"Eine große Persönlichkeit"
Österreichs Präsident Klestil gestorben

Der 71- Jährige Thomas Klestil starb am Dienstag kurz vor Mitternacht in der Wiener Universitätsklinik, wie die behandelnden Ärzte mitteilten. Als Todesursache nannten die Ärzte in der Nacht zum Mittwoch „ein gesamtes Organversagen, das fast kein Organ ausgespart hat“.

HB WIEN. Klestil hatte am Montag einen zweimaligen Herzstillstand erlitten und war danach von den Ärzten in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Im Verlauf des Dienstags hatte sich sein Zustand dramatisch verschlechtert. Zum Zeitpunkt seines Todes war seine Familie an seinem Krankenbett.

In einer ersten Reaktion auf Klestils Tod setzte das österreichische Bundesheer alle Fahnen im Land auf Halbmast. Der künftige Bundespräsident Heinz Fischer, der an diesem Donnerstag vereidigt wird, sagte, „ganz Österreich trauert“. Klestils Lebensweg sei „durch Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug geprägt“ gewesen.

Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nannte Klestil eine „große Persönlichkeit“. Schüssel, der in den vergangenen Jahren immer wieder zum Teil offene Konfrontationen mit Klestil ausgetragen hatte, betonte, mit dem Präsident habe das Land „einen überzeugten Österreicher und Europäer verloren“. Seine Beziehungen vor allem zu den Nachbarländern seien eine wichtige Voraussetzung für die Wiedervereinigung Europas gewesen.

Die Chancen für eine Genesung des seit Jahren kranken Präsidenten waren nach Auskunft der Ärzte von vornherein gering. Zusammen mit dem zweimaligen Herzstillstand hatte am Montag auch die Atmung des Präsidenten für 20 Minuten ausgesetzt. Am Dienstagabend hatten sich zwar die Herzfunktionen des Präsidenten stabilisiert, doch zeichnete sich ein Versagen aller anderen Organe ab.

Klestil war 1992 von der konservativen Volkspartei ÖVP für das Amt des Präsidenten nominiert und mit deutlicher Mehrheit gewählt worden. 1998 wurde er mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. Klestil stammte aus einfachen Verhältnissen. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, trat dann dem diplomatischen Dienst bei und wurde schon als 30- Jähriger in die österreichische Botschaft nach Washington entsandt.

Die USA blieben sein bevorzugtes Aufgabengebiet. Unter anderem war er Generalkonsul in Los Angeles (1969-1974), Uno-Botschafter in New York (1978-1982) und Botschafter in Washington (1982-1987). Klestils Gesundheitszustand war bereits vor dem Herzstillstand stark angegriffen. Er litt seit Jahren unter einer schweren Autoimmun-Erkrankung, bei der sich die Abwehrkräfte des Erkrankten gegen den eigenen Körper richten. Schon 1996 erkrankte er an einer schweren Lungenentzündung in deren Verlauf er mehrere Tage in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt werden musste.

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