Eigenkapitalhilfe
Sarkozy stärkt Frankreichs Mittelstand

Frankreichs Regierung lässt kleinen und mittleren Unternehmen rund zwei Milliarden Euro an Eigenkapitalhilfen zukommen. Die Hilfen werden aber nicht die Staatsverschuldung erhöhen, da sie aus bestehenden Töpfen stammen. Neben den konjunkturellen Problemen gibt es indes auch strukturelle Schwierigkeiten: Das Land leidet unter einem Mittelstandsloch.
  • 0

PARIS. Frankreichs Regierung greift dem Mittelstand unter die Arme und stellt notleidenden Firmen zwei Mrd. Euro Eigenkapitalhilfen zur Verfügung. "Die Unterkapitalisierung der kleinen und mittelständischen Unternehmen verurteilt sie, zwischen Stillstand und Überschuldung wählen zu müssen", begründete Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Schritt.

Die Hilfen werden aber nicht die ohnehin ausufernde Staatsverschuldung erhöhen, da sie aus zwei bestehenden Töpfen stammen: dem Staatsfonds FSI (Fonds Strategique d?Investissement) und den Mitteln des Förderinstituts Oseo. Der FSI soll für 650 Mio. Euro Mittelständlern Wandelanleihen zur Verfügung stellen - Kredite, die sich nach Ende der Laufzeit in eine Beteiligung umwandeln lassen. 350 Mio. Euro soll der FSI direkt in Unternehmensbeteiligungen investieren. Das Förderinstitut Oseo soll zudem eine Mrd. Euro über sogenannte "Beteiligungskredite" bereitstellen; das sind langlaufende Darlehen, deren Verzinsung am Unternehmensgewinn hängt, und die ähnlich wie Eigenkapital angesehen werden. "Diese Produkte sollen unverzüglich verfügbar sein", kündigte Sarkozy vor der Mittelstandsvereinigung CGPME an.

Ähnlich wie in Deutschland kämpfen Frankreichs Mittelständler damit, Kredite von den Banken zu bekommen. Dabei geht es meistens um vergleichbar geringe Summen: Nach Angaben des staatlich eingesetzten Kreditschlichters betreffen 59 Prozent aller Fälle, bei denen ein Unternehmen den Schlichter einschaltet, einen Kredit von weniger als 50 000 Euro.

In Frankreich gibt es neben den konjunkturellen Problemen indes auch strukturelle Schwierigkeiten. Denn das Land leidet unter einem wahren Mittelstandsloch. Es verfügt zwar über bekannte Weltmarktführer wie L?Oréal, Total oder Saint-Gobain. Doch mehr als 95 Prozent aller Unternehmen haben weniger als 20 Mitarbeiter. "Frankreich fehlen rund 10 000 Unternehmen mit je 300 Mitarbeitern", schrieben bereits vor der Krise die beiden Ökonomen Jean-Paul Betbèze und Christian Saint-Etienne in einer Studie. Die Wirtschaftsstruktur Frankreichs unterscheidet sich damit fundamental von jener in Deutschland, wo Mittelständler das Rückgrat der Wirtschaft bilden.

Frankreichs Mittelstandsloch hat zwei konkrete Auswirkungen: Die kleinen Unternehmen sind in der Regel sehr vom Heimatmarkt abhängig und haben kaum die Möglichkeit, den Export zu entwickeln. Daher gilt der schwach entwickelte Mittelstand als eine Ursache dafür, dass Frankreich so große Probleme hat, auf dem Weltmarkt Marktanteile zu erobern. Zudem fehlen den französischen Kleinbetrieben und Mittelständlern die Mittel, signifikant in Forschung und Entwicklung zu investieren. Der Großteil der privaten Forschungsausgaben in Frankreich stammt von den Autokonzernen, der Luft- und Raumfahrtindustrie und der Pharmabranche.

Seite 1:

Sarkozy stärkt Frankreichs Mittelstand

Seite 2:

Kommentare zu " Eigenkapitalhilfe: Sarkozy stärkt Frankreichs Mittelstand"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%