Ein geschenktes Leben: Warum John Kerry einen Stahlmantel trägt

Ein geschenktes Leben
Warum John Kerry einen Stahlmantel trägt

Larry King, der Dino des amerikanischen Talkshow-Journalismus, fackelt nicht lange: „Hat der Präsident nicht Recht, die Homosexuellenehe per Verfassung zu verbieten?“ fragt der CNN-Moderator provokant. John Kerry neigt den Kopf leicht nach rechts und sticht mit dem Zeigefinger Löcher in die Luft. „George W. Bush will einen Kulturkrieg, weil er nicht über Jobs reden kann.“ Kerrys Stimme klingt wie ein Betonmischer. Die Worte kommen gedehnt, ein rhetorisches Mahlwerk, das in immer neuen Kreisbewegungen attackiert.

WASHINGTON. „Bush versucht, Amerika zu spalten“, sagt der Mann mit dem silbergrauen Haarschopf. Als Larry King nicht locker lässt und Kerrys Nein zur Todesstrafe erwähnt, entgegnet dieser trocken: „Das ist nicht das große Thema, Larry. Das große Thema besteht darin, dass 43 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben.“

Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry wirkt während dieser Fernsehdebatte in Los Angeles noch konzentrierter als sonst. Sein Konkurrent John Edwards bemüht sich zwar, den langjährigen Senator von Massachusetts als „Teil der Washingtoner Machtmaschine“ abzustempeln. Doch Kerry bleibt ruhig. 18 von 20 Vorwahlen hat er bereits gewonnen. Und heute, beim „Super Tuesday“, will er seinen Triumph unter den Demokraten mit einem Sieg in zehn Bundesstaaten perfekt machen.

Statt auf Edwards zielt Kerry immer wieder auf Bush. „Ich bin ein Kämpfer – sollen sie nur anrücken“, sagt er mit Blick auf das bereits aufflackernde Sperrfeuer aus dem Weißen Haus. Kein Zittern in der Stimme, kein Zucken in der Miene.

Die harte Haut hat sich Kerry 1969 in Vietnam zugelegt. An einem Wintertag späht der 25-jährige Kommandant des Schnellbootes PCF-94 wieder einmal die Ufer des Mekong-Deltas ab, als Vietcong das Feuer eröffnen. Kerry dreht sein Schiff 90 Grad seitwärts und steuerte mit Volldampf auf die Mangroven zu, wo der Kugelhagel herkommt. Die Amerikaner rammen das Boot in den Sand, jagen ihre Feinde zu Fuß, bis sie den letzten getötet haben.

Manche Heldentaten Kerrys lesen sich wie das Drehbuch zu einem Kriegsfilm mit Sylvester Stallone. Zum Beispiel jene Episode, als mehrere US-Schnellboote auf dem Bay-Hap-Fluss gleichzeitig unter Maschinengewehrfeuer genommen wurden. Jeder dachte nur daran, die Gefahrenzone so schnell wie möglich zu verlassen. Viele Seeleute waren verletzt, auch Kerry blutete am Arm. Doch als der Kommandant hörte, wie jemand an Deck „Mann über Bord“ schrie, dirigierte er sein Schiff zurück und zog den verwundeten Jim Rassman eigenhändig aus dem Wasser.

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