Ein Jahr nach Frankreichs Offensive: Noch ist die malische Armee eine schlappe Truppe

Ein Jahr nach Frankreichs Offensive
Noch ist die malische Armee eine schlappe Truppe

Mali rief um Hilfe – und die ehemalige Kolonialmacht reagierte: Vor einem Jahr marschierten französische Truppen in den Norden des Wüstenstaates ein – und siegten. Aber die Angst vor einer Rückkehr der Islamisten bleibt.
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Bamako„Operation Serval“ tauften die Franzosen ihre Militäroffensive in der Ex-Kolonie Mali – angelehnt an den Namen einer afrikanischen Wüstenkatze, die extrem trockenen und unwegsamen Gebieten der Erde angepasst ist. Servale sind zudem als Einzelgänger bekannt. Passender hätte Paris den Einsatz kaum betiteln können: Nach einem Hilferuf aus Bamako landeten am 11. Januar 2013 die ersten Truppen im knochentrockenen Norden des Subsahara-Staates. Quasi im Alleingang eroberten sie innerhalb weniger Tage die strategisch wichtigen Städte Gao, Kidal und Timbuktu aus den Händen radikaler Islamisten und sezessionistischer Tuareg-Rebellen zurück.

Ein Jahr später hat der westafrikanische Wüstenstaat einen neuen Präsidenten und ein Parlament gewählt. Im schwer von den Extremisten gebeutelten Norden ist wieder eine Art Normalität eingekehrt, und die Militärpräsenz der Franzosen, sowie auch der Vereinten Nationen und malischer Soldaten sorgt vielerorts für relative Sicherheit. Aber jetzt kündigte Frankreichs Präsident François Hollande an, die Truppenzahl von 2500 auf 1600 reduzieren zu wollen. Angst geht um: Werden die Islamisten ihre Chance wittern und das Land erneut mit einer Welle aus Unterdrückung und Gewalt überrollen?

„Es ist verständlich, dass Frankreich die Truppenzahl irgendwann senken muss, denn die Operation ist ja kostspielig“, sagte der Militärexperte Modibo Goïta. „Aber die malische Armee ist immer noch nicht gut genug für einen Wüstenkrieg ausgerüstet und die Uno-Blauhelmtruppe Minusma hat bisher nur die Hälfte der Soldaten im Land, die eigentlich versprochen waren.“

Tatsächlich ist die schätzungsweise 23.000 Mann starke malische Armee auch weiterhin eine schlappe Truppe, obwohl sie von Ausbildern der Europäischen Union trainiert wird. „Die EU macht großartige Arbeit, aber es ist unmöglich, eine ganze Armee in so kurzer Zeit auf Vordermann zu bringen“, betont Goïta, der als Professor für die „Bamako International Peacekeeping School“ tätig ist. Zudem ist die seit Juli 2013 aktive Minusma lediglich mit 5400 Polizisten und Militärs im Einsatz. Angekündigt waren ursprünglich 12.200 Männer.

„Die eigentliche Gefahr ist jetzt, dass die Terroristen, die zuvor geflohen waren, zurückkommen und Selbstmordattentate gegen die Franzosen verüben“, so der Experte. „Wenn es dabei viele Tote gibt, dann wird sich die öffentliche Meinung in Frankreich ganz schnell ändern, und die Menschen werden den Abzug aus Mali fordern.“

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„Operation Serval“ war ein riesiger Erfolg

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