Ein Toter bei Militäraktion im Gazastreifen
Israelische Soldaten durchkämmen Rafah

Die israelische Armee hat am Mittwoch ihre Offensive in Rafah im südlichen Gazastreifen fortgesetzt. Nach palästinensischen Angaben erschoss ein israelischer Scharfschütze im örtlichen Flüchtlingslager einen 16-Jährigen. Damit stieg die Zahl der Toten bei dem international kritisierten Einsatz auf 21. Auch im Westjordanland erschossen israelische Soldaten am Mittwoch bei Militäraktionen zwei bewaffnete Palästinenser.

HB RAFAH. Auf der Suche nach Extremisten und Schmuggeltunneln haben israelische Soldaten am Mittwoch damit begonnen, Haus für Haus im Flüchtlingslager Rafah zu durchkämmen. Damit setzten sie ihren seit Jahren größten Truppeneinsatz im Gaza-Streifen fort. Am Vortag hatte die Armee in Rafah 19 Palästinenser getötet.

Zu Schusswechseln kam es am Mittwoch nur sporadisch. Die Operation „Regenbogen“ der Armee zielt offiziellen Angaben zufolge darauf ab, den Schmuggel von Waffen durch Tunnel aus dem benachbarten Ägypten zu unterbinden und die Sicherheit der israelischen Grenzpatrouillen zu erhöhen. Dazu sollten auch palästinensische Wohnhäuser direkt am Grenzstreifen zerstört werden. Dieser Plan war von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union (EU) scharf kritisiert worden.

Im Westjordanland töteten israelische Soldaten in der Nacht zum Mittwoch nach Angaben aus Krankenhäusern zwei Mitglieder der gewalttätigen El-Aksa-Brigaden. Einer der beiden sei bei Kämpfen in Nablus, der andere in Dschenin im Norden erschossen worden, hieß es. Die El-Aksa-Brigade ist eng mit der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat verbunden.

In Rafah bezogen Scharfschützen auf Häusern Position. Nach Armeeangaben wurden fünf Gebäude abgerissen, von denen Palästinenser auf Soldaten geschossen hätten. Ein weiteres Haus sei zerstört worden, weil eine von Extremisten vorbereitete Bombe vorzeitig explodiert sei. Auch sei das Haus des palästinensischen Attentäters zerstört worden, der am 2. Mai eine schwangere Siedlerin und deren vier Töchter getötet hatte. Die Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge, UNRWA, teilte mit, sie habe wegen der Zerstörung von Wohnhäusern durch die Armee Zelte für 1 600 Menschen aufgebaut.

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon verfolgt einen Plan zum Abzug aus dem Gaza-Streifen. In seiner Likud-Partei war er abgelehnt worden. Scharon werde aber „in wenigen Tagen“ dem Kabinett einen überarbeiteten Plan vorlegen, sagte sein Stellvertreter Ehud Olmert in Washington. Aus Regierungskreisen verlautete, der Plan sei nur wenig abgeändert. Er sehe jetzt den Abzug in mehreren Phasen vor, die jeweils vom Kabinett gebilligt werden müssten. Die Palästinenser sind gegen Scharons Abzugsplan, weil er mit der faktischen Annexion palästinensischen Gebiets im Westjordanland verbunden ist.

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