Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium Trumps Strafzölle provozieren einen Handelskrieg – EU kündigt Gegenmaßnahmen an

Die USA wollen nächste Woche radikale Einfuhrzölle auf Metallimporte beschließen. Die EU kündigt eine entschlossene Reaktion an.
Update: 02.03.2018 - 06:46 Uhr 5 Kommentare

„Wir haben zum ersten Mal Schutz“ – Trump kündigt Strafzölle an

„Wir haben zum ersten Mal Schutz“ – Trump kündigt Strafzölle an

Washington, BrüsselFür seine außerordentliche Entscheidung hat sich der US-Präsident geballte Verstärkung geholt. Auf kurzfristige Einladung strömten 15 Firmenbosse der Stahl- und Aluminiumindustrie am Donnerstagmorgen ins Weiße Haus, darunter die CEOs von Arcelor Mittal, der US Steel Corporation oder United Aluminium.

Während des Treffens hinter verschlossenen Türen legte sich Donald Trump vor seinen Zuhörern fest: Die lange angedrohten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren werden kommen. Das kündigte er nach übereinstimmenden US-Medienberichten im Beisein der CEO-Runde an. Die Strafzölle sollen sogar noch radikaler ausfallen, als Trumps Handelsminister Wilbur Ross es Trump nahegelegt hatte.

Trump erklärte demnach, er wolle bereits in der kommenden Woche Importzölle in Höhe von 25 Prozent für Stahl und von zehn Prozent für Aluminium einführen. „Das wird für eine lange Zeit gelten“, fügte Trump den Berichten zufolge hinzu.

Konkrete Details wurden zunächst nicht bekannt, auch nicht über mögliche Ausnahmen für bestimmte Handelspartner der USA. Für den Nachmittag ist eine Pressekonferenz mit Sprecherin Sarah Sanders geplant.

„Unsere Stahl- und Aluminiumindustrie (und viele andere) sind durch Jahrzehnte des unfairen Handels und der schlechten Politik mit Ländern aus der ganzen Welt dezimiert worden“, hatte der Präsident zum Tagesanbruch getwittert. „Wir dürfen unser Land, unsere Unternehmen und unsere Arbeiter nicht länger ausnutzen. Wir wollen freien, fairen und smarten Handel!“

Scharfe Reaktion der EU-Kommission

Die EU-Kommission reagierte scharf auf die Ankündigung Trumps. „Die EU wird entschlossen reagieren und ihre Interessen angemessen verteidigen“, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Behörde werde Gegenmaßnahmen vorschlagen, die im Einklang mit der WTO stünden.

Handelskommissarin Cecilia Malmström kündigte an, das Schiedsgericht der WTO anzurufen. Die EU werde zudem beobachten, welche Auswirkungen die US-Entscheidung auf die europäischen Märkte hat, und notfalls selbst Schutzmaßnahmen ergreifen, um dessen Stabilität zu bewahren.

Die Behörde hat bereits im Vorfeld eine Liste mit möglichen Gegenmaßnahmen erstellt, die unter anderem Zölle auf Harley-Davidson-Motorräder, Bourbon-Whiskey und Orangensaft umfasst.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments, Bernd Lange, kritisierte die Ankündigung scharf. „Präsident Trump schlägt wild um sich. Das ist rücksichtloser Nationalismus und Protektionismus in Reinform, der auch den Interessen der US-Bürgerinnen und -Bürger zuwiderläuft“, sagte er.

Kanada kündigte ebenfalls eigene Schritte nach Trumps Vorstoß an. Im Fall solcher Beschränkungen „wird Kanada mit Maßnahmen reagieren, um seine Handelsinteressen und seine Arbeiter zu schützen“, sagte Außenministerin Chrystia Freeland am Donnerstag. Konkreter wurde Freeland nicht. Die von Trump angekündigten Zölle seien „absolut inakzeptabel“, hieß es aus Ottawa.

Freeland zufolge haben die USA beim Stahlhandel mit Kanada einen Handelsüberschuss von rund zwei Milliarden kanadischen Dollar (1,3 Milliarden Euro). „Kanada kauft mehr amerikanischen Stahl als jedes andere Land der Welt, was mehr als die Hälfte der US-Exporte ausmacht“, sagte Freeland.

