Einen Tag früher
Übersee-Franzosen wählen schon am Samstag

Am Samstag bricht Frankreich mit einer Tradition und zieht die Wahlen in seinen Überseegebieten um einen Tag vor. Die Einwohner dort haben schon einen Tag vor den Wahlen in Frankreich selbst die Möglichkeit, zur Urne zu gehen. Damit soll ein Problem beseitigt werden, das die Enthaltungsquoten in der Vergangenheit nach oben getrieben hat.

HB SAINT-PIERRE/PARIS. Die französischen Parlamentswahlen sind am Samstag in den Überseegebieten in Amerika angelaufen. Die ersten Wahllokale öffneten um 12 Uhr MESZ auf der kleinen Inselgruppe Saint-Pierre-et-Miquelon vor Kanada. Die gut 6 000 Insulaner werden durch einen der 577 Abgeordneten in der Nationalversammlung vertreten, das Überseegebiet La Réunion im Indischen Ozean stellt fünf Volksvertreter. In Frankreichs europäischem Mutterland öffnen die Wahllokale am Sonntag. Erste Hochrechnungen dürfen dann ab 20 Uhr veröffentlicht werden. Fünf Wochen nach der Wahl des konservativen Staatschefs Nicolas Sarkozy ließen Umfragen eine klare Mehrheit für seine UMP-Partei erwarten.

Die Sitze in der Nationalversammlung werden in zwei Durchgängen am 10. und 17. Juni vergeben. Durch das Mehrheitswahlrecht sind dort in der Regel fast nur die großen Parteien und deren Verbündete vertreten. In der ersten Runde ist in jedem Wahlkreis eine absolute Mehrheit erforderlich, um das Direktmandat zu erringen. In der zweiten Runde der Bestplatzierten reicht eine relative Mehrheit.

In der bisherigen Nationalversammlung dominiert die UMP-Fraktion mit 359 Sitzen. Die Sozialistische Partei der Präsidentschafts-Zweiten Ségolène Royal stellt 149 Abgeordnete und die UDF-Fraktion des Präsidentschaftsdritten François Bayrou 29. Die UDF ist seit den Präsidentschaftswahlen gespalten: Ein Teil tritt als Neues Zentrum oder Europäische sozialliberale Partei im Rahmen der Sarkozy-Mehrheit an, ein anderer Teil um Bayrou als Demokratische Bewegung (MoDem).

Im Laufe des Samstags sollten die Wahllokale auch noch in Gebieten von Französisch-Guyana in Südamerika, auf den Antillen-Inseln Guadeloupe und Martinique sowie auf Neukaledonien im Pazifik öffnen. Durch das Vorziehen der Wahlen in Übersee soll eine Benachteiligung der Franzosen in den Zeitzonen westlich des Mutterlandes beseitigt werden. Sie gingen bislang teils erst an die Urnen, wenn in Frankreich bereits die Wahl abgeschlossen war und erste Ergebnisse verkündet wurden. Dies führte regelmäßig zu hohen Enthaltungsquoten.

Wegen der schwierigen Organisation war die erste Wahlrunde in Französisch-Polynesien sogar schon am vergangenen Samstag abgehalten worden. Zur Stichwahl stehen sich nun am 16. Juni Befürworter einer Unabhängigkeit Polynesiens in zwei Wahlkreisen konservativen Kandidaten der Allianz Tahoeraa Huiraatira gegenüber, die mit der UMP verbündet ist. Die logistischen Herausforderungen sind bei der Wahl auf der anderen Seite der Erde gewaltig: Das Gebiet mit fünf Inselgruppen erstreckt sich über eine Fläche von der Größe Europas.

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