Einigung
EU-Weinmarktreform nach deutschem Gusto

Gute Nachricht für die deutschen Winzer: Im Streit über die Reform des europäischen Weinmarkts hat sich Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer weitgehend gegen die EU-Kommission durchgesetzt. „Unser Hauptziel ist uneingeschränkt erreicht“, sagte Seehofer.

HB BRüSSEL. Nach einem am Mittwoch von den Landwirtschaftsministern der 27 Mitgliedstaaten vereinbarten Kompromiss wird der in Deutschland übliche Zuckerzusatz beim Gärprozess mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt bleiben. Auch muss die in mitteleuropäischen Weinbauregionen seit Jahrhunderten übliche Methode nicht auf dem Etikett angegeben werden. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er sei mit der Einigung sehr zufrieden.

Viele Winzer in Mitteleuropa setzen dem Wein bei der Gärung Zucker zu, um den Alkoholgehalt zu erhöhen. In den meisten Weinbauregionen Deutschlands darf der Alkoholgehalt auf diese Weise um 3,5 Prozentpunkte erhöht werden, in kalten und regnerischen Jahren sogar um bis zu 4,5 Prozentpunkte. Nach dem am Mittwoch vereinbarten Kompromiss soll diese sogenannte Anreicherungsspanne ab 2009 auf drei Prozentpunkte reduziert werden, der Aufschlag für schlechte Jahre wird auf 0,5 Prozentpunkte gesenkt.

Zusammen mit dem von der EU-Kommission zunächst angestrebten Zuckerungsverbot kippten die Landwirtschaftsminister aber auch zahlreiche weitere Reformvorschläge. So soll die umstrittene Krisendestillation, die Umwandlung überschüssigen Weins in Industrie-Alkohol, noch vier Jahre nach Inkrafttreten der Reform erlaubt bleiben. EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel hatte ursprünglich eine sofortige Abschaffung dieser Praxis gefordert, für die jedes Jahr mehrere hundert Mill. Euro-Fördermittel ausgegeben werden.

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