EIB-Präsident Hoyer: „Griechenland braucht einen Marshall-Plan“

EIB-Präsident Hoyer
„Griechenland braucht einen Marshall-Plan“

Nur mit Wachstum kommt Griechenland wieder auf die Beine, meint EIB-Präsident Hoyer. Neben einem harten Sparkurs brauche das Land darum auch ein Wiederaufbauprogramm und neue Kredite.
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BrüsselDer neue Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) Werner Hoyer hat einen Marshall-Plan für Griechenland gefordert, um das Land wieder auf Wachstumskurs zu bringen. „Griechenland braucht neben dem unvermeidlichen Sparprogramm nun auch einen Marshallplan. Nur so kann es gelingen, die Strukturen des Landes von Grund auf zu erneuern“, sagte Hoyer dem Handelsblatt. Die EIB könne sich maßgeblich an einem solchen Wiederaufbauprogramm beteiligen. „Wir haben letztes Jahr zwei Milliarden Euro an Krediten für die Realwirtschaft eingebracht und wollen das dieses Jahr wieder tun“, sagte Hoyer.

Die Hausbank der EU werde ein neues Sonderprogramm starten, um es den griechischen Banken zu erleichtern, Kredite an Unternehmen zu vergeben.  Außerdem werde die EIB in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission jetzt sehr schnell neue Infrastrukturprojekte in Griechenland starten, etwa beim Autobahn-Bau.

Hoyer appellierte an die Brüsseler Behörde, qualifizierte griechische EU-Beamte zu beurlauben, damit sie beim Wiederaufbau in Griechenland vor Ort mithelfen könnten. „In der EU-Kommission und anderen EU-Organen gibt es hochqualifizierte Griechen. Ich frage mich, warum man diese Leute nicht motiviert, nach Griechenland zu gehen, um dort zu helfen“, sagte Hoyer.

Die EIB spielt als Hausbank der EU eine immer wichtigere Rolle im Kampf gegen die Schuldenkrise. Erst Ende Januar hatten die EU-Regierungschefs die EIB beauftragt, Möglichkeiten für die Wachstumsförderung in den hochverschuldeten Euro-Staaten auszuloten. „Das Potenzial dafür gibt es. Allerdings müssten wir unsere Kapitalbasis um fünf bis zehn Milliarden Euro aufstocken. Sonst verlieren wir unser exzellentes Standing am Markt und unsere Topnote Triple A geriete in Gefahr“, warnte Hoyer.

Eine zusätzliche Kapitalspritze der Euro-Staaten erwarte er angesichts der bereits jetzt großen Belastungen durch die Schuldenkrise zwar nicht. Die EU-Kommission könne allerdings ihre nicht ausgegebenen Haushaltsmittel der EIB zur Verfügung stellen. „Die EU-Kommission könnte aus ihrem Haushalt die Mittel zur Verfügung stellen, die sie bislang nicht verbraucht und an die Mitgliedstaaten zurückgegeben müsste. Dafür müssten wir allerdings viel enger als bisher sowohl mit der Kommission als auch mit dem Europaparlament zusammenarbeiten, denn beide haben ein Wörtchen mitzureden bei der Verwendung des EU-Budgets.“

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " EIB-Präsident Hoyer: „Griechenland braucht einen Marshall-Plan“"

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  • @Buerge-r:
    Sehr guter Kommentar, stimme ich voll zu.
    Die Politik gibt das Geld der Steuerzahler mit vollen Händen aus, um ihre konstruktivistischen Utopien durchsetzen zu wollen. Und da wird halt aus dem Agrarland Griechenland per fiktiven Marshallplan ruck zuck ein Industrieland. Wie man aus einem Industrieland ein Agrarland macht, konnte man ja in der ex DDR macht begutachten.

    Dazu kommt noch, daß die EIB vermutlich bald downgegraded wird. Viel Spaß bei der Kapitalerhöhung.

  • "Bei diesem ganzen gutmenschlich-naiven Marshallplan-Geseiere (anders kann man das nicht nennen) merkt man sofort, dass es von Menschen kommt, die außerhalb der Wirtschaft stehen und keine Ahnung von dieser haben."

    Da fehlt noch: Diese Menschen sitzen alle auf warmen, bestbezahlen Stühlen mit bester Alterssicherung die vom kleinen Steuerzahler finanziert wird. Aber klar, "Wes Brot ich ess des Lied sing ich". Gilt natürlich auch für die Medien.

  • @Yoski: Diese Praktiken fuer die Foerderung der deutschen Exporte wurden bereits 1934 im Rahmen des ersten Jahresteuergesetzes des NS-Regimes legalisiert und auch nach Ende des zweiten Weltkrieges auf breiter Basis fortgefuehrt. So trug dieses legalisierte Verhalten auch seinen wichtigen Teil zum deutschen Wirtschaftswunder bei.
    Ein wichtiger Grund fuer die Abschaffung dieses Gesetzes ab 1.1.1999 war der Beitritt Deutschlands in die Eurozone, aber auch der Wunsch grosser deutscher multinationaler Unternehmen fuer einen Zutritt z.B. an die New Yorker Boerse.
    In den USA wurde z.B. bereits 1977 durch den “Foreign Corrupt Practices Act” verboten, auslaendische Geschaeftspartner zu bestechen.
    Allein schon die Entscheidung des deutschen Gesetzgebers und natuerlich der deutschen Regierungen, dem oben erwaehnten Gedanken oder der Vermutung der Urheber dieser Regelung per Gesetz eine Legitimation zu erteilen ist schon eine kriminelle Handlung, die ueber so viele Jahre von allen deutschen Regierungen bis einschliesslich 1998 fortgefuehrt wurde.

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