Einhellige Meinung
Der Kampf um "Made in Germany"

Selten genug herrscht über die Parteigrenzen hinweg eine solche Einigkeit. Im Falle des Prädikates "Made in Germany" ziehen Regierung, Opposition und Wirtschaft an einem Strang.

HB BERLIN. Zu Überlegungen in der EU-Kommission, für europäische Produkte ein Markenzeichen „Made in EU“ zu schaffen, erklärte Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) am Dienstag in Berlin, der Hinweis „Made in Germany“ habe sich „im Laufe der Jahrzehnte zu einem internationalen Qualitätssiegel entwickelt und wir werden ihn nicht für eine wie immer ausgestaltete EU-Kennzeichnung aufgeben“.

Ein Nebeneinander von „Made in the European Union“ und „Made in Germany“ würde bei den Verbrauchern „eher Verwirrung stiften, als ihnen dabei zu helfen, sich auf dem Markt zu orientieren“, sagte Zypries der dpa. Ähnlich Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD): „Das Prädikat zeigt, was in den Produkten steckt und ist nicht ersetzbar.“

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sprach von einer „Schnapsidee der Brüsseler Bürokratie“. Das „Made in Germany“ sei seit Jahrzehnten in aller Welt als Markenzeichen für deutsche Wertarbeit bekannt. „Es darf nicht durch die anonyme Herkunftsbezeichnung „Made in the EU“ abgelöst werden“. Eine solche Form der Überreglementierung gefährde zudem die Akzeptanz des europäischen Gedankens in der Bevölkerung.

Die FDP-Spitzenkandidatin für die Europa-Wahl, Silvana Koch-Mehrin, sieht in den Brüsseler Überlegungen einen „bürokratischen Moloch“. Mill. von Menschen werde damit ohne Not vor den Kopf gestoßen. Auch die deutsche Wirtschaft reagierte ablehnend.

In der „Bild“-Zeitung (Dienstag) sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski: „Wir sind stolz auf unser Qualitätssiegel. Eine verpflichtende EU- Kennzeichnung lehnen wir ab.“ Auch der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner, kritisierte die EU-Pläne: „Kunden in aller Welt schätzen die Spitzen-Qualität deutscher Produkte ... Deshalb lassen wir uns unser Gütesiegel nicht aus der Hand nehmen.“

EU-Handelskommissar Pascal Lamy hatte im Dezember mit einem Arbeitspapier die Diskussion um die Schaffung eines Labels „Made in EU“ angestoßen. Mit zwei Ausnahmen hatten alle EU-Mitgliedsländer sehr skeptisch auf den Vorschlag reagiert, teilte das Bundesjustizministerium mit. Derzeit ist die Herkunftskennzeichnung in der EU nicht geregelt. Manche Hersteller schreiben deshalb „Made in EU“ auf ihre Waren, andere je nach Land „Made in Germany“ oder eine entsprechende Bezeichnung.

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