Einigung auf Rettungsplan „Zyperns Kasinowirtschaft stand vor dem Bankrott“

Die Euro-Länder stützen Zypern mit zehn Milliarden Euro. Im Gegenzug muss der Inselstaat harte Auflagen akzeptieren. Frankreichs Finanzminister weist Schuldzuweisungen aus Zypern brüsk zurück.
Update: 25.03.2013 - 13:21 Uhr 8 Kommentare
Demonstranten auf Zypern. Quelle: dpa

Demonstranten auf Zypern.

(Foto: dpa)

Brüssel/NikosiaDie Staatspleite Zyperns ist in letzter Minute abgewendet worden. Die Regierung des überschuldeten Euro-Landes einigte sich nach einer teilweise dramatischen Nachtsitzung mit ihren Geldgebern auf einen neuen Rettungsplan. Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Laiki Bank, werden dabei Geld verlieren.

Auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro bei der marktführenden Bank of Cyprus soll eine Zwangsabgabe von 30 Prozent erhoben werden. Die Abgabe werde "ungefähr 30" Prozent betragen, sagte der zyprische Regierungssprecher Christos Stylianides dem staatlichen Rundfunk. Laut der Einigung mit den Geldgebern wird die zweitgrößte Bank des Landes, die Popular Bank (oder Laiki-Bank), zerschlagen. Faule Papiere werden in einer Bad Bank angesiedelt, die anderen Guthaben sollen an die Bank of Cyprus überführt werden. Die Guthaben über 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus, bei der besonders viele ausländische Kunden - etwa aus Russland - Geld lagern, werden zunächst eingefroren. Sie sollen erst nach der Erhebung der Zwangsabgabe wieder freigegeben werden.

"Diese Lösung ist besser als die von vergangener Woche, weil wir uns jetzt auf die beiden Problembanken konzentrieren", sagte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am frühen Montagmorgen in Brüssel. Im ersten Anlauf war eine Abgabe auf Bankeinlagen geplant, was in Zypern wie im Rest der Euro-Zone auf großen Protest gestoßen war.

Der neue Plan sieht vor, dass die Laiki Bank - die zweitgrößte des Landes - geschlossen wird und damit Tausende Jobs wegfallen. Die Konten mit Beträgen bis zu 100.000 Euro, die gesetzlich von der Einlagensicherung geschützt sind, werden auf die größte Bank, die Bank of Cyprus, übergehen. Einlagen der Laiki Bank oberhalb dieser Summe werden eingefroren und in eine Bad Bank übertragen. Insgesamt handelt es sich nach Dijsselbloems Angaben um 4,2 Milliarden Euro. Ob diese vollständig verloren sein werden, sei noch nicht absehbar, da bei der Abwicklung der Bad Bank noch Erträge anfallen könnten.

Auch die Bank of Cyprus muss drastisch verkleinert werden. Aktionäre, Anleihegläubiger und als letztes Kontoinhaber müssen mit Abschreibungen rechnen, bis die Bank eine gesunde Größe und eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht hat. Zypern wird mit zehn Milliarden Euro Kredit aus dem Euro-Rettungsmechanismus ESM und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt. Das erste Geld soll im Mai fließen. Als Gegenleistung dafür sind auch harte Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben fällig.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
"Zypern ist eine Kasinowirtschaft"
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Einigung auf Rettungsplan - „Zyperns Kasinowirtschaft stand vor dem Bankrott“

8 Kommentare zu "Einigung auf Rettungsplan: „Zyperns Kasinowirtschaft stand vor dem Bankrott“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "anders ausfallen"

    Sie meinten bestimmt "individuell angepasst".

    Aber das ist doch selbstverständlich. Natürlich richten sich die Sprüche danach, was man sich leisten kann.

    Können Sie sich vorstellen, dass man in Italien vergleichbares hätte verlauten lassen können?

    Die Italiener hätten Schäuble gestellt und gefragt, wie er das meine. So wie er mit dem zypriotischen Finanzminister umgegangen ist, hätte er schnell den kürzeren gezogen.

    Das Problem ist ja nicht aus der Welt und wir werden es schon bald erfahren (wenn er noch die Gelegenheit dazu bekommt).

