Ein Land vor der Revolution?
Ein Boxer als Hoffnungsträger und Volksheld

Der Box-Champion Vitali Klitschko kämpft mit seinen Landsleuten um die Zukunft der Ukraine und für Neuwahlen. Er hat es geschafft, die zerstrittene Opposition zu vereinen. Die Regierung reagiert mit zunehmender Gewalt.
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KiewDa wirkt auf einmal selbst der muskulöse Zweimeter-Mann gar nicht mehr riesig. Vitali Klitschko ragt zwar heraus aus dem Meer an Demonstranten, hat sich aber längst unter sie gemischt. Der Gründer und Vorsitzende der Udar-Partei, der Oppositionspartei der Ukraine, die im Parlament immerhin drittstärkste Kraft ist, stellt sich beim Proteststurm seit dem Wochenende mit in die vorderste Linie.

Er schüttelt Hände, er singt und ruft in sein Megaphon. Er wird nicht müde, den Umsturz zu fordern und gegen Staatschef Vikor Janukowitsch zu wettern. Dass der Hoffnungsträger Hunderttausender Menschen noch einmal in den Ring steigt, wird immer unwahrscheinlicher. Sein Ring ist derzeit die Straße.

„Wir müssen jeden im Land mobilisieren und dürfen die Initiative nicht verlieren“, rief er den Demonstranten am Sonntagabend zu. 500.000 waren es in Kiew laut Oppositionsangaben, von unabhängiger Seite sind immerhin 200.000 bestätigt.

Auch am Montag sind wieder Tausende in Kiew auf den Straßen und haben kurzerhand die Eingänge zum Regierungsgebäude blockiert. Sie forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Mykola Asarow und seiner Regierung nach der Abkehr der ehemaligen Sowjetrepublik von der Europäischen Union zugunsten einer Annäherung an Moskau.

Am Montag meldete sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Wort und warnte vor Gewalt gegen friedliche Demonstranten. Sie forderte Staatschef Janukowitsch und dessen Regierung auf, „alles zu tun, um die freie Meinungsäußerung und das Recht auf friedliche Demonstrationen stets zu schützen“.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, von den Pro-Europa-Kundgebungen gehe eine „sehr klare Botschaft“ aus. „Es ist zu hoffen, dass auch Staatspräsident Janukowitsch diese Botschaft wahrnimmt.“ Deutschland sei weiterhin bereit, das von der Ukraine auf Eis gelegte Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen.

Am Wochenende war die Polizei mit Blendgranaten, Wasserwerfern und Tränengas gegen die Demonstrationen vorgegangen. Der Boxer Vitali Klitschko und seine proeuropäische Opposition werfen der Regierung vor, Randalierer engagiert zu haben, die sich verkleidet unter die vielen friedlichen Demonstranten mischten, damit die Lage eskalierte und so die Polizei hart durchgreifen konnte, um die Proteste niederzuschlagen.

Die Opposition nennt das eine „gezielte Provokation“ der Janukowitsch-Regierung. Die wiederum behauptet, die gewaltbereiten Protestler, die die Präsidialkanzlei angriffen seien radikale Nationalisten gewesen sein. Den ukrainischen Staatschef Viktor Janukowitsch hat Klitschko zum Rücktritt aufgefordert.

Janukowitsch will die Proteste offenbar aussitzen. Er schweigt, abgesehen von seinem vorbereiteten Grußwort, zu der Situation. Er soll die Hauptstadt verlassen haben, vermutlich in Richtung seiner luxuriösen Residenz Meschigorja. In Kiew fehlt ihm der Rückhalt der Bevölkerung. Seine Hochburgen liegen fern der Hauptstadt im Süden und im Osten, nahe seiner Heimat Donezk. Dort ist auch Janukowitschs Annäherung an Russland populär, die EU wird kritisch gesehen. Im Westen und in der Hauptstadt aber wollen 69 Prozent der Bürger laut einer Umfrage der Deutschen Welle lieber in die EU.

Das ist Wasser auf die Mühlen um Vitali Klitschko und seine Mitstreiter. Er hat großen Anteil daran, dass die bislang zerstrittene Opposition ihre Reihen geschlossen hat und nun zusammen dafür kämpft, die Regierung zu stürzen und vorgezogene Parlamentswahlen zu erzwingen.

Kommentare zu " Ein Land vor der Revolution?: Ein Boxer als Hoffnungsträger und Volksheld"

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  • " Auf Dauer wichtiger ist ohnehin, welche Fähigkeiten er als Politiker entwickelt. Der 42 Jahre alte Klitschko hat sich mit erfahrenen Leuten umgeben, die ihm bescheinigen, er verstehe schnell, sei lernwillig und höre auf Ratschläge, ohne dabei manipulierbar zu sein. "
    http://www.faz.net/aktuell/politik/vitali-klitschko-nicht-nur-ein-mann-der-faust-12691463.html

    ich HÖRE " DICH TRAPSEN !!! WELCHE LEUTE ? WETTEN . . . . .
    Diese LEUTE HABEN ihn AUSGESUCHT und NICHT er . . . UND LERNT NUN ALS SCHÜLER , AN MACHT KOMMEN , wo wer dann SAGT ?
    er HAT ALSO AUCH Coaching VERTAG UNTERSCHRIEBEN , wie Schwarzenegger , Gabriel . . . UND LENIN , IMMER BEI . . . . SPIELER GEBEN sich SOGAR Hand , da in SELBER MANNSCHAFT . . .
    UND WIRD GESAGT WAS MACHEN SOLLEN SONST VERTRAGSBRUCH !!!
    ACH JA , IMMER NOCH ALTE SPIEL , nur Spieler WERDEN . . .
    Schwarzenegger HAT NUR FEHLER GEMACHT , SOFORT ZU ERZÄHLEN WIE SEIN Leben ablaufen WIRD , WEIL ihm GESAGT HABEN UND er GLAUBTE ES .
    Gabriel hat NUR GESAGT DAS Coaching . . . . UND DA HABEN ihm . . . . ERFÜHLT MIT VERNICHTEN SPUVERÄNITÄT SPD WILL UND WILLEN - - - -
    UND NOCH KEINER HAT SOVIEL SCHULTEN GEMACHT als GGouverneur Kaliforniens . . .FÜR . . .
    man MUSS ANTIZIONIST SEIN , UM NICHT ANTISEMIT ZU SEIN UND SO NICHT VERSTEHT SPIEL .

    Frank Frädrich . . .

  • Die Box-Birne, Klitscho, ist eher ein Aufrührer und Terrorist!

  • Am Montag meldete sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Wort und warnte vor Gewalt gegen friedliche Demonstranten. Sie forderte Staatschef Janukowitsch und dessen Regierung auf, „alles zu tun, um die freie Meinungsäußerung und das Recht auf friedliche Demonstrationen stets zu schützen“.
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    Richtig lieb von Frau Merkel ----- wenn da das EU/NATO-Land Spanien nicht wäre :

    Wer in Zukunft ohne Genehmigung zu Demonstrationen aufruft, hat laut neuestem Gesetz einen “Anschlag auf die öffentliche Ordnung” verübt. Dann drohen sogar Geldstrafen, wie von 1.000-600.000 Euro variieren können. Hohe Geldstrafen werden vor allem dann verhängt, wenn Demonstrationen vor dem Parlament, dem Senat oder einem der Regionalparlamente stattfinden sollen. Aber auch bei angemeldeten und erlaubten Demonstrationen können den Organisatoren Geldstrafen von bis zu 600.000 Euro drohen. Dies ist dann der Fall, wenn ein Protestmarsch eskaliert.

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