Eigene Firmen schützen
Frankreich rüstet sich für Wirtschaftskrieg

Die Franzosen rüsten sich für einen Wirtschaftskrieg um Hochtechnologien. Ausländischen Mächten soll es erschwert werden, mit Firmenkäufen die französische Technologie zu plündern. Anlass ist der Erwerb strategischer Firmen durch US-Investoren.

HB PARIS. Innenminister Dominique de Villepin gründete eine „Zelle für Sicherheit der Wirtschaft“, die innovativen Unternehmen zu Hilfe eilen soll. Von 16 000 erfinderischen Unternehmen seien 1000 in heiklen Branchen tätig, sagte de Villepin dem Wirtschaftsradio BFM. Frankreich sei einer doppelten Bedrohung ausgesetzt, sagte de Villepin. Beschäftigung gehe verloren und die Industrie werde ausgeplündert. „Wir müssen uns organisieren und unseren Unternehmen helfen, um Herr unseres Schicksals zu bleiben.“ Die Präfekten wurden angewiesen, die „strategisch bedeutsamen Unternehmen in ihrer Region zu identifizieren, das technologische Erbe besser zu schützen und zur Entwicklung einer echten Partnerschaft der Unternehmen mit dem Staat beizutragen“.

In neun Pilotgebieten, darunter das Elsass und der Großraum Paris, erhielten die Präfekten bereits einen „Praktischen Ratgeber“ zum Schutz der wirtschaftlichen Sicherheit. Dabei geht es nicht nur um den Schutz vor Produktpiraterie, Abhöraktionen und Datenklau, sondern insbesondere auch um die Suche nach Kunden und Industriepartnern für heimische Rüstungs-, Elektronik- und Bionikfirmen und um ihren Zugang zu strategischen Informationen.

Zu Jahresbeginn hatte Premierminister Jean-Pierre Raffarin bereits den früheren Vizechef des Auslandsgeheimdienstes DGSE, Alain Juillet, zum Sonderbeauftragten für wirtschaftliche Sicherheit ernannt. Auch im Wirtschaftsministerium wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Das Thema gilt in Frankreich als brisant, seit der US-Fonds TGP im Jahre 2000 den französischen Chipkarten-Hersteller Gemplus erworben und an seine Spitze einen Amerikaner mit CIA-Kontakten gesetzt hat. „Einen Fall Gemplus wird es Ende 2005 nicht mehr geben können“, erklärte Philippe Caduc, der Chef der Agentur für die Verbreitung von Technologieinformation (ADIT).

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