Eigenkapitalregeln für Banken werden modifiziert
Deutsche Aufseher begrüßen Kompromiss über Basel II

Die deutschen Verhandlungsführer atmen nach dem am Wochenende in Madrid erreichten Kompromiss über die Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) auf. „Das ist ein Durchbruch nach einer sehr schwierigen Phase“, sagte gestern Jochen Sanio, Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

chp DÜSSELDORF. Ebenso wie der zweite deutsche Unterhändler, der Bundesbanker Gerhard Hofmann, ist Sanio überzeugt, dass Basel II im nächsten Jahr verabschiedet werden kann. Ursprünglich sollte dies Ende 2003 der Fall sein.

In den vergangenen Wochen waren Zweifel laut geworden, ob die Amerikaner Basel II überhaupt noch wollten. Diese Sorgen sind jetzt ausgeräumt: „Es kann kein Zweifel bestehen, dass die US-Aufseher weiterhin mit voller Überzeugung hinter dem Basel-II-Prozess stehen“, betonte der BaFin-Chef. Als unbegründet hat sich auch die Sorge erwiesen, die USA wollten eine neue Definition des Kapitalbegriffs durchsetzen. Dies hätte vermutlich zu einer mehrjährigen Verzögerung von Basel II geführt. In Madrid einigte sich der Baseler Ausschuss, dem Notenbanker und Bankenaufseher aus 13 Ländern angehören, jetzt darauf, diese Grundsatzdebatte nicht zu führen.

Im Gegenzug haben sich die Amerikaner mit ihrer Forderung durchgesetzt, künftig nur noch unerwartete Kreditausfälle mit Eigenkapital unterlegen zu müssen. Die erwarteten Verluste sollen durch Wertberichtigungen abgedeckt werden. Daraus folgt zunächst eine Entlastung der Banken. Dies soll durch eine Erhöhung der Risikogewichte, die den Krediten zugeordnet werden, ausgeglichen werden. Zugleich wird ein neuer Anreiz geschaffen, dass die Banken auch tatsächlich ausreichend Wertberichtigungen vornehmen. Dazu werden diese mit den erwarteten Verlusten verglichen. Sind die Verluste größer, wird die Differenz (shortfall) vom Kapital abgezogen, und zwar je zur Hälfte vom Kern- und Ergänzungskapital. Übersteigen dagegen die Wertberichtigungen das Ausmaß der erwarteten Verluste, kann der Überschuss (excess) dem Ergänzungskapital zugerechnet werden, allerdings nur bis zu einem Maximum von 20

% des Ergänzungskapitals. Sanio ist zuversichtlich, „dass die deutschen Banken das neue Konzept begrüßen“.

Ferner will der Ausschuss drei Fragen erneut behandeln. Erstens soll die Behandlung von Verbriefungen (ABS) vereinfacht werden. Viele Banken hatten kritisiert, dass Basel II Verbriefungen verteuern würde. Zweitens werden Kreditkarten-Engagements diskutiert. Diese Frage ist für die USA relevant, die hier auf Erleichterungen drängen. Drittens sollen bestimmte Techniken zur Risikoverminderung noch einmal betrachtet werden.

Auf andere Kritikpunkte aus Bankenkreisen ging der Baseler Ausschuss dagegen nicht weiter ein. So hatte unter anderem das Institute for International Finance (IIF), ein Zusammenschluss von über 300 internationalen Großbanken, eine Vereinfachung des Regelwerkes angemahnt und dessen prozyklische Wirkung kritisiert, d. h., dass Banken in Aufschwungphasen zusätzlichen Spielraum zur Kreditvergabe erhalten und in Abschwungphasen weniger Kredite vergeben können. Dieser Aspekt soll

zwar weiter beachtet, aber derzeit nicht ausdiskutiert werden, um eine Verzögerung des Regelwerks zu vermeiden.

Offen bleibt zunächst, ob die verspätete Verabschiedung von Basel II auch zu einer Verschiebung des bisher für Anfang 2007 vorgesehenen Inkrafttretens führen wird. Der Chef des Baseler Ausschusses, Jaime Caruana, sagte, darüber sei in Madrid nicht diskutiert worden. Er fügte allerdings hinzu: „Sollte ein Grund für eine Verschiebung auftreten, werden wir das später diskutieren.“ In Bankenkreisen hatte es geheißen, bei einer verspäteten Verabschiedung könne sich auch der Starttermin verzögern, weil die Einführung von Basel II in den Banken erhebliche Vorlaufzeiten erfordere.

Der Kompromiss von Madrid ist auch für den Baseler Ausschuss selbst und damit die weltweite Koordination der Bankenaufsicht von großer Bedeutung. Ein Scheitern von Basel II hätte das Gremium ins Wanken gebracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%