0 Bewertungen
14.03.2008 

Schließlich feuert der Ex-Präsident aber doch noch eine Breitseite in der Moschee ab: Ohne den Namen Ahmadinedschads zu nennen, sagt Chatami: „Wir sind gegen Amerika. Aber nur ein schlechter Politiker hat mit seinem unsinnigen Verhalten den USA einen Anlass geboten, in unsere Region zu kommen.“ Chatami spielt damit auf Ahmadinedschads ständige Hasstiraden gegen Amerika und Israel an.

Der Präsident profilierte sich als einer, der aufsteht gegen die angeblichen Weltherrschaftsansprüche der USA, als einer, der das Recht Irans auf Nukleartechnologie bei jeder Gelegenheit verteidigt. Das brachte ihm Sympathien in einigen Bevölkerungskreisen, und es lenkte ab von seinem Versagen in der Wirtschaftspolitik.

Doch das funktioniert offenbar nicht mehr so reibungslos, denn selbst unter Ahmadinedschads Förderern und Anhängern, den neuen Jakobinern mit Bart und Turban, mehren sich inzwischen die kritischen Töne. Selbst die Atompolitik sorgt jetzt für Zündstoff.

Ahmadinedschad bezog Prügel vom Allerhöchsten: Die dem Religionsführer und damit unantastbaren Staatschef Ajatollah Ali Chamenei nahestehende Zeitung „Dschomhuri Islami“ nannte jüngst Ahmadinedschads Atomkurs „aggressiv, nicht in schöne Worte gekleidet und den Eindruck von Starrsinn erweckend“. Zudem bekomme man, wie das Blatt in einem Aufruf an Ahmadinedschad schrieb, bei dessen Reden das Gefühl, als würde er „die Absicht hegen, von den Versäumnissen seiner Regierung abzulenken“.

Derart abgewatscht und wegen der Wirtschaftsmisere gebeutelt, reagiert das Ahmadinedschad-Lager mit noch mehr Härte: Steinigungen von zum Tode Verurteilten hätten wieder drastisch zugenommen, berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Viele iranische Frauen beklagen eine deutliche Verschärfung der islamischen Kleiderordnung: Man bekäme keinen Studienplatz und auch keinen Bürojob mehr, wenn man nicht das traditionelle Hijab-Kopftuch trage. Die Zeiten locker gebundener bunter Tücher, unter denen ein paar Haarsträhnen hervorlugen, sind bis auf weiteres außerhalb des weltoffenen Nordens Teherans mit seinen mondänen Einkaufszentren und Szenerestaurants vorbei.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Ahmadinedschads Amtszeit ist immer stärker unter Beschuss geraten

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Jörg Haider: Die Ikone der Rechten

    Jörg Haider: Die Ikone der Rechten

    Eben haben sie noch ihren Wahlerfolg gefeiert, jetzt herrscht tiefe Trauer: Mit dem plötzlichen Unfalltod von Jörg Haider hat Österreichs Rechte ihre Führungsfigur verloren. Der Rechtpopulist war einer der schillerndsten und umstrittensten Politiker Europas. Das Leben ...Bildergalerie 

  • Finanzkrise: Misstrauen durchdringt all...

    Finanzkrise: Misstrauen durchdringt alle Bereiche

    Keine Frage, die Finanzkrise, die wir derzeit erleben, ist außergewöhnlich. Alle Vergleiche mit vorherigen Wirtschaftskrisen hinken. Und das Vertrauen ist zerstört, wie ein Blick auf wichtige Indikatoren des Finanzmarktes zeigt.Bildergalerie 

  • Hier versickern unsere Steuergelder

    Hier versickern unsere Steuergelder

    Ein Schwimmbad, das niemand nutzt. Gratis-Fitness für städtische Angestellte. Staatliche Tipps zum Umgang mit Wölfen ("Sie sind keine Kuscheltiere") – das neue "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler listet wieder die krassesten Fälle öffentlicher Verschwendung auf.Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Die Griechen rufen in der Krise nach dem Staat 

10.10.2008Global Reporting

Heute veröffentlicht die Athener Zeitung Kathimerini eine Meinungsumfrage zur Finanzkrise. Das Ergebnis: die Griechen sind besorgt, verfallen aber bisher nicht in Panik. 76 Prozent der Befragten sagen, sie seien „sehr“ oder „ziemlich beunruhigt“. Nur sechs Prozent lässt die Krise kalt. Blog


weiterMadagaskar

Amerikas nächster Finanzminister 

09.10.2008Madagaskar

Wenig beachtet wurde, dass Barack Obama und John McCain beim TV-Duell ihre Favoriten für das Amt des Finanzministers genannt haben. Doch keine Angst, weder Meg Whitmann noch Warren Buffet werden das derzeit wenig begeehrte Amt erben. Blog