  • Na ja, da hat die Euro-Grupp mal wieder bewiesen, wie sie zu ihren Vereinbarungen steht:

    1. Darf ein Land nur "gerettet" werden wenn es systemrelevant ist.

    Nach einer Aussage von Schäuble ist Zypern nicht systemrelevant. Aber diese Aussage war gestern. Heute sagt er, dass er hochzufrieden mit dem Ergebnis ist.

    2. Darf ein Land nur "gerettet" werden, wenn die Schuldentragfähigkeit wiederhergestellt ist.
    Die seit über einem Jahr geflossenen ELA-Kredite der EZB sollen jetzt durch ESM-Rettungsgelder abgelöst werden. (Falls dies stimmt, und die ESM-Gelder nicht zusätzlich zu den ELA-Geldern sind)

    Durch die ESM-Gelder soll die Schuldentragfähigkeit auf unter 160% steigen. Wären die fehlenden 6 Milliarden noch dazugekommen, dann wäre die Schuldenquote auf über 200 % gestiegen. (Aussage Trittin)

    Durch die Sparmaßnahmen wird aber die Wirtschaftsleistung drastisch sinken, denn ca. 50 % der "Wirtschaftskraft" kam ja von den Banken. Die zwingende Folge ist, dass in kürzester Zeit die Schuldenquote doch wieder über 200 % liegt. Das sollte auch für unsere schlauen Politiker vorhersehbar sein.

    Was also wird passieren? Die EZB wird wieder ELA-Kredite vergeben, wieder bis zu 10 Milliarden oder darf es etwas mehr sein? - Vielleicht ist bis dahin auch die Bundestagswahl vorbei. - Dann wird man sagen, dass sich die Zyprer ja sehr anstrengen, sie auf einem guten Weg sind, es aber leider doch etwas länger dauert ....

    Aber wir haben ja inzwischen durch Steuererhöhungen noch etwas Geld übrig....

    Fazit:
    Weder eine Systemrelevanz noch eine Schuldentragfähigkeit muss für ein Euroland gegeben sein um gerettet zu werden. Lüge, Lüge, Lüge!! Alles für die Errichtung des Zentralstaates Europa, das keinem der Länder Europas nützt.

    http://www.youtube.com/watch?v=tKU09Bq8EOs

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was passiert mit diesen Anlagen ?
    -------------------------------------

    Die Finanzkrise in Zypern könnte auch Folgen für die Altersversorgung von Beamten in Brandenburg haben: Das Land hat Gelder aus dem Pensionsfonds auf der Mittelmeerinsel angelegt.


    Nach Ministeriumsangaben wurden 2010 für etwa 1,9 Millionen Euro zypriotische Staatsanleihen gekauft, die damals mit einem guten Rating von AA eingestuft gewesen seien. Die Anleihe werde im November 2015 fällig und habe bislang zweimal Zinsen von insgesamt 150.000 Euro gebracht, hieß es.
    Der Landtag hatte im Dezember 2008 entschieden, einen Versorgungsfonds einzurichten, um die Zukunft steil ansteigender Pensionszahlungen zu sichern.

  • +++ 12.40 Uhr Putin weist Zypernhilfe doch an +++

    Russland will nun doch einen Beitrag zur Rettung des EU-Krisenstaates Zypern leisten. Kremlchef Wladimir Putin habe die Regierung angewiesen, die Bemühungen der Eurogruppe zu unterstützen, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge.

    +++ 12.20 Uhr Russland kritisiert Rettungsplan +++

    Der russische Ministerpräsident Medwedjew reagiert mit Empörung auf das Rettungspaket für Zypern, das mit massiven Verlusten für ausländische Anleger auf der Mittelmeerinsel verbunden ist. "Meiner Meinung nach geht der Diebstahl von dem, was bereits gestohlen wurde, weiter", sagt Medwedjew vor Regierungsvertretern in Moskau.

