Einigkeit unter Mitgliedstaaten zur Freigabe von Ölreserven: Energieagentur zeigt sich für Kriegsfall gerüstet

Einigkeit unter Mitgliedstaaten zur Freigabe von Ölreserven
Energieagentur zeigt sich für Kriegsfall gerüstet

Die Internationale Energieagentur (IEA) ist bereit, im Falle eines Nahost-Konflikts "schnell und wenn nötig massiv" Erdölreserven auf den Markt zu bringen. Dies sagte der neue IEA-Direktor Claude Mandil im Gespräch mit dem Wall Street Journal. Er habe die Zustimmung aller 26 IEA-Mitgliedstaaten, die Erdölreserven einzusetzen, um eine Ölverknappung zu verhindern. Selbst Deutschland und Frankreich, deren Regierungen einen US-Angriff im Irak nicht unterstützen, hätten ihre Zustimmung gegeben.

HB/Wall Street Journal PARIS. "Wir können innerhalb von Stunden agieren", sagte Mandil. Damit zeigt sich die IEA im gegenwärtigen Nahostkonflikt besser vorbereitet als im Golfkrieg von 1990/91. Damals hatte die Agentur nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait im August 1990 lange gezögert, ihre Reserven zur Marktsicherung frei zu geben. Erst im Januar - Monate nachdem die Uno die Ölexporte des Irak und Kuwaits eingefroren hatte - einigten sich die IEA-Mitglieder nach langem Streit auf die Freigabe von 2,5 Mill. Barrel pro Tag.

Zu diesem Zeitpunkt aber hatte sich die Lage auf dem Ölmarkt längst wieder entspannt. Auch diesmal will Mandil nicht automatisch bei Kriegsausbruch Ölreserven freigeben, sondern die Entscheidung von der Angebotslage abhängig machen. Als erstes werde er im Falle eines Krieges die großen Exportstaaten wie Saudi-Arabien kontaktieren, um deren Potenzial für eine Erhöhung der Fördermenge zu sondieren. Erst wenn sich hier eine Angebotslücke abzeichnen sollte, werde die IEA agieren, sagte Mandil. Für eine konzertierte Aktion stehen der Agentur während des ersten Monats täglich 12 Mill. Barrel zur Verfügung, also das siebenfache der derzeitigen Exporte des Irak. Die Irak-Exporte dürften Branchenbeobachtern zufolge im Kriegsfall stark zurückgehen.

Die IEA war 1974 nach der ersten Ölkrise von den großen Erdöl-verbrauchenden Industriestaaten gegründet worden. Sie kontrolliert rund 4 Mrd. Barrel mit der Aufgabe, die Ölversorgung der Mitgliedstaaten sicher zu stellen. Die Reserven werden in Mitgliedstaaten wie Deutschland, USA und Japan gelagert. Angesichts drohender Ölverknappung durch einen möglichen Irak- Krieg sowie den Streik in Venezuela ist der Ölpreis binnen Jahresfrist um 66 % gestiegen. sia

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