Ein Jahr nach der Abtrennung von der Ukraine Zeitenwende auf der Krim

Ein Jahr ist es her, dass Russland die Krim in einer Geheimoperation von der Ukraine abtrennte und sich einverleibte. Weltweit war das Entsetzen groß. Doch wie fühlen sich die neuen russischen Bürger? War es das wert?
Update: 01.03.2015 - 21:20 Uhr 9 Kommentare

„Die Krim ist so heilig wie der Tempelberg“

Simferopol/SewastopolVerblasst ist das sonnige ukrainische Gelb mit dem blauen Wappen an den Briefkästen von Simferopol. Es sind beinahe die letzten Spuren aus einer anderen Zeit - bevor sich Russland im März die Krim einverleibte. Ein Jahr ist das jetzt her. Auch auf Nummernschildern vieler Autos gibt es sie noch, die ukrainischen gelb-blauen Flaggen mit dem Kürzel UA. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ukraine die Kontrolle über die Schwarzmeerhalbinsel Krim verloren hat.

Blutrote russische Wappen mit dem Doppeladler stechen ins Auge. Wie Warnschilder leuchten sie an Zäunen, Toren von Garnisonen und Gebäudefassaden der Krim-Hauptstadt - Symbole des umstrittenen Systemwechsels auf der Schwarzmeerhalbinsel. Bei den Menschen in Simferopol fällt die Bilanz ein Jahr nach dem „Krimskaja Wesna“ - dem politischen Krim-Frühling - durchwachsen aus.

„Es gibt Minuspunkte, und es gibt Pluspunkte. Auch wenn es im Moment härter ist - fragen Sie, wen Sie wollen: 95 Prozent wollen die alte Zeit nicht zurück“, sagt Viktoria, eine Mutter von drei Kindern in der Fußgängerzone der Karl-Marx-Straße. Sie lobt die Sozialleistungen und die medizinische Gratis-Versorgung, die es anders als vorher nun wirklich gebe. „Aber die vielen neuen Gesetze. Daran müssen wir uns erst gewöhnen“, sagt sie.

Klagen der Krim-Bewohner drehen sich um die russische Bürokratie, das Anstehen nach neuen Pässen. Diejenigen mit Grundstück, Haus oder Wohnung ärgern sich über langes Warten, den Papierkram und hohe Kosten, wenn sie ihr Eigentum übertragen lassen.

Die Mittvierzigerin Viktoria hält inne, direkt am Krim-Parlament, gegenüber ein Panzer der Roten Armee aus dem Zweiten Weltkrieg. Er steht ausgerechnet an der zentralen russisch-orthodoxen Kirche. Arbeiter sanieren das Gotteshaus - ein Projekt unter dem Patronat von Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Viktoria und ihr Begleiter Igor räumen ein, dass die ukrainischen Gesetze liberaler gewesen seien. Sorgen machen sie sich aber vielmehr wegen der rasant steigenden Preise. Niemand rechnete vor einem Jahr damit, dass der Hoffnungsträger Russland in eine tiefe Krise fällt. „Aber wir müssen eben ranklotzen. Alles wird gut“, meint Igor.

Beide schauen auf Fotos und Sträuße mit roten Nelken zum Gedenken an jene, die vor einem Jahr in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf dem Maidan durch Schüsse starben. Damals schlugen die prowestlichen Proteste in Gewalt um. Präsident Viktor Janukowitsch verlor seine Macht. Um die in Kiew getöteten Angehörigen der ukrainischen Sonderpolizei Berkut (Steinadler) trauert auch der frühere Offizier Wladislaw. „Sie waren meine Freunde“, sagt der 34-Jährige, der heute mit Fahrdiensten und Ferienwohnungen Geld verdient.

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9 Kommentare zu "Ein Jahr nach der Abtrennung von der Ukraine: Zeitenwende auf der Krim"

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  • Naja, wenn ich das korrupte Ukrainische Politikervolk so anschauen und die Russische Diktatur....geordneter Verhältnisse traue ich den Russen mehr zu als den Ukrainern.

  • Und was ist mit "Jugoslawien"? Ein Erfolg? über 10 Jahre von der BW erfolglos besetzt. Viele Staaten und viele nicht allein lebensfähig!

  • ja, da hätte man wohl andere Leute fragen müssen, z.B . solche, die heute nicht mehr auf der Krim wohnen. Putin wollte die Krim und hat sie bekommen. Putin will die Osturkraine und wird sie bekommen. So einfach ist das. Da können weder CIA noch Bild etwas dagegen machen.

  • Im Vergleich zu restlichen Artikeln, etwas ausgewogen, aber paar Sachen lassen mich nicht locker!

    Eine Annexion ist eine GEWALTSAMES einverleiben eines Fremdterritoriums. Das sich 96,6% der Krimer für den Anschluss an Russland abgestimmt haben, wird komplett ignoriert! Was ist mit dem Selbstbestimmungsrecht des Volkes???
    Und das, was auf dem Maidan war, war eine friedliche Demonstration!? Ist eine Einmischung in die Souveränität eines Landes von Aussen legitim?

    Eine weitere Ungereimtheit mit den Krim-Tataren. Eine der ersten Gesetze war Akzeptanz der Krim-Tataren als ein rechtmäßiger Teil der Bevölkerung der Krim und Einführung 3 Hauptsprachen auf der Krim, Russisch, Ukrainisch und auch Tatarisch. Die Krim-Tataren sind eine der größten Befürworter des Anschlusses an Russland.

    Eine weitere Ungereimtheit mit der Flagge: „eine rote Flagge mit einem blauen Andreaskreuz, das Symbol der prorussischen Aufständischen im ukrainischen Kriegsgebiet Donbass, ein Zeichen der Solidarität.“ Es ist eine General-Admiral-Flagge der russischen Marine! Auch wenn die Krimer Bevölkerung mit den Menschen in Donbass mitleiden, bedeutet die Flagge etwas anderes.

  • Es freut einmal eineen ausgewogenen Berichte zu den Geschehnissen auf der Krim zu lesen, scheinbar wurde ja auch vor Ort recherchiert! Gratulation, gelungener Artikel. Man sollte wohl auf der Krimurlaub machen bei den Preisen!

  • Ich frage mich, ist Russland hier Besetzer oder Befreier? Die Meinung der HB Redaktion würde mich hier besonders interessieren.

  • Best Western ist keine Hotelkette, sondern nur ein loser Verband unabhängiger Hotels. Selbst die Kriterien eines Franchising sind nicht voll erfüllt. Allenfalls als Genossenschaft lassen sie sich bezeichnen.

  • So lange ist es nicht dass die Krim an die Ukraine von Russland geschenkt wurde. Ich denke viele Krimbewohner haben die Zeit davor schon als Russen gelebt. Also von Neurussen kann gar nicht die Rede sein!?

  • Krim....., ein Erfolgsmodel???

    Kann doch nicht sein, wo bleibt denn die CIA/BILD Dreckpropaganda?

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