Einer der meistgesuchten Kriegsverbrecher der Welt: Hintergrund: Mladic seit mehr als zehn Jahren unbehelligt

Einer der meistgesuchten Kriegsverbrecher der Welt
Hintergrund: Mladic seit mehr als zehn Jahren unbehelligt

Seit seiner Anklage vor dem UN- Kriegsverbrechertribunal im Juli 1995 ist Ratko Mladic unbehelligt geblieben.

HB FRANKFURT. Noch im Mai 1996 nahm er öffentlich an einem Begräbnis in Belgrad teil, trotz seiner Anklage wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieb er zunächst Befehlshaber der bosnisch-serbischen Streitkräfte.

Nach seinem Rücktritt im November 1996 tauchte Mladic unter. Erst fast zehn Jahre später wurde der Exgeneral Berichten zufolge jetzt in Belgrad gestellt.

Mladic kam am 12. März 1943 in dem Bergdorf Treskavica südlich von Sarajevo zur Welt, einer Hochburg der serbischen Nationalisten.

Seine Eltern schlossen sich im Kampf gegen die deutschen Besatzungstruppen den Partisanen des jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito an. Bereits mit 15 Jahren beendet Mladic seine Ausbildung an der Militärschule Zemun nahe Belgrad und begann eine steilen Aufstieg bei den Streitkräften.

Im Januar 1991 wurde er stellvertretender Befehlshaber eines Armeekorps in der überwiegend albanisch besiedelten und zu Serbien gehörenden Provinz Kosovo. Er erwarb sich einen Ruf als intelligenter, durchsetzungsfähiger, instinktsicherer, aber auch skrupelloser Offizier und wurde im April 1992 zum General befördert.

Wenig später begann der Bürgerkrieg zwischen bosnischen Serben, Kroaten und Muslimen, Mladic wurde Befehlshaber der bosnisch-serbischen Verbände. Binnen kurzer Zeit eroberten seine Truppen rund 70 Prozent des Territoriums der Teilrepublik.

Mladic und der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, bildeten fortan das Zweigespann der serbischen Aggression in Bosnien-Herzegowina. Mit der brutalen Zerstörung von Dörfern und Städten, so genannten ethnischen Säuberungen mit Massakern und Flüchtlingsströmen ohne Beispiel, Internierungslagern und Kriegsgräueln jeder Art hielten sie jahrelang die zivilisierte Welt in Atem.

Versuche einer politischen Lösung blieben lange ohne greifbare Ergebnisse, so dass sich das Ausland weitgehend auf humanitäre Hilfe beschränkte. Die Rolle von rund 25.000 UN-Blauhelmsoldaten erwies sich als zunehmend prekär.

Im Sommer 1995 erhielt der Krieg eine neue Dimension: Immer ungenierter gingen die Serben dazu über, sich ihrer in den UN-Schutzzonen unter Aufsicht gestellten Waffen wieder zu bedienen, beschossen Hilfsflüge und nahmen Blauhelme als Geiseln.

Im Juli 1995 schließlich griffen Mladics Truppen die im Osten der Republik liegende Schutzzone Srebrenica an und vertrieben die muslimische Bevölkerung, rund 8.000 Männer und Jungen wurden getötet. Erst ein Militäreinsatz der Alliierten Ende August brachte die Wende, im Oktober stimmten alle Seiten einem Waffenstillstand zu.

Im Dezember wurde schließlich das Friedensabkommen von Dayton unterzeichnet. Der Druck auf die serbische Regierung, Mladic an das Haager Tribunal zu überstellen, nahm immer mehr zu. Der 62-Jährige wurde zu einem der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher der Welt.

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