Einflussreicher EU-Posten
Bleibt Jean-Claude Juncker Chef der Euro-Gruppe?

Die EU-Finanzminister haben die Entscheidung über den EZB-Direktoriums-Posten vertagt. Weiterhin unklar ist auch, wer künftig Eurogruppen-Chef sein soll. Kreisen zufolge ist nicht ausgeschlossen, dass Juncker bleibt.
  • 5

BrüsselDie Euro-Staaten nehmen sich in der Schuldenkrise Zeit mit der Besetzung einflussreicher Posten in der Währungsunion. Die Finanzminister der Euro-Zone vertagten am Montag die Entscheidung darüber, welches Land als nächstes einen Notenbanker ins Direktorium der Europäischen Zentralbank schicken darf, wie ein Vertreter der Euro-Zone am Rande der Beratungen der Eurogruppe in Brüssel der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Damit ist die Entscheidung zwischen den Kandidaten Luxemburgs, Spaniens und der Slowakei noch nicht gefallen. Auch ist Kreisen zufolge noch völlig offen, wer die Runde der Finanzminister künftig führen soll. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker weitermache. Beide Posten müssen bis Juni entschieden sein.

„Selbst wenn er gesagt hat, dass er nicht mehr will - Juncker ist ein sehr fähiger Mann“, hieß es am Rande des Ministertreffens in Brüssel. Der 57-Jährige hat zuletzt wiederholt Amtsmüdigkeit signalisiert, genießt aber als langjähriger Regierungschef eines kleinen und zugleich finanziell gesunden Euro-Landes das Vertrauen sowohl der Nord-Länder als auch der angeschlagenen südeuropäischen Staaten. Gegen Juncker ist allerdings Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Wiederwahl im Mai ebenfalls offen ist.

Die anstehenden Personalien sind zwar offiziell nicht miteinander verknüpft, es gilt aber als ungeschriebenes Gesetz in der EU, Posten gleichmäßig auf die verschiedenen Staaten zu verteilen. „Die Entscheidungsfindung ist sehr kompliziert und wir müssen ein Gleichgewicht wahren“, sagten die EU-Vertreter.

Junckers möglicher Verbleib im Amt blockiert offenbar die Entscheidung über den EZB-Posten. Hier schien zuletzt der Weg für Luxemburgs Notenbankchef Mersch frei. Damit würden aber gleich zwei Luxemburger an entscheidenden Stellen sitzen. Im sechs Personen großen EZB-Direktorium steht die Nachfolge des Spaniers Jose Manuel Gonzalez Paramo an. Da bisher alle vier großen Länder permanent an der EZB-Spitze vertreten waren, erhebt Spanien den Anspruch auf die Besetzung. Das Direktorium leitet die EZB im Tagesgeschäft und bereitet die Sitzungen des für die Geldpolitik entscheidenden EZB-Rats vor.

Seite 1:

Bleibt Jean-Claude Juncker Chef der Euro-Gruppe?

Seite 2:

Schäuble will Kandidat mit Spitzenbonität

Kommentare zu " Einflussreicher EU-Posten: Bleibt Jean-Claude Juncker Chef der Euro-Gruppe?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wer irgendwie nicht abhanden kommen will, darf sich immer wieder Gehör derart verschaffen, er sei unersät(t)zlich. Wein einmal den Job ausfüllt, der eigentlich so nie vorgesehen war, weiß wie die Zukunft aussieht.

    So werden demnächst die Wahlen, je nach Bedarf herangewunken und erteilen denen die Absolution.

    Hier könnte das geflügelte Wort vom Luxemburger angebracht erscheinen. Es gibt solche und solche, und Luxemburger. Der Gegenpol von Pfälzern, LOthingern,Elsässern, Wallonen, Eifeler und Saarländern. Eben gute Nachbarschaft erhlten Freundschaften. Hat allerdings bei einem anderen, wirklich fähigen Gaston Thorn nicht funktioniert. Sein größtes Hindernis, er hatte zu viele Sprachen auf der Antenne und hätte den ein oder anderen Staatslenker in EUropa unmündig gemacht. Leider bereits verstorben.

  • "Eurogruppenchef" - ist dieses Amt bzw. diese Funktion irgendwo vorgesehen oder geregelt?

  • Zitat:„Selbst wenn er gesagt hat, dass er nicht mehr will - Juncker ist ein sehr fähiger Mann“

    Alle Regeln, Verträge, Gesetze und Versprechen gebrochen. Den Bail-out ins Gegenteil verkehrt (ohne neue Abstimmung in den Mitgliedsländern). Die EZB sorgt für Inflation und mischt sich politisch ein. Der ESM verstößt gegen das Grundgesetz (nicht nur in D). Probleme wie Korruption und Bestechlichkeit in Nehmerländer wurde und wird wissentlich geduldet. Länder wie England, Ungarn und Dänemark verlassen das sinkende Schiff.

    Was ist daran fähig?

    Jeder Fußballverein wirft den Trainer raus, wenn nur schlechte Ergebnisse eingefahren werden. Bei der EUdSSR ist das nicht so.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%