Eingestellte Rettungsmission
So funktionierte „Mare Nostrum“

400 Flüchtlinge am Tag gerettet: Das ist die Bilanz der Marine-Mission Mare Nostrum, die Italien 2013 nach der Tragödie vor Lampedusa ins Leben gerufen hatte. Doch nach nur einem Jahr machte die EU damit Schluss.
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RomBinnen eines Jahres hat Italien von 2013 bis Oktober 2014 mit dem Marine-Einsatz „Mare Nostrum“ zehntausende Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Ab 1. November 2014 wurde dieser Einsatz durch eine Operation unter Führung der EU-Grenzagentur Frontex ersetzt. Die „Triton“ getaufte Mission war allerdings deutlich kleiner angelegt, weshalb Hilfsorganisationen schon damals vor einem Anstieg der Opferzahlen im Mittelmeer gewarnt hatten.

Italien hatte Mare Nostrum im Oktober 2013 unter dem Eindruck von zwei Flüchtlingstragödien ins Leben gerufen. Vor der Insel Lampedusa und vor Malta waren damals mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen. Laut italienischer Marine nahmen 32 Schiffe an Mare Nostrum teil, die von U-Booten sowie Flugzeugen und Hubschraubern unterstützt wurden.

Mit dem Einsatz wurden laut Rom mehr als 150.000 Menschen gerettet – im Schnitt waren es 400 pro Tag. Dies entsprach einer Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2013. Doch gerade an diesen Zahlen entzündet sich die Kritik.

Auch wenn das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR darauf verweist, dass der Anstieg schon Monate vor Mare Nostrum begann, kritisierten viele EU-Länder die Rettungsaktion als Anreiz zur Flucht nach Europa. Dazu trugen Berichte über Schlepperbanden bei, von denen die Operation systematisch ausgenutzt worden sein soll.

Sie schickten demnach vollkommen überladene Boote los und setzten dann einen Notruf an die italienische Marine ab, damit die Flüchtlinge nach Europa gebracht wurden. Mit an vorderster Front der Kritiker stand Deutschland. „Mare Nostrum war als Nothilfe gedacht und hat sich als Brücke nach Europa erwiesen“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Anfang Oktober 2014.

Tatsächlich stiegen die deutschen Asylbewerberzahlen sprunghaft an – in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 um fast 60 Prozent auf rund 136.000. Und alle Tragödien konnte natürlich auch der italienische Einsatz nicht verhindern: Mindestens 3300 Flüchtlinge starben im vergangenen Jahr bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Das finanziell klamme Italien fühlte sich darüber hinaus mit den Kosten der Operation von mehr als neun Millionen Euro pro Monat alleine gelassen. „Triton“ dagegen war nur drei Millionen Euro monatlich veranschlagt. Acht europäische Länder unterstützen den Einsatz Hilfe in Form von Schiffen und Flugzeugen. Deutschland hatte einen Hubschrauber und die Unterstützung durch einige Bundespolizisten angeboten.

Ausländische Hilfe bekommt Italien seitdem auch bei der Registrierung der Flüchtlinge, denen bei der Ankunft konsequent Fingerabdrücke genommen werden sollen. Dies soll verhindern, dass sie – wie oftmals geschehen – in andere EU-Länder weiterreisen, um dort Asylanträge zu stellen. Denn nach EU-Recht müssen sie dies im Ankunftsland tun.

Hilfsorganisationen hatte jedoch bereits im Vorfeld befürchtet, dass in Seenot geratene Flüchtlinge außerhalb des fortan verkleinerten Überwachungsgebietes nun im Stich gelassen würden. „Es ist damit absehbar: Noch mehr Menschen werden sterben“, sagt die Organisation Pro Asyl damals.

Tatsächlich reichte Mare Nostrum bis vor die Küste Libyens, von wo aus sich die meisten Flüchtlinge nach Italien auf den Weg machten. Mit Triton dagegen wurde nur noch ein Gebiet von 30 Seemeilen (55,6 Kilometer) vor der italienischen Küste sowie die Situation um die vorgelagerte Insel Lampedusa überwacht.

„Es reicht ein Moment, wenn ein altersschwaches Boot voller Menschen, mit schwangeren Frauen und Kindern, im Herbst zur Beute des Meeres wird“, schrieb damals die italienische Zeitung Europa. Dann würden sich „alle heutigen Berechnungen zu Ressourcen, zur Verantwortung (...) und zur Notwendigkeit, die Abreise der Verzweifelten nicht zu fördern, gegen ihre Urheber richten“.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Ein schwieriges Thema.
    In den Talkshows setzten sich die Politiker immer hin und Mimen den Philanthropen, in der Realpolitik hat man die lächerliche Summe für "Mare Nostrum" für zu teuer befunden, findet keinen Einigung auf EU-Ebene zur gerechten Flüchtlingsverteilung und im Grunde hat man das ganze "Problem" selbst geschaffen durch die Bombardierung von Libyen und die Einmischung in Syrien. Auch wenn Deutschland der ständige Sitz im UN-Sicherheitsrat verwehrt wurde wegen der Verweigerung am Libyeneinsatz, so kann man nun zumindest festhalten daran nicht direkt mitverantwortlich zu sein. GB und Frankreich sollten nun Verantwortung für dieses Debakel übernehmen.

  • Wenn man das Drama beenden wollte müsste man die Geretteten nicht in Italien, sondern in Nordafrika an Land setzen.

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