Einführung von Quoten
Frankreichs Wirtschaft führt Integration vor

In Frankreichs Vorstädten ist seit zwei Wochen wieder Ruhe eingekehrt. Doch die Debatte über die Ursachen der Gewalt und die daraus zu ziehenden Konsequenzen hat erst begonnen. Für die französische Regierung ist klar: Das Hauptproblem ist die schlechte Integration der Einwanderer-Kinder.

PARIS. Dafür wird auch die unzureichende Steuerung der Einwanderer-Ströme verantwortlich gemacht. Dagegen setzt die Wirtschaft auf Initiativen, um den Einwanderer-Kindern zu mehr Chancen im Arbeitsleben zu verhelfen. Ausgerechnet dabei werden die Unternehmen manchmal vom Staat gebremst.

Regierungschef Dominique de Villepin setzt auf einen Mix: Strengere Steuerung der Zuwanderung und gleichzeitig verbesserte Integrations-Angebote für die in Frankreich lebenden Minderheiten. Die Regierung beschloss am Dienstag eine Verschärfung der Regeln für den Familienzuzug. So soll ein Ausländer künftig erst nach zwei statt bisher nach einem Jahr Aufenthalt beantragen dürfen, dass seine Familie nach Frankreich nachreist. Daneben will de Villepin am morgigen Donnerstag bei seiner monatlichen Pressekonferenz Details für ein neues Gesetz für mehr Chancengleichheit vorstellen. Darin will er unter anderem der neuen Anti-Diskriminierungsbehörde das Recht einräumen, gegen Unternehmen Geldstrafen zu verhängen, sollten diese beispielsweise Bewerber wegen der Hautfarbe ablehnen.

Wirtschaftsvertretern reicht dies nicht. Sie fordern, tabu-frei über alle Lösungsansätze für mehr Chancen-gleichheit nachzudenken – wie etwa Quoten. Doch davon will die Regierung bislang nichts wissen. „Die Politik hat viel zu lange ignoriert, dass es ein Diskriminierungsproblem gibt“, schimpft Yazid Sabeg. Der Manager algerischer Abstammung ist Präsident des Elektronik- und Informatikspezialisten CS Communication & Systèmes und Autor mehrerer Berichte über mangelnde Chancengleichheit in Frankreich. Nur durch gezielte Förderung der Benachteiligten könne die Ungleichbehandlung korrigiert werden, meint er. Sabeg ist einer der führenden Verfechter der „positiven Diskriminierung“, wie sie auch Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy vorschlägt.

Bereits vor einem Jahr hat Sabeg zusammen mit Axa-Präsident Claude Bébéar die „Charta der Vielfalt (Charte de la diversité)“ formuliert. Darin verpflichten sich Unternehmen, dass das Profil ihrer Mitarbeiter die französische Gesellschaft in kultureller, ethnischer und sozialer Hinsicht spiegeln soll. Über 200 Unternehmen haben diese Selbstverpflichtung bereits unterschrieben. „Es gibt auch Interesse aus Deutschland an unserer Charta“, sagt Sabeg.

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