Damit spricht der alte Mann eines der größten Probleme Ahmadinedschads an: das Scheitern seiner Wirtschaftspolitik. Das Land nimmt derzeit mehr als 60 Milliarden Dollar aus seinen Ölexporten ein. Das ist viermal so viel wie in den 90er-Jahren. Die Einnahmequellen sprudeln dank des gestiegenen Ölpreises wie noch nie.
Ahmadinedschad verteilt auch großzügig Geschenke an das Volk – das hat er schließlich bei seiner Wahl versprochen. Doch das heizt wiederum die Inflation an. Und so schmelzen die Gaben dahin.
Als „Schiff ohne Kompass“ bezeichnet sogar der prominente Erzkonservative Ahmed Tavakoli daher die Wirtschaftspolitik des iranischen Präsidenten. Und Hasan Abbasi, Chefideologe der Revolutionswächter, warnt: „Die Unzufriedenheit der Menschen und die Probleme der Gesellschaft sind viel gefährlicher als ein US-Angriff.“
Im Sommer 2005 konnte sich Ahmadinedschad als Präsident durchsetzen, weil viele Iraner mit den von den Mullahs ausgebremsten Reformbemühungen seines Vorgängers Chatami unzufrieden waren. Jetzt sind es die meisten der knapp 44 Millionen Wahlberechtigten offenbar mit der Politik Ahmadinedschads.
Kein Wunder, wenn jetzt sein Vorgänger Chatami bei Auftritten wie ein neuer Heilsbringer gefeiert, wie ein Popstar umjubelt wird – mit Sprechchören, lauter Musik und in die Luft geworfenen kleinen bunten Wahlzetteln. Als der Mann im beigefarbenen Umhang und mit schwarzem Turban schließlich seine Stimme erhebt, erntet er „Chatami, Chatami“-Jubelstürme.
Er wolle nichts Schlechtes über seine Gegner sagen, sagt er im langsam-nasalen Predigerton der Mullahs im Gebetsraum einer Moschee. Und so bleibt Chatami zunächst vage: „Unsere Gegner wollen ein schwaches Parlament, und deshalb haben sie viele gute Kandidaten ausgeschlossen“, kritisiert er den fundamentalistischen Wächterrat,
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