Ein Jahr Gordon Brown
Jubiläum ohne Jubel

Der britische Premierminister Gordon Brown feiert am Freitag sein einjähriges Amtsjubiläum. In seiner bisherigen Dienstzeit hat er nach anfänglichen Erfolgen schnell an Ansehen verloren. Einen Grund zum Feiern wird er jedenfalls so schnell nicht finden.

HB LONDON. Es ist ein Jahrestag, den Gordon Brown wohl lieber vergessen möchte. An diesem Freitag ist der britische Premierminister genau ein Jahr im Amt, doch in diesen zwölf Monaten reihte sich ein Unglück an das andere. Nach einer kurzen Phase der Euphorie stürzte Brown soweit ab, dass er mittlerweile als der unbeliebteste Regierungschef des Vereinten Königreichs gehandelt wird. Nicht nur innenpolitisch, auch außenpolitisch wirkte der Labour-Chef nach Meinung einiger britischer Kommentatoren oft eher tollpatschig als staatsmännisch.

Zehn Jahre hatte der ehemalige Finanzminister auf das Erbe seines Vorgängers Tony Blair gewartet - doch den Job hatte er sich wohl anders ausgemalt. Von einem Parteispendenskandal über verlorene CDs mit den Daten von Millionen Bürgern bis zum Kollaps einer der größten britischen Hypothekenbanken: nichts blieb dem Regierungschef erspart. Im Ausland sorgte sein verspäteter Auftritt bei der Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon für Kopfschütteln. Die Hoffnung, dass er im Irak klare Ziele setzt, blieb unerfüllt. Einen Zeitplan für den Truppenabzug gibt es - wohl aus Rücksicht auf die Verbündeten in den USA - immer noch nicht. Und auch die stetig steigende Zahl der toten britischen Soldaten in Afghanistan bringt Brown unter Druck.

Während Tiefschläge wie die kriselnde britische Wirtschaft nicht alleine auf Browns Konto gehen, trägt der 57-Jährige aber die Verantwortung für den wohl folgenreichsten Fehler seiner Amtszeit: Anfang Oktober sagte er eine Parlamentswahl ab, über die er die Presse wochenlang spekulieren ließ. "Wenn die grundlegenden Charaktereigenschaften eines Premierministers dermaßen infrage gestellt werden, münden alle folgenden Geschichten in eine über seine fehlende Führungsstärke", meinte die Zeitung "Guardian".

Vor jenem Tag sah eigentlich alles gut aus für den Mann, dem der Ruf eines "dour scot", also eines mürrischen Schotten, vorausgeeilt war. Die Presse lobte sein Auftreten nach den gescheiterten Terroranschlägen am Flughafen Glasgow und in der Londoner Innenstadt. Sein Handeln nach der Maul- und Klauenseuche und einer Flut wurde beklatscht - die Umfragwerte von Labour waren im Hoch. Eine Wahl - deren Termin der Premier in Großbritannien selbst bestimmen darf und mit der sich Brown als vom Volk legitimierter Premier hätte präsentieren können - war für viele nur allzu logisch.

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