US-Stahlaktien glänzen – Deutsche Branche alarmiert

Die Ankündigung ist eine Kampfansage an die Handelspartner der USA weltweit. An der US-Börse kamen die Nachrichten gar nicht gut an. Der Dow-Jones-Index verlor zwischenzeitlich mehr als 500 Punkte, nachdem er zuvor mehr als 100 Punkte im Plus lag und schloss deutlich im Minus. Grund sind Sorgen vor einem Handelskrieg.

Nur die Stahlaktien glänzten: United States Steel Corporation legte zwischenzeitlich fast zehn Prozent zu und pendelte sich bei sechs Prozent ein. AK Steel und Century Aluminum legten beide mehr als neun Prozent zu. Steel Dynamics konnte knapp vier Prozent gewinnen.

In Deutschland reagierte die Branche alarmiert. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl rechnet damit, dass Strafzölle in Höhe von 25 Prozent deutsche und europäische Unternehmen vermutlich vollständig vom amerikanischen Markt verdrängen würden.

Vor allem die Stahlindustrie in Deutschland wäre betroffen, da die Vereinigten Staaten mit einem Volumen von knapp einer Million Tonnen der wichtigste Markt nach der Europäischen Union für Walzstahlexporte aus Deutschland sind. Exportiert werden zudem besonders wertschöpfungsintensive Güter. Mit einem Importwert von 1,7 Milliarden Dollar ist Deutschland der wichtigste europäische Anbieter auf dem US-Markt.

Die Vereinigten Staaten sind weltweit der größte Importeur von Stahl, Tendenz steigend. Die größten Mengen kommen dabei aus Kanada, Brasilien, Südkorea, Mexiko und Russland. Insgesamt liefert die EU rund 3,6 Millionen Tonnen Stahl in die USA – allerdings bei einem Gesamtausstoß von rund 130 Millionen Tonnen. Damit ist Europa einer der großen Exporteure von Stahl, hinter China, Kanada, Brasilien und Südkorea.

Die meisten deutschen Stahlkonzerne wollten sich zu den Strafmaßnahmen aus Washington zunächst nicht direkt äußern. Die Strafmaßnahmen für jedes einzelne Unternehmen sind zwar schmerzlich, aber nicht bedrohlich: Betroffen von den Maßnahmen wären allenfalls zwei bis drei Prozent des gesamten Ausstoßes.

„Man muss sich das nun im Einzelnen anschauen“, heißt es bei einem großen Stahlhersteller in Deutschland. „Wer zahlt das? Die Kunden? Oder wir? Lohnt sich dann für uns das Geschäft noch?“ Europas Stahlhütten liefern vor allem hochwertige Sorten, die die amerikanische Konkurrenz zum Teil nicht im Angebot hat. Die Abnehmer in den USA, sei es aus der Autobranche oder im Maschinenbau, sind aber auf diese Spezialstähle angewiesen. „Wir wollen die Kunden ja auch nicht hängen lassen“, heißt es in Branchenkreisen.

Für Ärger sorgte in der Branche, dass sich die EU-Kommission zuerst mit Protesten oder einer politischen Bewertung bedeckt gehalten habe: „Da geht es um Tausende Arbeitsplätze in Europa, und die EU rührt sich nicht“, hieß es bei einem großen Stahlhersteller.

Wolfgang Eder, früherer Weltstahlpräsident und CEO der Voestalpine, ist sich sicher, dass Trumps Entscheidung massive wirtschaftliche Auswirkungen mit sich bringen wird. „Voestalpine wird die Auswirkungen auf ihre Beziehungen mit den USA prüfen und in der Folge eine entsprechende Vorgehensweise definieren.“

Die Voestalpine tätige etwa zwei Drittel ihrer US-Umsätze von rund einer Milliarde Euro als lokaler Erzeuger in den USA und sei daher mit dem Großteil ihrer Aktivitäten von den geplanten Maßnahmen nicht berührt, sagte Eder weiter.

Droht neue Importkrise?