  • Zypern-Deal: Wieso sind Viele so erleichtert oder sogar begeistert?
    Da wurde soviel Porzellan zerschlagen, das fliegt uns in der nächsten Zeit um die Ohren. Kann es innerhalb der EUROraums sein, dass die Konzepte der Bankenrettung je nach der Größe oder Stärke der betroffenen Länder anders ausfallen? Ist es schon eine Straftat z.B. eine Million € auf einer Bank zu haben? Vielleich sogar zufällig an einem Freitag? Wenn man die auf 10 Banken verteilt hat, wird man anders behandelt? Ist es jetzt verdächtiger Geld auf der Bank zu haben als große Geschäfte in Bargeld abzuwickeln? Die Mafia läßt grüßen. Es ist mindestens soviel russisches Schwarzgeld in Spanien in Immobilien inverstiert worden, mindestens soviel Blutgeld von afrikanischen Despoten in Paris oder London angelegt. Warum hat man bei Bankia nicht auf die Einlagen zugegriffen? Sind wir sicher dass die Regeln für die zyprischen Banken bei uns eingehalten werden? Das sieht mir schon alles nach Willkür aus und das sind Zeichen diktatorischen Verhaltens und hat mit einer auf Recht basierenden Demokratie nichts mehr zu tun. Aber das war ja auch in Europa nie ein Kriterium. Wozu noch Parlamente wenn die Regierungschefs zusammen mit Herrn Draghi sowieso alles nach eigenen Kriterien machen können?

  • Zu Zypern und Schäuble nach dem haircut bei zypriotischen Banken:
    Schäuble meint: Die Spareinlagen seien in Deutschland und in allen europäischen Ländern sicher, weil die Zahlungsunfähigkeit eines europäischens Landes unrealistisch sei, DWN.
    Das Bedeutet Sicherheit wenn es keine Staatspleite gibt !
    Tja, wenn nur das Wörtchen wenn nicht wäre! Es sieht leider so aus, dass die Eurozone in 2013 ein Prozent der Beschäftigten entlassen muss. Die Staatsdefizite laufen weiter aus dem Ruder, die Schuldenquoten steigen. www.fortunanetz ist der Meinung, dass der “point of no return” überschritten ist. Die Schulden und Zinslast führen dazu, dass die Schuldenspirale weiter geht. Unter dem Strich ist deswegen die gesamte Eurozone faktisch pleite, wobei sich lediglich lokale Abweichungen ergeben. Am Ende wird der Musterknabe Deutschland haften. Das bei 2,1 Billionen Schulden, 1 Billion Zahlungsverpflichtungen aus der Energiewende (offizielle Zahl von Altmaier) und 5 Billionen implizite Staatschuld, das ist die Unterfinanzierung der Sozialversicherung, weil ein Kapitalstock für die demografischen Lasten fehlt.
    Und Zypern hat unter dem Strich nur Folgendes gebracht:

    Als Quintessenz sind folgende Erkenntnisse festzuhalten:
    1) Man weiß bald nicht mehr, wer wem die Schuld in die Schuhe schiebt. Es sieht so aus als wolle es hinterher keiner gewesen sein.
    2) Zypern hat noch immer den überbewerteten Euro, man hat sich wiederum nur Zeit gekauft.
    3) Der Euro wird zur permanenten Interventionswährung
    4) Die Krise ist nicht vorbei, sondern schwelt in allen Südländern weiter
    5) Jeder Bankkunde muss damit rechnen bei einer bad bank gelandet zu sein.
    Unter dem Strich geht das Kaufen von Zeit und die Insolvenzverschleppung weiter. Es wurde eine “geordnete Insolvenz light” beschlossen. Besser wäre es gewesen eine komplette geordnete Insolvenz mit dem Austritt aus der Eurozone zu beschließen.

  • Das ist ordnungspolitisch unterste Kiste. Dafür sollten alle Verhandler dem Haftrichter oder einem Arzt zur Feststellung der geistigen Zurechnungsfähigkeit vorgeführt werden.

    Wenn man etwas Fachwissen hat, muss es jedem einleuchten, dass man in zivilisierten Kreisen so nicht agieren kann. Die Vertrauenswürdigkeit in die handelnden Personen dürfte aufs schlimmste getörnt sein. Kein Ausländer kann in deren Einflussbereich mehr Geld anlegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%