Schließlich feuert der Ex-Präsident aber doch noch eine Breitseite in der Moschee ab: Ohne den Namen Ahmadinedschads zu nennen, sagt Chatami: „Wir sind gegen Amerika. Aber nur ein schlechter Politiker hat mit seinem unsinnigen Verhalten den USA einen Anlass geboten, in unsere Region zu kommen.“ Chatami spielt damit auf Ahmadinedschads ständige Hasstiraden gegen Amerika und Israel an.
Der Präsident profilierte sich als einer, der aufsteht gegen die angeblichen Weltherrschaftsansprüche der USA, als einer, der das Recht Irans auf Nukleartechnologie bei jeder Gelegenheit verteidigt. Das brachte ihm Sympathien in einigen Bevölkerungskreisen, und es lenkte ab von seinem Versagen in der Wirtschaftspolitik.
Doch das funktioniert offenbar nicht mehr so reibungslos, denn selbst unter Ahmadinedschads Förderern und Anhängern, den neuen Jakobinern mit Bart und Turban, mehren sich inzwischen die kritischen Töne. Selbst die Atompolitik sorgt jetzt für Zündstoff.
Ahmadinedschad bezog Prügel vom Allerhöchsten: Die dem Religionsführer und damit unantastbaren Staatschef Ajatollah Ali Chamenei nahestehende Zeitung „Dschomhuri Islami“ nannte jüngst Ahmadinedschads Atomkurs „aggressiv, nicht in schöne Worte gekleidet und den Eindruck von Starrsinn erweckend“. Zudem bekomme man, wie das Blatt in einem Aufruf an Ahmadinedschad schrieb, bei dessen Reden das Gefühl, als würde er „die Absicht hegen, von den Versäumnissen seiner Regierung abzulenken“.
Derart abgewatscht und wegen der Wirtschaftsmisere gebeutelt, reagiert das Ahmadinedschad-Lager mit noch mehr Härte: Steinigungen von zum Tode Verurteilten hätten wieder drastisch zugenommen, berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.
Viele iranische Frauen beklagen eine deutliche Verschärfung der islamischen Kleiderordnung: Man bekäme keinen Studienplatz und auch keinen Bürojob mehr, wenn man nicht das traditionelle Hijab-Kopftuch trage. Die Zeiten locker gebundener bunter Tücher, unter denen ein paar Haarsträhnen hervorlugen, sind bis auf weiteres außerhalb des weltoffenen Nordens Teherans mit seinen mondänen Einkaufszentren und Szenerestaurants vorbei.
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