Die deutsche Stahlindustrie fürchtet nach der Entscheidung aus Washington, dass sie zudem unter den indirekten Folgen leiden wird, wenn insbesondere asiatische Stahlhütten aus Südkorea oder China die Mengen, die sie nicht mehr in den USA unterbringen können, in erheblichem Ausmaß im relativ offenen EU-Markt abladen. „Ein erneuter Ausbruch der bis heute noch nicht vollständig überwundenen Importkrise auf dem EU-Stahlmarkt wäre die unweigerliche Folge“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Kerkhoff fordert daher, dass die europäische Stahlindustrie vor den drohenden Umlenkungseffekten geschützt werden müsse. „Dies muss natürlich im Rahmen der in der WTO dafür vorgesehenen Instrumente erfolgen.“

Parallel dazu müsse die Arbeit im Rahmen des Globalen Stahlforums der G20 intensiviert werden. Den USA sollte mehr denn je gezeigt werden, dass multilaterale Lösungen der bessere Weg sind als protektionistische Sonderwege. „Darauf sollten gerade die politischen Entscheider in der EU die US-Seite deutlich hinweisen“, sagt Kerkhoff.

Die von den USA angestrebte Importreduzierung von 13 Millionen Tonnen droht laut Kerkhoff zu einem erheblichen Teil in den EU-Markt zu fließen. „Wenn die EU nicht handelt, wird unsere Stahlindustrie die Rechnung für den Protektionismus in den USA bezahlen. Europa wird durch Handelsumlenkungen von einer neuen Stahlschwemme bedroht, in einer Situation, in der die Importkrise auf dem EU-Markt bei Weitem noch nicht überwunden ist“, macht Kerkhoff klar. Im vergangenen Jahr sind die Walzstahlimporte in die EU um ein Prozent auf einen neuen Höchststand von 32 Millionen Tonnen gestiegen.

Stahlexperten der Schweizer Großbank UBS gehen davon aus, dass auch die US-Wirtschaft unter den Folgen der Strafzölle auf importierten Stahl leiden wird. So würden unweigerlich die Kosten für die Autohersteller in den USA steigen – und das bei engen Profitmargen. „Viele werden Schwierigkeiten haben, das auf die Autokäufer abzuwälzen“, heißt es.

Autohersteller Toyota warnte bereits vor höheren Autopreisen in den USA. Die Entscheidung werde die Autobauer, die Autozulieferbranche und die Verbraucher benachteiligen, teilte Toyota am Freitag mit. Durch die höheren Produktionskosten würden auch die Preise steigen. 90 Prozent des benötigten Stahls und Aluminiums für in den USA produzierte Fahrzeuge kämen allerdings auch aus dem Land, ergänzte der japanische Autobauer.

Die gesamtwirtschaftlichen Folgen halten die UBS-Experten allerdings für überschaubar. Die Strafzölle beträfen weniger als ein Prozent der gesamten US-Importe. „Die Auswirkungen auf Nachfrage und Inflation sind zu vernachlässigen“, heißt es in der Studie.

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5 Kommentare zu "Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium: Trumps Strafzölle provozieren einen Handelskrieg – EU kündigt Gegenmaßnahmen an"

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  • Die EU und Handelskrieg. Diese Loser werden nicht einmal mit ein paar Gummibooten im Mittelmeer fertig und wollen gegen die USA antreten. Wie lachhaft solche Drohungen.
    Wenn der Rest der Welt kein Essen schickt, dann nagt dieser überbevölkerte Teil Europas am Hungertuch.

  • Junker sitzt im EU-Weinkeller u. bespricht mit Schulz die Gegenmaßnahmen, für den Deutschen Bürger ist von Vorteil, daß die energieintensiven Stahlkocher weniger produzieren u. dadurch die Energiesteuer die auf die Haushalte umgelegt werden, sinkt.

  • Ist doch prima. Wenn infolge also der qualitätsmäßig unterirdische US Stahl in den US Autos verbaut werden muss, wird wenigstens kaum noch ein US Auto verkauft.
    Genialer Schachzug der deutschen Autoindustrie !

  • Die USA produzieren nur 2.5% des weltweiten Stahls. Der Grund ist, dass die amerikanische Stahlqualitaet so schlecht war, dass selbst General Motors entschieden hatte, keinen Stahl in Nordamerika mehr zu kaufen. Strafzoelle werden die Stahlqualitaet in US Stahlwerken auch nicht verbessern. Interessante Entscheidung. Leider komplett an der Realitaet vorbei.

  • Herr Trump ist auf der Straße des Sieges, die Verarsche aus dem Ausland hat ein Ende.

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