Tatort in Paris

Der Angriff ereignete sich im 2. Pariser Arrondissement 300 Meter von der Opéra Garnier entfern.

(Foto: dpa)

Ein Toter, mehrere Verletzte Pariser Anschlag entfacht politische Debatte über innere Sicherheit

Nach dem tödlichen Angriff in Paris beeilt sich der IS, die Tat für sich zu reklamieren. Unterdessen sucht die Polizei nach Komplizen.
Update: 14.05.2018 - 04:37 Uhr Kommentieren

ParisNach dem tödlichen Messerangriff vom Samstagabend in Paris haben Ermittler die Eltern und einen Freund des mutmaßlichen Attentäters befragt. Man wolle herausfinden, ob der 20-Jährige Komplizen gehabt habe, teilten Beamte am Sonntag mit.

Der Mann hatte nur rund 300 Meter von der Opéra Garnier entfernt einen 29-jährigen Passanten getötet und mehrere Menschen verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Präsident Emmanuel Macron nannte den Verdächtigen einen „Terroristen“. Zu der Attacke bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat.

Die Polizei konnte den Täter identifizieren. Der junge Mann sei 1997 in der Teilrepublik Tschetschenien im russischen Nordkaukasus geboren worden, bestätigten Justizkreise. Er soll die französische Staatsbürgerschaft besitzen. Innenministeriumssprecher Frederic de Lanouvelle teilte mit, er habe keine Vorstrafen, aber in einer Datenbank mit Personen gestanden, die der Verbindungen zu Extremisten und Radikalen verdächtigt werden, hieß es weiter. Zu seinen Opfern habe er keine Verbindung gehabt.

Der Mann war der Polizei nach Informationen aus Ermittlerkreisen als mutmaßlicher Gefährder bekannt und stand auf einer Liste von radikalisierten Personen. Zu dem 21-Jährigen gebe es einen Vermerk, wonach er möglicherweise ein Risiko für die nationale Sicherheit darstelle, hieß es am Sonntag in Paris.

Der erneute Anschlag entfachte in kurzer Zeit eine politische Debatte über die innere Sicherheit in Frankreich. Der Chef der konservativen Republikanerpartei, Laurent Wauquiez, teilte via Twitter mit, Worte reichten nicht aus, es müssten Taten folgen. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen bezeichnete die auf der Radikalisierten-Liste verzeichneten Personen als „Zeitbomben“.

Unterdessen hat die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft von Paris hat die Ermittlungen über den Anschlag im 2. Pariser Arrondissement übernommen. Die Nachrichtenagentur „Amaq“ der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hatte in der Nacht geschrieben, der Täter sei „ein Soldat des IS“ gewesen.

Am Sonntag veröffentlichte Amak zudem ein angebliches Video des Täters. Darin rief er Muslime in Europa, „dem Land der Ungläubigen“, auf, zu handeln. Das Gesicht des Mannes war verdeckt, lediglich die Augen zu sehen. Wenn französische Staatsbürger wollten, dass die Angriffe aufhörten, sollten sie Druck auf ihre Regierung machen, sagte er zudem.

Die Tat ereignete sich in der Nähe der Opéra Garnier. In dem Viertel liegen auch viele große Kaufhäuser und Geschäfte sowie Kinos und Musikclubs und einige Restaurants. Die Rue Monsigny, in der die Polizei den Täter stellte, ist allerdings eher ruhig. Sie war noch Stunden nach der Tat abgesperrt. Starke Sicherheitskräfte der kasernierten Polizei CRS und der Pariser Polizei sicherten die Straße ab, während die Justizpolizei den Tatort untersuchte.

Ein Kellner eines Restaurants berichtete im Radiosender Europe 1, der Mann habe wahllos auf alle Passanten eingestochen, die ihm auf der Straße entgegenkamen. Er rief dabei auf Arabisch „Gott ist groß“. Er sei auch in ein Restaurant eingedrungen. Der Attentäter habe auf ihn den Eindruck gemacht, „verrückt zu sein oder völlig unter Drogen zu stehen.“

Die Polizei war sich offenbar schnell sicher, dass nur ein Täter aktiv war, denn sie verzichtete auf eine weiträumige Sperrung der Zone. Dennoch rückten noch eine Stunde nach der Tat Dutzende schwer bewaffnete Polizisten an, während die maskierten Mitglieder der Justizpolizei sich gegen 23 Uhr zurückzogen.

Nachdem er einen Menschen getötet, zwei schwer und zwei leicht verletzt hatte, stürzte der mit einem Messer bewaffnete Mann sich auf die zu Hilfe kommenden Polizisten. Zwei versuchten, ihn mit einem Taser, einer Elektroschock-Pistole, abzuwehren, was aber nicht gelang. Da er weiter auf die Polizisten eindrang, habe ein dritter Beamter seine Waffe gezückt und ihn erschossen, sagte ein Vertreter der Polizeigewerkschaft.

Staatspräsident Macron zeigte sich kämpferisch. „Frankreich zahlt einmal mehr den Preis des Blutes, doch wird es sich Feinden der Freiheit nicht einen Fingerbreit beugen“, schrieb Macron in der Nacht zum Sonntag auf Twitter. Er lobte die Polizei zudem dafür, „den Terroristen neutralisiert“ zu haben. Seine Gedanken seien bei den Opfern.

Der Anschlag ruft die Erinnerung an frühere Attentate in Paris und anderen Städten wach, auch wenn die Zahl der Opfer diesmal wesentlich geringer ist. In der Tat haben die Sicherheitskräfte sich mittlerweile sehr effizient auf die Bedrohung eingestellt und sich innerhalb kürzester Zeit am Ort des Geschehens.

Die Pariser zeigten sich nicht besonders beeindruckt: In unmittelbarer Nähe zum Tatort suchten sie auch nach dem Anschlag Bars und Restaurants auf, als sei nichts geschehen.

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