"Ein historischer Tag"
Irak erhält Souveränität zurück

Die irakische Übergangsregierung hat aus Sicherheitsgründen am Montag zwei Tage früher als geplant die Macht von der US-geführten Besatzungskoalition übernommen. In einer Zeremonie in Bagdad wurde die Souveränität formell übertragen. Am 2. Januar soll die Parlamentswahl stattfinden.

HB BAGDAD. Bei einer schlichten Zeremonie in der irakischen Hauptstadt Bagdad überreichte der scheidende US- Zivilverwalter Paul Bremer um 10.30 Uhr Ortszeit (0830 MESZ) Vertretern der neuen irakischen Führung ein entsprechendes Dokument. Der irakische Interimsregierungschef Ijad Allawi sprach von einem „historischen Tag“. „Wir meinen, dass wir in der Lage sind, die Sicherheitslage zu kontrollieren“, fügte er hinzu.

Der vorgezogene Machtübergabe im Irak war seit Tagen geplant worden. Das sagte der stellvertretende amerikanische Außenminister Richard Armitage am Montag dem US-Radiosender NPR. US- Regierungsvertreter hätten Kollegen in aller Welt vom Nato-Gipfel in Istanbul aus am Sonntagabend informiert.

Die streng geheim gehaltene Zeremonie in Bagdad wurde erst bei Beginn am Montagmorgen bekannt. Das CNN-Büro in Bagdad war am frühen Morgen alarmiert und in das Konferenzzentrum in der streng bewachten Grünen Zone in Bagdad gerufen worden. Das Team habe den Grund dafür erst vor Ort erfahren, berichtete Korrespondentin Christiane Amanpour.

Die überraschende Vorverlegung der Machtübergabe war mit Sicherheitserwägungen begründet worden. Mit dem Schritt habe man möglichen Terrorangriffen vorbeugen wollen, sagte der irakische Außenminister Hoschiar Sibari zuvor am Montagmorgen am Rande des Nato-Gipfels in Istanbul. Der staatliche irakische Fernsehsender El Irakija berichtete über die Übertragung der Souveränität erst eine Stunde nach dem Ende der Zeremonie.

Interimspräsident Ghasi el Jawer dankte der US-geführten Besatzungskoalition und unterstrich die Unumkehrbarkeit der Machtübertragung. „Es gibt keinen Weg mehr zurück“, sagte El Jawer bei der Feier, die in einem mit Stilmöbeln ausgestatteten kleinen Raum des Konferenzzentrums in der streng bewachten so genannten Grünen Zone stattfand. Bremer, der den Anwesenden eine Reihe von völkerrechtlich relevanten Dokumenten überreichte, erklärte: „Ich werde den Irak mit Zuversicht in seine Zukunft verlassen.“

Der arabische Fernsehsender El Dascharia berichtete, Bremer habe das Land nach Abschluss der Zeremonie verlassen. Unter den von Bremer ausgehändigten Dokumenten war auch ein Brief von US-Präsident George W. Bush. Darin äußerte Bush den Wunsch nach einer Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen zum Irak. Diese waren von Bushs Vater, dem damaligen US-Präsidenten George Bush, 1990 eingefroren worden, nachdem der Irak unter dem inzwischen gestürzten Diktator Saddam Hussein das benachbarte Kuwait überfallen hatte.

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