Ein Mann verbindet Hisbollah und Iran
Das Fünf-Millionen-Dollar-Phantom

Ein Mann steht für die enge Verbindung der libanesischen Terrororganisation Hisbollah mit dem Iran: Top-Terrorist Imad Mughniyah. Er ist der millitärische Kopf, der hinter dem neuen Krieg im Nahen Osten steckt. Die Geheimdienste kommen gegen ihn nicht an. Eine Handelsblatt-Reportage.

TEL AVIV. Fotos von ihm gibt es fast keine. Und die wenigen, die sich auf Fahndungsplakaten finden, sind mit Sicherheit nicht mehr aktuell. Er verändert regelmäßig sein Aussehen – mit plastischer Chirurgie. Dem israelischen Geheimdienst Mossad gelang es nie, ihn zu töten. Und auch das Kopfgeld von fünf Millionen Dollar, das der amerikanische Geheimdienst auf ihn ausgesetzt hat, scheint ihn nicht zu behindern.

Der Mann ist ein Profi-Terrorist. Er lehrte Osama bin Laden das Bombenbauen. Er war der Leibwächter von Palästinenserchef Jassir Arafat. Er heuert islamistische Söldner an. Er koordiniert palästinensische Milizen. Er schürt im Nahen Osten an allen Fronten den Hass. Seine Aktionen sind mitentscheidend dafür, dass nun im Nahen Osten erneut Krieg ist.

Sein Name: Imad Mughniyah, militärischer Kopf der Hisbollah. Sein Auftraggeber: Iran.

Beirut, Bagdad, Gaza – die Konflikte im Nahen Osten hängen miteinander zusammen, und im Hintergrund agiert Iran als zentraler Drahtzieher. Das Mullah-Regime hält sich Terroristen, um gewaltsam seine Ziele durchzusetzen, ohne sich selbst exponieren zu müssen.

Der Wichtigste unter ihnen ist der Mann, der zu den gefährlichsten Terroristen der Welt gehört: Imad Mughniyah (sprich: Murnije). Er ist eine Schlüsselfigur in der Achse des Terrors, die in Teheran beginnt und Damaskus, Beirut, Gaza und Bagdad miteinander verbindet. Sein jüngster Coup war es, der den Nahen Osten in einen neuen Krieg gezerrt hat: die Entführung von zwei israelischen Soldaten in den Südlibanon vor elf Tagen – eine Spurensuche.

Wer die Spitzen der Hisbollah treffen will, dem wird kurz vorher ein Treffpunkt durchgegeben. Dort holt eine Limousine mit abgedunkelten Scheiben den Gast ab. Der Chauffeur, der hinter blickdichten Vorhängen verborgen bleibt, braust los und fährt solange durch Beirut, bis der Gast garantiert jede Orientierung verloren hat. Dann erst bekommt er ein Mitglied des Politbüros der Hisbollah oder sogar Generalsekretär Hassan Nasralla zu Gesicht.

Begibt sich der Hisbollah-Chef seinerseits nach Teheran, ist er es, dem die unterwürfige Rolle zufällt. Trifft Nasralla Revolutionsführer Ali Chamenei, küsst er ihm devot die Hand. Denn hier ist Nasralla der Lakai und Chamenei der Herr. Wünsche aus Teheran sind dem Hisbollah-Chef Befehl. Übermittelt werden sie über Nasrallas Verbindungsoffizier in Teheran. Dafür subventioniert Iran die Hisbollah pro Jahr mit zwischen 100 und 200 Millionen Dollar. Dank des Geldes aus Teheran ist die Hisbollah weit mehr als eine Miliz. Sie beschäftigt 60 000 Menschen. Sie unterhält Krankenhäuser, Schulen, Kinderkrippen, ein eigenes Bankensystem – und einen eigenen Fernsehsender.

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