Ehrung
Snowden erhält Whistleblower-Preis für Aufdecken der NSA-Affäre

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter ist für die Veröffentlichung geheimer Daten mit dem Whistleblower-Preis ausgezeichnet worden. Die Organisation Transparency International sprach Snowden ihre Dankbarkeit aus.
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BerlinMehrere Bürgerrechtsgruppen haben den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden für das Aufdecken von weitreichenden Spionageprogrammen der USA und Großbritanniens ausgezeichnet. „Wir sind Edward Snowden außerordentlich dankbar“, sagte Edda Müller, die Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International in Deutschland, am Freitagabend in Berlin. Snowden ließ eine Dankesbotschaft übermitteln. Politiker von SPD, Grünen und Linken äußerten bereits tagsüber Respekt vor dem Informanten. Mehrere Journalisten, die mit Snowden zusammen arbeiten, waren digital oder tatsächlich bei der Preisverleihung anwesend.

Mit seinem Mut und seinem Verantwortungsbewusstsein habe er eine wichtige Debatte angestoßen, sagte Transparenz-Verfechterin Müller weiter. „Dabei geht es um die Frage, wie viel unsere Grundrechte noch wert sind.“ Snowden erhielt den Whistleblower-Preis von Transparency International, der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und der Organisation von Anwälten gegen Nuklearwaffen IALANA. Damit werden Informanten ausgezeichnet, die nach Ansicht der Gruppen im öffentlichen Interesse handeln.

Der Computerentwickler und Aktivist Jacob Appelbaum überbrachte eine Botschaft, die nach seinen Angaben von Snowden stammte. Mit ihm habe er „heute Abend“ kommuniziert. Snowden danke „allen, die sich an der Debatte beteiligt haben“. „Regierungen sind uns Rechenschaft schuldig für ihre Entscheidungen“, sagte er Appelbaum zufolge. Appelbaum hatte vor Bekanntwerden der Enthüllungen mit Snowden Kontakt, sein Interview druckte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Appelbaum rief die Anwesenden auf, über Erfahrungen mit staatlicher Überwachung aus der deutschen Geschichte zu sprechen. „Zeigen Sie, wie diese dunkleren Zeiten aussehen“, sagte er.

Der Journalist Glenn Greenwald, der eng mit Snowden zusammen arbeitet, bezeichnete ihn in einer Videobotschaft als Whistleblower „in der reinsten und nobelsten Form“. Er habe unter hohem persönlichen Risiko ein „unglaubliches Ausmaß an Fehlverhalten“ der US-Regierung öffentlich gemacht. Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die mit Greenwald an den Snowden-Dokumenten arbeitet, war vor Ort.

Die USA suchen Snowden wegen Geheimnisverrats und Diebstahls von Regierungsdokumenten. Der ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA floh über Hongkong nach Moskau und lebt derzeit im Verborgenen in Russland.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bei der übermittelten Rede von Edward Snowden - http://www.youtube.com/watch?v=cW8lRCqYI6U - hab' ich echt 'ne Gänsehaut bekommen; die war unglaublich eindringlich; aber nicht geschwurbelt - es wurden schlicht in einfachen Worten Dinge gesagt, die einem persönlich sehr nahe gingen...

    2 Überwachungsstaaten haben wir schon erlebt; 2 haben wir überwunden; es liegt jetzt an uns, zu verhindern, dass wir in einen 3. Überwachungsstaat geraten.

    1. Wir dürfen uns nicht von Merkel einlullen lassen
    2. Wir müssen uns mit unseren Freunden, Verwandten, & Bekannten über den Überwachungsskandal austauschen; sie darüber aufklären, wie gefährlich die enthüllte Überwachung ist und dass sie jeden von uns betrifft; und sei es, indem wir ihnen einfach nur das grandiose "Überwachungsstaat - Was ist das?"-Video zeigen: http://youtu.be/iHlzsURb0WI
    3. Ganz wichtig - geht bitte am 07. September zur "Freiheit statt Angst"-Demo in Berlin hin, falls das euch möglich ist: http://blog.freiheitstattangst.de/aufruf-2013-langform/
    4. Wählt bitte am 22. September die Piratenpartei, weil sie wie keine andere Partei seit Jahren in Wort und Taten für ein Ende der Überwachung und eine Wiederherstellung unserer Grund- und Bürgerrechte einsteht - http://is.gd/2OQ1RP . Sie hat sich ja 2006 extra gegründet, weil man vor ihrer Gründung nicht die Möglichkeit hatte, mit seiner Wahlstimme zu sagen "Nie wieder Überwachungsstaat !" . WIr können froh sein, dass wir heute diese Chance haben, durch unsere Wahlstimme dies zum Ausdruck zu bringen. Diese Möglichkeit sollten wir nutzen; nicht nur wegen unserer Geschichte, sondern auch, weil Bürgerrechtler weltweit gerade angespannt nach Deutschland schauen, und auf uns zählen.

    Wer in einer Demokratie schläft, wird in einer Diktatur aufwachen.

  • Dem stimme ich uneingeschränkt zu.

    Denken wir aber auch an die Politiker, die Volksvertreter, die um das Abhören wussten und dennoch schwiegen.

    Denken wir aber auch an die Politiker, die aufgrund ihrer geistigen Fähigkeiten derartiges überhaupt ermöglichen.

    Denken wir aber auch an die Politiker, deren Aufgabe es ist, uns das Volk zu schützen und es vorsätzlich oder aufgrund ihres geistigen Horizonts ihrer Aufgabe nicht gerecht werden.

  • Immerhin mehr verdient als Obama sein Nobelpreis...trotzdem Snowden könnte gern noch paar dicke Dinger rauslassen, solche wo unsere Regierung nicht anders kann als zu reagieren. Derzeit ist das Thema ja gegessen hier, da wird nichts mehr passieren.

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