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09.01.2009 
Gehard Schröder

Ein „Gas-Mann“ geht in die Offensive

von Andreas Rinke

Es ist wie ein Reflex: Zeigt sich Gerhard Schröder gemeinsam mit Wladimir Putin wie gestern in St. Petersburg, dann prasselt sofort Kritik auf ihn ein – auch noch drei Jahre nach Ende seiner Amtszeit als Bundeskanzler. Viele haben dem früheren SPD-Regierungschef bis heute nicht verziehen, dass er noch 2005 Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft für die Ostsee-Gaspipeline (Nordstream) wurde. Seither schwingt der Verdacht mit, Schröder verdinge sich als unkritischer Büttel russischer Interessen.

Tiefe Männerfreundschaft: Bilder wie dieses aus dem Jahre 2004, nähren bei vielen den Verdacht, Ex-Kanzler Schröder agiere als bloßer Büttel russicher Interessen. Foto: ReutersLupe

Tiefe Männerfreundschaft: Bilder wie dieses aus dem Jahre 2004, nähren bei vielen den Verdacht, Ex-Kanzler Schröder agiere als bloßer Büttel russicher Interessen. Foto: Reuters

BERLIN. Noch bevor er deshalb nach seinem Treffen mit dem russischen Premierminister wieder in Deutschland landen konnte, wurde er bereits vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) attackiert.

Da erstarre Osteuropa wegen ausbleibender Gaslieferungen aus Russland in der Kälte – und ausgerechnet jene schwiegen dazu, die sich doch rühmten, beste Russlandkontakte zu haben, stichelte Seehofer mit Blick auf Schröder. Doch der schlägt jetzt zurück. Zwar verhehlt der SPD-Politiker im Gespräch mit dem Handelsblatt nicht, dass er das russische Anliegen legitim findet, von der Ukraine für die Gaslieferungen auch bezahlt zu werden und eine Preiserhöhung zu verlangen – „zumal das russische Angebot unter Weltmarktpreisen liegt“.

Aber dass er schweigen würde, wenn Südosteuropa friert, ärgert Schröder spürbar, zumal er als Bundeskanzler die EU-Osterweiterung durchgesetzt hatte. „Es darf nicht sein, dass Kunden in Europa unter diesem Streit leiden“, betont er jetzt. „Das habe ich in meinen Gesprächen in Russland, aber auch öffentlich in St. Petersburg betont. Deshalb sind Vorwürfe, ich würde zu dem Konflikt schweigen, erkennbarer Unsinn.“ Es könne zudem nicht sein, dass an ihn nun bei der Krisenvermittlung Erwartungen gestellt würden, die eigentlich Politiker in Amt und Würden erfüllen müssten – etwa der EU-Ratsvorsitz und die Bundesregierung. „Ich finde die Vorschläge ja gut, dass internationale Beobachter die Gaslieferungen überwachen sollten.“ Auch das habe er Putin gesagt, der ihm übrigens zugestimmt habe.

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