„Eindeutige Mahnung“
Moody's entzieht Großbritannien Top-Rating

Nachdem die Börsen sich ins Wochenende verabschiedet hatten, fiel der Rating-Hammer auf Großbritannien: Wegen schwachen Aussichten, lahmem Wachstum und einem wachsenden Schuldenberg verlieren die Briten die Bestnote.
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WashingtonGroßbritannien zahlt den Preis für eine hartnäckige Wirtschaftsflaute und ist erstmals in der Geschichte von einer großen Rating-Agentur herabgestuft worden. Moody's entzog dem Königreich am Freitag das wertvolle Spitzenrating „AAA“ und überreichte so gleichzeitig die Quittung für den explosiven Anstieg der staatlichen Verschuldung seit der Finanzkrise.

Damit schrumpft in der EU die Gruppe der „AAA“-Länder um Deutschland weiter - Frankreich hatte erst im vergangenen Jahr seine Bestnote eingebüßt. Für Finanzminister George Osborne und seinen unbeliebten Sparkurs ist das Urteil ein herber Rückschlag: Er war 2010 mit dem Versprechen gewählt worden, das Spitzenrating zu verteidigen. Die Opposition sprach von einer „Demütigung“ für Osborne.

Moody's bewertet die Bonität Großbritanniens nun nur noch mit der Note „AA1“. Damit könnten sich neue Kredite für das Land verteuern, falls die Finanzmärkte einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Auch die USA haben im Zuge der Finanzkrise eine „AAA“-Note bereits verloren. Bei diesen beiden Ländern hatte der Schritt jedoch bislang keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten.

Moody's erklärte am Freitagabend nach US-Börsenschluss, die britische Rückstufung erfolge auch wegen der anhaltenden Schwäche bei den mittelfristigen Wachstumsperspektiven des Landes. Diese werde wohl auch noch einige Jahre hinziehen.

Das liege an einer schwächeren Weltwirtschaft und den Folgen des Sparkurses von Regierung und Unternehmen. Gleichwohl mache die grundsätzlich vorhandene Wirtschaftskraft des Landes und ein politischer Wille eine finanzielle Konsolidierung in Großbritannien möglich. Der Ausblick für das neue Rating „AA1“ sei jedenfalls stabil.

Der britische Finanzminister George Osborne sagte, die Entscheidung von Moody's sei eine „eindeutige Mahnung“ bezüglich der Schuldenprobleme in Großbritannien und zugleich eine klare Warnung für alle, die dächten, sie könnten diesen Problemen ausweichen.

Für die Finanzmärkte kam die Nachricht nicht ganz überraschend: Neben Moody's hatten auch Standard & Poor's sowie Fitch Großbritannien bereits mit einem Entzug der Bestnote gedroht. Deshalb dürften sich die Kursreaktionen nach Einschätzung von Börsianern zum Handelsstart am Montag zunächst in Grenzen halten. Das Pfund reagierte bereits mit einem Wertverlust von knapp einem US-Cent auf 1,5160 Dollar.

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  • Bin mir nicht sicher, was mir unsympathischer ist.

    Das arrogante, kundenverdummende Geschäftsmodell der Ratingagenturen, die von dem was sie aussagen wollen, so gar keine Ahnung haben. Typisch amerkanischer, oberflächlicher Murks.

    Oder der Stolz der Inselbewohner, der vor einigen Jahrhunderten noch berechtigt gewesen sein mag. Die haben den Schuß noch immer nicht gehört.

    Und nun schießen die auch noch gegeneinander. Das wird spassig.

  • Das System beschei.t sich gegenseitig.
    Frisst sich selbst mit Haut und Haaren,- einige machen das mit Besteck, die anderen ohne. Das alles legal und in Nadelstreifen.

  • @Marco99
    Das Geschäftmodell ist nicht zu "verstehen", solange man glaubt, daß es wirklich um Bewertung geht. Es geht um Finanzmacht (und natürlich "im Kleinen" ums Geld verdienen, das Machtinstrument soll sich ja selbst tragen).

    Die Logik: die Ratingagenturen verbreiten nur "Meinungen" - wegen Meinungsfreiheit sind sie aber nicht haftbar zu machen. Gleichzeitig haben sie aber eine offizielle "Lizenz" der Regierungen, so daß z.B. Fondsmanager an diesen Bewertungen schon aus rechtlichen Gründen nicht vorbeikommen - egal was sie persönlich von diesen "Meinungen" halten, vermutlich nichts.

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