Ein Deutscher auf der Krim: Der Traum, aus dem ein Alptraum wurde

Ein Deutscher auf der Krim
Der Traum, aus dem ein Alptraum wurde

Zehn Jahre lebt ein Deutscher friedlich mit Tataren und Ukrainern auf der Krim, als plötzlich die Stimmung umschlägt. Heute ist er froh wieder im Heimatland zu sein – auch wenn er viel verloren hat.
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DüsseldorfStefan Peter ist froh, dass er wieder in Deutschland ist. Dass sein Internetkabel nicht mehr durchgeschnitten wird. Dass seine Kinder wieder unbeschwert auf der Straße spielen können. Dass die Nachbarin nicht mehr behauptet, von seiner Frau Tanja gehe schlechte Energie aus. Würde er noch heute in seinem Haus in den Bergen der Krim leben, müsste er um sein Leben fürchten.

Deshalb möchte Peter nicht mit richtigem Namen genannt werden und auch nicht lesen, wo genau er gewohnt hat. Dass die Deutschen erfahren, wie das Leben auf der umkämpften Halbinsel im Schwarzen Meer aussieht, findet der 58-Jährige trotzdem wichtig.

„Nach der Orangenen Revolution 2004 herrschte Euphorie. Alle verstanden sich wunderbar und blickten in eine bessere Zukunft“, erzählt der Auswanderer mit dem kurzgeschorenen Haar. Mit Frau Tanja baut er in einem abgelegenen Bergdorf ein eigenes Haus. Doch je weiter die Orangene Revolution zurückliegt desto bedrückter ist die Stimmung der Krim-Bewohner. Sie hofften auf einen Neuanfang, und doch ändert sich wenig. Preters Frau beschließt, bei den Regionalwahlen 2010 als Kandidatin einer Oppositionspartei anzutreten.

Die Folge: Die Stimmung im Dorf schlägt um, sie verliert sogar ihre Arbeit als Lehrerin. „Eines Tages kamen unsere Kinder total verängstigt nach Hause, weil sie von der Nachbarin angeschrien wurden. Sie hatte wirklich Schaum vor dem Mund“, erzählt der Auswanderer mit norddeutschem Akzent. Die einstigen Freunde, die immer zu den Geburtstagsfeiern kamen, wollen die deutsch-ukrainische Familie nicht mehr in ihrem Dorf haben. Der Handwerker macht sich in Deutschland auf die Suche nach einer Arbeit für seine Frau. Als die Situation unerträglich wird, verlässt die Familie eine Woche vor dem Heiligabend vor zwei Jahren das Land. Im tiefen Schnee und Eis machte er sich mit seinem klapprigen Mercedes auf die über 2000 Kilometer lange Heimreise.

Mit seinem Haus lässt Stefan Peter auch sein Lebenswerk zurück. Ein seltenes Gebäude in der Ukraine, erdbebensicher, nach deutschem Standard, mit viel Platz für seine Frau und die beiden Kinder. Eigentlich wollte der Handwerksmeister für immer bleiben.

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Der Traum, aus dem ein Alptraum wurde

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Vom „friedlichem Leben“ zur „explosiven Lage“

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  • Ein kranker Deutscher wandert in ein korruptes gefährliches Land aus und heiratet dort eine Einheimische mit politischen Aktivitäten - Respekt vor so viel Mut oder sollte man besser sagen, zuviel Leichtsinn?

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