Eigener Bedarf ist wichtiger

Ungarn stoppt Gaslieferung an Ukraine

Überraschend hat Ungarn seinen Gashahn zugedreht und liefert kein Gas mehr an das Nachbarland Ukraine. Die Begründung: Die eigenen Speicher hätten Priorität. Gleichzeitig bestellt Ungarn mehr Gas bei Gazprom.
Update: 26.09.2014 - 10:29 Uhr 18 Kommentare
Eine Gas-Pipeline in der Ukraine. Ungarn liefert auf unbestimmte Zeit kein Gas mehr in die Ukraine. Quelle: dpa

Eine Gas-Pipeline in der Ukraine. Ungarn liefert auf unbestimmte Zeit kein Gas mehr in die Ukraine.

(Foto: dpa)

BudapestUngarn hat seine Gaslieferungen an das Nachbarland Ukraine überraschend am Donnerstagabend für unbestimmte Zeit unterbrochen. Der staatliche Pipeline-Betreiber FGSZ und die Regierung erklärten, dies sei notwendig, weil der Gasbedarf in Ungarn steige. Priorität habe zudem jetzt das Auffüllen der ungarischen Gasspeicher.

Die ukrainische Partnerfirma Naftogas erklärte der ungarischen Nachrichtenagentur MTI, sie habe von FGSZ „keine überzeugenden“ Erklärungen für den Lieferstopp bekommen. Zugleich erinnerte Naftogas daran, dass der Gazprom-Chef Alexej Miller erst am vergangenen Montag in Budapest mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban über den Bau der Southstream-Pipeline verhandelt habe.

Ungarn importiert etwa 80 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland, über eine Pipeline, die durch die Ukraine führt. Seit März 2013 liefert Ungarn über eine separate Leitung täglich 16,8 Millionen Kubikmeter Gas an die Ukraine.

Ungarn ist dabei, die Kooperation mit Russland im Energiebereich auszuweiten. Mit einem russischen Darlehen von 10 Milliarden Euro soll das ungarische Kernkraftwerk Paks ausgebaut werden. Ungarn hat sich mehrfach gegen Sanktionen für Russland ausgesprochen.

Ungarn bestellt bei Russland

Ungarn will mehr Erdgas aus Russland kaufen, um seine Speicher aufzufüllen. Man habe mit dem Staatskonzern Gazprom eine entsprechende Vereinbarung geschlossen, sagte Ministerpräsident Viktor Orban am Freitag im Hörfunk.

Viele europäische Staaten sind von russischem Erdgas abhängig und vor dem Winter in Sorge, dass die Lieferungen wegen des Ukraine-Konfliktes ausbleiben könnten. Russland beliefert die ehemalige Sowjetrepublik wegen eines Streits über Gasrechnungen nicht mehr. Durch die Pipelines fließt der Rohstoff aber weiter an andere Abnehmer in Europa.

Russland und die Ukraine versuchen am Freitag bei Verhandlungen in Berlin erneut, ihren Streit beizulegen. An dem Gespräch nimmt auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger teil.

  • dpa
  • rtr
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18 Kommentare zu "Eigener Bedarf ist wichtiger: Ungarn stoppt Gaslieferung an Ukraine"

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  • Sind sie eigentlich persönlich anwesend wenn sie solch Unsinn verzapfen, oder hören sie nur ab und zu mal rein?

  • Es ist ein Recht jedes Vertrages, einen Weiterverkauf einer gekauften Ware auszuschließen.

    Solche Klausel sind sogar Bestandteile von Standardverträgen.

  • Die EU mischt sich eben nicht in die regierungsbildung der Mitglieder ein. Ist ja nciht Russland.
    Und Ungarn und die Regierung wissen, dass wenn SIe gegen die EU Verträge verstoßen nicht mehr mitglied sein können. Das Tut Orban ja nciht, weil er genau weiss, dass er dann die längste Zeit in Ungarn regiert hat.

  • Na was gut das sich der Westen nicht dazu herab lässt mit Rechten zu kooperieren z.b. mit der Swoboda oder seit Jahren schon in Ungarn eben mit bedagten Orban, die ja immerhin noch zur EU gehören....aber schon recht....Orban ist ja Putins Schosshündchen..... man man man

  • Was einen doch wundert ist, dass Putin, der den Faschismus in der Ukraine bekämpfen sucht, sich mit Rechtsradikalen wie der Fidesz oder Jobbik verbünden sucht.

  • "Sie riskieren, dass auch Gazprom sich an die Verträge nicht mehr gebunden fühlt und willkürlich die Gaslieferung unterbricht. "
    Also bei der Gaspreisentwicklung könnte nichts besseres passierne.
    Wird es aber nicht, weil nach internationalem Handelsrecht solche Absprachen ungültig wären.

  • Woher haben Sie diesen Blödsinn.
    Nach welchem Recht soll der Weiterverkauf denn illegal sein?
    Weiterverkauf kann man grundsätzlich nie ausschließen. Solche Klausen sind einfach ungültig. Oder Haben Sie irgendein gesetz was Ihren Blödsinn stützt?

  • Das Orban Putisn schoßhund ist, ist ja nichts neues. Mal sehen wie Weit sich Orban aus dem Fenster lehnt, wenn die EU ihm die Mittel streicht.
    Keiner zwingt die Ungarn in die EU oder Nato.

  • Und nach Welchem Recht soll der Weiterverkauf ausgeschlossen sein?
    Nach Internationalem HAndelsrecht sind solche Klauseln ungültig.

  • Die europäischen Regierungen, die in vertragsbrüchiger Weise Gas, das sie von Gazprom unter klar definierten vertraglichen Bedingungen gekauft haben, an Dritte weiterverkaufen, spielen mit dem Feuer.

    Sie riskieren, dass auch Gazprom sich an die Verträge nicht mehr gebunden fühlt und willkürlich die Gaslieferung unterbricht.

    Regierungen, die derartig handeln, erweisen sich als politische Hasardeure. Sie sind m.E. charakterlich nicht für die Bekleidung von Ämtern geeignet, in denen sie Regierungsverantwortung haben.

    Ich hoffe und denke, dass derartige Persönlichkeiten, die einfach Verträge brechen, in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft nicht zum Zuge kommen. Sonst sähe es schlecht aus für die deutsche Wirtschaft.

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