Egomanen in der Politik
Was Trump-Gegner von Berlusconi lernen sollten

Silvio Berlusconi und Donald Trump – ihre Ähnlichkeit ist fast erschreckend. Auch ihre Gegner zeigen gleiche Reflexe. Doch als politische Gegenmaßnahmen sind sie untauglich – wie die Ära Berlusconi zeigt. Eine Analyse.
  • 0

New YorkDie Liste der Gemeinsamkeiten ist lang. Donald Trump und Silvio Berlusconi: Zwei eitle egomanische Unternehmer jenseits ihrer besten Jahre, die in die Politik gehen und mit politischen Konventionen brechen. Sie haben eine Vorliebe für starke Männer mit diktatorischen Zügen, eine Vorliebe für schöne Frauen und einen Umgang mit ihnen, der bei Feministinnen und Vätern von Töchtern gleichermaßen Gänsehaut auslöst. Berlusconis Bunga Bunga ist Trumps Locker-Room-Talk und seine Twitter-Wut. Trotz alledem vergöttern beide ihre eigenen Töchter, denen sie mehr zutrauen als ihren Söhnen. Trump und Berlusconi vereint ihre Fernseh-Erfahrung und die kommunikative Gabe, zu vermeintlich einfachen Menschen zu sprechen – direkt übers Fernsehen oder eben über Twitter.

Die Liste lässt sich noch lange fortführen. Viel interessanter ist aber, dass auch die Reflexe ihrer Gegner – in der Opposition, in den Institutionen und in den Medien – genau die gleichen sind. Und das ist besorgniserregend für all jene, die sich ein rasches Ende von Trumps Präsidentschaft herbeiwünschen. Eine Verteufelung oder seine Darstellung als Witzfigur werden die USA nicht von ihm befreien. Das hat das Beispiel Berlusconi gezeigt. Der war zwischen 1994 und 2011 insgesamt neun Jahre an der Macht. Je mehr sich die linken Politiker, Staatsanwälte und Medien mit ihm, seinen Eskapaden und Interessenkonflikten beschäftigten, umso besser standen die Chancen, die nächste Wahl zu gewinnen.

Was für Berlusconi galt, gilt heute für Trump: Je mehr sich seine Gegner auf ihn einschießen, umso mehr steht er in den Augen seiner Fans als Märtyrer da. Die Ermittler sind ihm auf den Fersen ? Eine politisch motivierte Hexenjagd. Die Journalisten kritisieren ihn? Fake News. Das Drehbuch ist bekannt. Italien lässt grüßen.

Wer Trump nicht noch bis Ende 2024 im Weißen Haus sehen will, der sollte sich auf seine Politik konzentrieren. Die bietet schließlich genug Angriffspunkte. Wie der Milliardär Warren Buffett mit seiner eigenen Steuererklärung in den Händen vorgerechnet hat, sind die bisherigen Pläne ein Steuergeschenk an Milliardäre wie ihn. Trumps geplanter Mauer, die natürlich die Mexikaner bezahlen sollen, stockt ebenso wie seine Infrastrukturpläne. Und bei der Gesundheitsreform hat ihm die Opposition aus den eigenen Reihen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aber auch, was schon durchgesetzt ist, bietet jede Menge Angriffsfläche: So haben die Republikaner ein Gesetz zum Schutz der Privatsphäre im Internet rückgängig gemacht. Das hatte Internetdienstanbieter dazu verpflichtet, sich die Genehmigung ihrer Kunden einzuholen, bevor sie deren Daten sammeln und weitergeben können. Bei Arbeitsunfällen hat Trump die Regeln ebenso gelockert wie in der Schulpolitik. Dank Trump müssen jetzt nicht mehr alle Schulen und Lehrer ihre Leistung messen lassen. Auch beim Waffenverkauf sind die Regeln jetzt wieder laxer. Trump hat das Obama-Gesetz rückgängig gemacht, nach dem die Sozialbehörden Daten über ernsthafte geistige Krankheiten an das Background-Check-System weitergeben mussten. Auch ein Gesetz: Kohleminen dürfen wieder ihre Abwässer in Flüsse leiten.

Aber all diese Änderungen sind untergegangen im großen Russland-Skandal. Genau wie die Welt sich bei Berlusconi dem Bunga-Bunga widmete, während er Gesetze zugunsten von Steuersündern erließ. Russische Einflussnahme im Wahlkampf, ein gefeuerter FBI-Chef – das alles bietet natürlich jede Menge Munition. Nur eins hat sich leider gezeigt: Den Trump-Wähler interessiert das Ganze herzlich wenig – wie auch die jüngsten Wahlen in Montana, Kansas, South Carolina und Georgia bewiesen haben.

Seite 1:

Was Trump-Gegner von Berlusconi lernen sollten

Seite 2:

Trump – der Verfolgte

Kommentare zu " Egomanen in der Politik: Was Trump-Gegner von Berlusconi lernen sollten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%