Ein Jahr „Volksrepublik Donezk“
„Die EU kann uns nicht dressieren“

Banken haben geschlossen, Bargeld ist knapp, doch viele Bewohner der ein Jahr jungen „Volksrepublik Donzek“ halten die Abkehr von Kiew und EU weiter für richtig. Hilfe für die Separatisten kommt auch aus Deutschland.
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Donezk/KiewNikolai mag nicht disktuieren. Denn das endet oft nur mit Geschrei. Die Meinung des blonden jungen Mannes steht ohnehin fest: „Ich habe vergangenes Jahr für die Unabhängigkeit gestimmt und bin heute überzeugter denn je, dass der Donabss nicht zur Ukraine gehört“, sagt er.

Vor einem Jahr haben sich Teile der Ost-Ukraine für unabhängig erklärt. Seitdem entfernen sich die international nicht anerkannten Regierungen der „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk immer weiter von der Ukraine. Die Mehrheit der Menschen hofft auf einen eigenständigen Staat. Einer, der zwar von Russland unterstützt, aber nicht übernommen wird.

Die Lage derzeit ist aber kritisch, nicht nur, weil sich die „Volksrepubliken“ im Krieg mit dem Nachbarn Ukraine befinden. Durch die internationale Isolation liegt die Wirtschaft am Boden: Banken haben geschlossen, Bargeld ist knapp.

Nikolai dagegen profitiert von der Situation oder macht – je nach Lesart – das Beste aus dem Chaos. Er ist Unternehmer und „organisiert den Warenhandel“, wie er sagt, während in einem der wenigen Läden sitzt, die in der Donezker Innenstadt geöffnet haben. Diese kleinen Geschäfte versorge er mit Lebensmitteln und „allem, was zum Leben nötig ist“, sagt er.

Sein Geschäftsmodell ist simpel, aber nicht ungefährlich. Mehrfach in der Woche fährt er mit seinem Wagen nach Russland und in die Ukraine, kauft dort Produkte des täglichen Lebens ein und beliefert die Kleinhändler.

Unterstützung für diejenigen wie Nikolai, die die Abspaltung der neuen „Volksrepbuliken“ begrüßen, kommt sogar auch als Deutschland. Die Nachfolger der früheren DDR-Staatspartei SED, die Linke, schickte einige Abgeordnete nach Donezk. Unter ihnen ist auch der der Soziologe Martin Dolzer, der im Hamburger Abgeordenetenhaus sitzt.

Die Internetseite der „Volksrepublik Donezk“ zitiert den Politiker mit den Worten: „Wir drücken unsere Solidarität mit dem Volk im Donbass aus. Die Sowjetunion und ihre multinationalen Völker haben Europa geholfen, sich vom Faschismus zu befreien. Wir wissen, dass über acht Millionen Soldaten der Roten Armee starben, darüber hinaus über 20 Millionen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen. Deshalb verstört es uns, dass Kiew heute seine faschistischen Bataillone gegen die Einwohner vom Donbass einsetzt.“

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Erinnerungen an Anfänge der DDR werden wach

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  • Worauf beruht die Aussage, dass die meisten Bewohner von Donezk einen "eigenständingen Staat" wollen? Gibt es dazu eine repräsentative Umfrage? Oder sind es nur die Aussagen von Nikolai?

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