Einigung auf Rettungsplan: „Zyperns Kasinowirtschaft stand vor dem Bankrott“

Einigung auf Rettungsplan
„Zyperns Kasinowirtschaft stand vor dem Bankrott“

Die Euro-Länder stützen Zypern mit zehn Milliarden Euro. Im Gegenzug muss der Inselstaat harte Auflagen akzeptieren. Frankreichs Finanzminister weist Schuldzuweisungen aus Zypern brüsk zurück.
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Brüssel/NikosiaDie Staatspleite Zyperns ist in letzter Minute abgewendet worden. Die Regierung des überschuldeten Euro-Landes einigte sich nach einer teilweise dramatischen Nachtsitzung mit ihren Geldgebern auf einen neuen Rettungsplan. Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Laiki Bank, werden dabei Geld verlieren.

Auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro bei der marktführenden Bank of Cyprus soll eine Zwangsabgabe von 30 Prozent erhoben werden. Die Abgabe werde "ungefähr 30" Prozent betragen, sagte der zyprische Regierungssprecher Christos Stylianides dem staatlichen Rundfunk. Laut der Einigung mit den Geldgebern wird die zweitgrößte Bank des Landes, die Popular Bank (oder Laiki-Bank), zerschlagen. Faule Papiere werden in einer Bad Bank angesiedelt, die anderen Guthaben sollen an die Bank of Cyprus überführt werden. Die Guthaben über 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus, bei der besonders viele ausländische Kunden - etwa aus Russland - Geld lagern, werden zunächst eingefroren. Sie sollen erst nach der Erhebung der Zwangsabgabe wieder freigegeben werden.

"Diese Lösung ist besser als die von vergangener Woche, weil wir uns jetzt auf die beiden Problembanken konzentrieren", sagte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am frühen Montagmorgen in Brüssel. Im ersten Anlauf war eine Abgabe auf Bankeinlagen geplant, was in Zypern wie im Rest der Euro-Zone auf großen Protest gestoßen war.

Der neue Plan sieht vor, dass die Laiki Bank - die zweitgrößte des Landes - geschlossen wird und damit Tausende Jobs wegfallen. Die Konten mit Beträgen bis zu 100.000 Euro, die gesetzlich von der Einlagensicherung geschützt sind, werden auf die größte Bank, die Bank of Cyprus, übergehen. Einlagen der Laiki Bank oberhalb dieser Summe werden eingefroren und in eine Bad Bank übertragen. Insgesamt handelt es sich nach Dijsselbloems Angaben um 4,2 Milliarden Euro. Ob diese vollständig verloren sein werden, sei noch nicht absehbar, da bei der Abwicklung der Bad Bank noch Erträge anfallen könnten.

Auch die Bank of Cyprus muss drastisch verkleinert werden. Aktionäre, Anleihegläubiger und als letztes Kontoinhaber müssen mit Abschreibungen rechnen, bis die Bank eine gesunde Größe und eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht hat. Zypern wird mit zehn Milliarden Euro Kredit aus dem Euro-Rettungsmechanismus ESM und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt. Das erste Geld soll im Mai fließen. Als Gegenleistung dafür sind auch harte Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben fällig.

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  • "anders ausfallen"

    Sie meinten bestimmt "individuell angepasst".

    Aber das ist doch selbstverständlich. Natürlich richten sich die Sprüche danach, was man sich leisten kann.

    Können Sie sich vorstellen, dass man in Italien vergleichbares hätte verlauten lassen können?

    Die Italiener hätten Schäuble gestellt und gefragt, wie er das meine. So wie er mit dem zypriotischen Finanzminister umgegangen ist, hätte er schnell den kürzeren gezogen.

    Das Problem ist ja nicht aus der Welt und wir werden es schon bald erfahren (wenn er noch die Gelegenheit dazu bekommt).

  • Na ja, da hat die Euro-Grupp mal wieder bewiesen, wie sie zu ihren Vereinbarungen steht:

    1. Darf ein Land nur "gerettet" werden wenn es systemrelevant ist.

    Nach einer Aussage von Schäuble ist Zypern nicht systemrelevant. Aber diese Aussage war gestern. Heute sagt er, dass er hochzufrieden mit dem Ergebnis ist.

    2. Darf ein Land nur "gerettet" werden, wenn die Schuldentragfähigkeit wiederhergestellt ist.
    Die seit über einem Jahr geflossenen ELA-Kredite der EZB sollen jetzt durch ESM-Rettungsgelder abgelöst werden. (Falls dies stimmt, und die ESM-Gelder nicht zusätzlich zu den ELA-Geldern sind)

    Durch die ESM-Gelder soll die Schuldentragfähigkeit auf unter 160% steigen. Wären die fehlenden 6 Milliarden noch dazugekommen, dann wäre die Schuldenquote auf über 200 % gestiegen. (Aussage Trittin)

    Durch die Sparmaßnahmen wird aber die Wirtschaftsleistung drastisch sinken, denn ca. 50 % der "Wirtschaftskraft" kam ja von den Banken. Die zwingende Folge ist, dass in kürzester Zeit die Schuldenquote doch wieder über 200 % liegt. Das sollte auch für unsere schlauen Politiker vorhersehbar sein.

    Was also wird passieren? Die EZB wird wieder ELA-Kredite vergeben, wieder bis zu 10 Milliarden oder darf es etwas mehr sein? - Vielleicht ist bis dahin auch die Bundestagswahl vorbei. - Dann wird man sagen, dass sich die Zyprer ja sehr anstrengen, sie auf einem guten Weg sind, es aber leider doch etwas länger dauert ....

    Aber wir haben ja inzwischen durch Steuererhöhungen noch etwas Geld übrig....

    Fazit:
    Weder eine Systemrelevanz noch eine Schuldentragfähigkeit muss für ein Euroland gegeben sein um gerettet zu werden. Lüge, Lüge, Lüge!! Alles für die Errichtung des Zentralstaates Europa, das keinem der Länder Europas nützt.

    http://www.youtube.com/watch?v=tKU09Bq8EOs

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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