Ein Jahr nach der Rettung
Irlands Glück bleibt ein zartes Pflänzchen

Die Iren flüchteten als erste unter den Rettungsschirm von EU und IWF. Das Land unterzog sich einer Schocktherapie und gilt inzwischen als Musterschüler. Ein Vorbild für infizierte Euro-Länder im Süden ist es aber nicht.
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DublinMichael Noonan ist Realist. „Wir stehen noch immer am Anfang einer langen und schwierigen Reise“, sagte der irische Finanzminister gestern auf einer Tagung des Unternehmerverbandes der Insel. Noonan hat Recht: Zwar hat sich Irland in den vergangenen Monaten zum Musterschüler unter den Krisenstaaten der Eurozone entwickelt, aber auch ein Jahr nachdem das Land unter den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds schlüpfen musste, steht trotz aller Sparanstrengungen und Exporterfolge noch immer nicht fest, ob die Iren es schaffen werden, sich am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf zu ziehen.

Kevin Daly, Volkswirt bei Goldman Sachs bringt die Lage auf den Punkt: „Irland hat bemerkenswerte Fortschritte gemacht, aber ist noch weit davon entfernt, auf der sicheren Seite zu sein“.

Vor einem Jahr hatte Irlands de facto den Staatsbankrott anmelden und bei der EU und dem IWF um Hilfe nachsuchen müssen. Binnen einer Woche stand ein Hilfspaket, das am Ende 85 Milliarden Euro umfasste. Die Regierung kippte, Land und Wirtschaft erlebten einen schmerzhaften Kulturbruch.

Wie groß diese Fortschritte ein Jahr später sind, lässt sich am Anleihemarkt ablesen: Mitte Juli stand die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen des überschuldeten Landes auf präzise 13,78 Prozent, ein trauriger Rekord. So hohe Risikoaufschläge mussten die Iren seit Einführung des Euros noch nie bezahlen. Trotz des Chaos an den Märkten und der sich immer weiter zuspitzenden Eurokrise schmolz die Rendite aber in den vergangenen Monaten auf etwa gut acht Prozent zusammen.

Dieser Vertrauensbeweis der Investoren ist der Lohn dafür, dass die Iren im Gegensatz zu den Griechen bislang tapfer alle schmerzhaften Sparvorgaben erfüllen, und damit nicht nur das aus dem Ruder gelaufene Budgetdefizit reduzieren, sondern auch ihre Wirtschaft wettbewerbsfähiger gemacht haben. Das erkennen auch die Ratingagenturen an. Irland habe seine Wirtschaft schneller umgebaut, als der Rest der Krisenstaaten in der Eurozone, die Löhne seien gesunken, die Exporte gewachsen, lobt Standard & Poors’s.

Tatsächlich sind die flexiblen und exportorientierten Unternehmen, der wichtigste Vorteil, der die Iren von ihren Leidensgenossen im Süden der EU unterscheidet. Seit dem Ausbruch der Krise 2008 sind die irischen Arbeitskosten um 11,5 Prozent gesunken, während die Ausfuhren um 14,6 Prozent zulegten.

Kommentare zu " Ein Jahr nach der Rettung: Irlands Glück bleibt ein zartes Pflänzchen "

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  • Was heisst hier sparen. Die Staatshaushalte müssen einfach auf Normalniveau heruntergefahren werden. Der Artikel ist aber auch seltsam. Warum heisst es Irland wäre für den Süden kein Vorbild und dann spricht der Artikel dieses Thema überhaupt nicht an.

    Irland ist auf jeden Fall für alle ein Vorbild. Einsparungen werden erreicht durch Ausgaben- und Lohnkürzugen und höhere Steuern. Ich erwarte das auch von Italien. Wenn Irland es schon schafft, die Märkte zu beeindrucken, dann ist das für Italien erst recht möglich.

    Statt nach den verteufelten Eurobonds zu rufen, sollte der neue Italein-Premier Monti lieber sofort seine Reformen auf den Weg bringen. Italien ist reich, die Privatvermögen gigantische, die Rentensysteme reformbedürftig.

    Es ist schlicht und einfach eine Frechheit, dass Monti lieber über die Eurobonds die Deutschen zahlen lassen möchten (das müssen wir alle zahlen, vor allen Dingen die Mittel- udn Unterschicht; Sozialsystem).

    Auch Frankreich und Spanien können durch Ausgabekürzungen und Steuererhöhungen Fortschritte machen. Nur bisher ist rein gar nix passiert, NICHTS!!!!! Als Marktteilnehmer würd ich keinen einzigen Italo-Bond mehr kaufen!!!!

    Und komischerweise verweigern Anleger Deutsche Bonds gerade weil die Eurobond-Diskussion aufgekommen ist. Würde man definitiv Eurobonds begraben, dass hätte DE das Problem nicht!!! Will da etwa jemand Druck auf DE aufbauen???

  • Ach wie süß ist das der gleiche Philip "Lame" der sich auch für parasitäres Eurobondage ausspricht? Ich würde erstmal ganz naiv vorschlagen den irischen Staatshaushalt runterzufahren auf normal Niveau und anfangen die irischen Schulden abzubezahlen. Dann können wir ja über gemeinsame Anleihen in der Europäischen Union nachdenken. Und Regeln die auch eingehalten werden, ich denke da nur "Article 125 of the Lisbon treaty".

    Irland ist ein Land das trotz Rettungspaketen und hoher Staatschulden seinen Staatssekretären immernoch €188,640 im Jahr Grundgehalt gönnt. Philip "Lame" kann mit seinem Grundgehalt von €145,952 als Professor am Trinity College wohl auch genüsslich vom deutschen Steuerzahler und Eurobondage träumen.

    Wie hat es Pat Kenny, abgehalfterter Radio DJ und Fernsehmoderator beim staatlichen Sender RTE diese Woche so trefflich formuliert: "Hitler war doch an allem Schuld, also muss Deutschland jetzt auch für die irischen Schulden zahlen!" Ganz nebenbei gesagt Pat Kenny verdient als Angestellter im öffentlichen Dienst in Irland mehr als €600,000 im Jahr. Tja Ire müsste man sein, dann würde Schäuble einem wohl etwas mehr gönnen.

  • Die feigen und unfaehigen Irischen Politiker haetten nie die Schulden ihrer Banken auf Kosten des Steuerzahlers uebernehmen duerfen. Island hat es richtig gemacht und den Bankstern gezeigt wo der Hammer haengt.

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