Ein neuer Untersuchungsbericht zur Korruptionsaffäre bei der Uno könnte Kofi Annan das Amt kosten
Ein Vater und sein durchtriebener Sohn

Uno-Generalsekretär Kofi Annan gerät in der Affäre um das Hilfsprogramm der Vereinten Nationen für den Irak immer stärker in Bedrängnis. Im August werde die Untersuchungskommission einen Bericht vorlegen, in dem es auch um die Rolle der Familie Annan gehe, sagte Kommissionsmitglied Mark Pieth dem Handelsblatt. Eine Vater-Sohn-Geschichte.

GENF/ZÜRICH. In der Rue de la Terrassière zeigt das schicke Genf sein hässliches Gesicht. Leere Bierbüchsen auf rissigem Asphalt, eine verlassene Tankstelle, ein angetrunkener Bettler. Essensgerüche und Mariuhanaqualm beißen in der Nase. Die Tram rumpelt die enge Straße rauf und runter. Zwischen zwei Haltestellen, im Haus Nummer 58, hat die Cotecna Inspection SA ihren Sitz.

So lädiert wie die Gegend, so lädiert ist auch der Ruf des Unternehmens: Die Firma könnte tief in die Korruptionsaffäre um das milliardenschwere Programm Öl-für-Lebensmittel (ÖfL) der Vereinten Nationen verstrickt sein – Vorwürfe, die Cotecna bestreitet (siehe: „Ein Programm und seine Folgen“).

Doch es geht um viel mehr als nur um die Machenschaften eines Genfer Familienbetriebs, der für die Uno Warenlieferungen anderer Firmen in den Irak überprüfte. Öl für Lebensmittel, das ist die düstere Geschichte um den ruchlosen Diktator Saddam Hussein, geldgierige Uno-Funktionäre und skrupellose Geschäftsleute. Öl für Lebensmittel, das ist auch die unappetitliche Geschichte eines zaudernden Vaters namens Kofi Annan und seines durchtriebenen Sohns Kojo.

Kojos Rolle als Cotecna-Mitarbeiter bedroht nun sogar das politische Überleben des Uno-Generalsekretärs Kofi Annan, des Friedensnobelpreisträgers, der einst mit Mutter Theresa und Nelson Mandela in einem Atemzug genannt wurde. Eine dreiköpfige Untersuchungskommission mit dem Baseler Rechtsprofessor Mark Pieth und dem südafrikanischen Richter Richard Goldstone unter Vorsitz des früheren US-Notenbankchefs Paul Volcker will in den nächsten Wochen zwei brisante Berichte freigeben: In der zweiten Augusthälfte soll es in einem voraussichtlich mehr als 100-seitigen Dossier um die Rolle der Uno und der Familie ihres Generalsekretärs in dem Skandal gehen. Für den September ist dann ein weiterer Bericht geplant: Darin werden all jene Firmen genannt, die mit Saddam verbotene Geschäfte machten.

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