Ehrgeiziger Zeitplan
Beim Milliardenprojekt AGS drängt die Zeit

Die Mitglieder des transatlantischen Firmenkonsortiums TIPS für ein luftgestütztes Bodenüberwachsungssystem (AGS) haben die Nato-Staaten gedrängt, bis spätestens Anfang 2005 den Entwicklungsauftrag für das Milliardenprojekt zu vergeben.

BERLIN. Das TIPS-Konsortium präsentierte sich am Dienstag auf der Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA 2004 in Berlin erstmals der Öffentlichkeit. Vor drei Wochen hatte die Nato die Grundsatzentscheidung getroffen, das Programm mit der Gruppe, der unter anderem die europäische EADS und der US-Konzern Northrop Grumman angehören, weiter zu verfolgen. Der Chef der EADS-Verteidigungstechnik, Thomas Enders, forderte die Nato auf, nun schnell die Details ihrer Anforderungen an das System zu entwickeln, so dass der Entwicklungsauftrag Ende 2004 oder Anfang 2005 erteilt werden könne.

Der Entwicklungsauftrag könnte nach den Worten des Vizepräsidenten von Northrop Grumman ISS International, Alan Doshier, ein Volumen von rund 300 Millionen Euro haben. Das Gesamtprogramm sei von der Nato mit drei bis vier Milliarden Euro veranschlagt. Über den endgültigen Auftragswert könnte aber erst nach Erarbeitung der Anforderungs- und Programmdetails gesprochen werden.

Dem TIPS-Konsortium gehören neben der EADS, Northrop Grumman und General Dynamics Canada, Galileo Avionica aus Italien, die spanische Indraund die französische Thales an. Die Nato hatte sich für das Konzept dieser Gruppe und gegen das einer anderen Firmengruppe entschieden, die vom US-Konzern Raytheon geführt worden war. TIPS-Vertreter sprachen von der ersten wirklich transatlantischen Kooperation bei einem Kernsystem in der Verteidigungstechnik seit den 60er Jahren und dem ersten transatlantischen Programm für das erweiterte Nato-Bündnis. Das TIPS-Bodenaufklärungssystem umfasst ein neu entwickeltes Radarkonzept, das sowohl auf bemannten Flugzeugen vom Typ Airbus 321 als auch auf unbemannten Global-Hawk-Maschinen installiert werden soll.

Die Firmen aus dem Konsortium sprachen von einem sehr ehrgeizigen und straffen Zeitplan, in dem das Bodenüberwachstungssystem entwickelt und geliefert werden soll. Das System soll nach Nato-Bedingungen bis 2010 fertig entwickelt und spätestens Anfang 2013 funktionsfähig sein und stellt den Angaben zufolge ein Schlüsselvorhaben bei der Umsetzung der Nato-Transformation dar.

„Wir treten jetzt in die Programmdefinitionsphase“, sagte Jose Massol, Senior Vice President von Thales Airborne Systems. Mit Blick auf die Finanzierung des Projektes durch die Nato-Länder auf dem Hintergrund der Haushaltsprobleme in vielen dieser Staaten sagte Enders: „Wir sind ziemlich zuversichtlich, dass die Budgets dafür bereitgestellt werden.“ Zugleich wies er Kritik zurück, das Nato-Entscheidungssystem für das Projekt sei interessensgerichtet und nicht transparent gewesen.

Giancarlo Grasso, Chef von Galileo Avionics, erklärte, die TIPS-Gruppe habe bereits Grundsatzvereinbarungen mit 22 Ländern der Nato und 80 Firmen in allen Ländern geschlossen, die an dem Projekt mitzuarbeiten. „Das ist ein wirkliches europäisches-transatlantisches Programm.“ John Watts, Präsident der General Dynamics Canada, sagte, es gehe nicht um ein Programm, bei dem nur die jeweiligen nationalen Fähigkeiten zusammengefügt würden, sondern um eine transatlantische Entwicklung eines wichtigen neuen Systems.

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