik ausgelöst.

HB WASHINGTON. Die Ernennung werde harschen Widerstand auslösen, hieß es aus europäischen Kreisen des Gouverneursrates der Bank, der aus den Mitgliedstaaten gebildet wird. „Die Begeisterungsstürme im alten Europa halten sich in engen Grenzen“, sagte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Berlin.

Wolfowitz gehörte zu den stärksten Befürwortern des Irak-Kriegs und gilt als ausgesprochen konservativer Vertreter der US-Außenpolitik. Offenbar um Kritik zuvorzukommen, hatte US-Präsident George W. Bush vor der Bekanntgabe der Nominierung Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und andere Regierungschefs angerufen. Bush lobte den 61-jährigen Wolfowitz als Mann mit viel Erfahrung und großen diplomatischen Fähigkeiten. Er werde ein starker Präsident der Weltbank werden, sagte Bush.

Der gebürtige Australier soll im Juni Amtsinhaber James Wolfensohn ablösen, der den Chefsessel bei dem Institut nach zehn Jahren räumt. Die USA stellen traditionell den Präsidenten der Weltbank, während Europa den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) auswählt. Bushs Vorschlag muss dennoch von den anderen Mitgliedstaaten bestätigt werden.

In den europäischen Weltbank-Kreisen hieß es, der Vorschlag Wolfowitz sei in den vergangenen Wochen informell unter den Mitgliedern des Gouverneursrats herumgereicht und abgelehnt worden. US-Finanzminister John Snow wisse, „dass die Reaktion des Rats nicht zu (Wolfowitz') Gunsten ausfiel“, hieß es in den Kreisen. „Die Nominierung von Herrn Wolfowitz heute zeigt uns, dass den USA egal ist, was der Rest der Welt denkt.“

Der französische Außenminister Michel Barnier riet umgehend dazu, den Vorschlag im Vergleich zu anderen möglichen Kandidaten noch einmal zu prüfen. „Es ist ein Vorschlag. Wir sollten ihn im Zusammenhang mit der Persönlichkeit der genannten Person prüfen.“ Als weitere Kandidaten für den Chefposten galten bis zuletzt die Ex-Chefin des US-Computerkonzerns Hewlett Packard (HP), Carly Fiorina, und Arbeitsministerin Elaine Chao.

Wolfowitz wird auch von der US-Opposition dafür kritisiert, das Land mit einer rosigen Beurteilung der Kriegsperspektiven im Irak in die Auseinandersetzung gedrängt zu haben. So hatte er unter anderem vor Beginn des Krieges erklärt, der Irak könne seinen Wiederaufbau nach einer Invasion recht schnell aus seinen Öl-Einnahmen eigenständig finanzieren. Inzwischen sind Milliarden von US-Dollar in das Land geflossen.

In Schwellenländern wie Ägypten äußerten Experten die Sorge, Wolfowitz stehe für eine Politik des freien Marktes, ohne zugleich angemessen für die Armen zu sorgen. In diesem Sinne warnten auch Hilfs- und Umweltorganisationen wie Oxfam und Greenpeace davor, dass die Weltbank unter Wolfowitz' Führung das Ziel einer Bekämpfung der Armut aus den Augen verlieren werde.

Die Weltbank vergibt langfristige Kredite an Länder und soll den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ihrer weniger entwickelten Mitgliedstaaten fördern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%