Einigung in Zypernkrise

EU-Finanzminister billigen Rettungsplan

Zypern erhält ein 10-Milliarden-Euro-Hilfspaket. Nach langen Verhandlungen konnte die Kriseninsel die Bedingungen der Euro-Länder erfüllen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben unangetastet – im Gegensatz zur Laiki-Bank.
Update: 25.03.2013 - 06:38 Uhr 123 Kommentare

Staatspleite Zyperns abgewendet

Brüssel/NikosiaEin Zusammenbruch seines Finanzsektors und der Staatsbankrott bleiben Zypern erst einmal erspart: In harten Verhandlungen mit der EU-Troika in Brüssel erzielte die Regierung in fast schon letzter Minute am Montag eine Vereinbarung, die dem Mittelmeerstaat 10 Milliarden Euro Rettungskredit von EU und IWF bringen wird. Weitere 5,8 Milliarden Euro bringt Nikosia selbst vor allem mit der Restrukturierung seines Finanzsektors auf.

„Wir haben keine Schlacht gewonnen, aber wirklich einen katastrophalen Austritt aus der Eurozone vermieden“, sagte der zyprische Finanzminister Michalis Sarris nach dem zehnstündigen Verhandlungsmarathon. Eine lange Phase der Ungewissheit und Unsicherheit für die zyprische Wirtschaft sei beendet worden.

„Wir haben der Ungewissheit ein Ende gemacht, die Zypern und den Euroraum in der vergangenen Woche ergriffen hat“, sagte der Chef der Eurogruppe, Jeroen Dijsselbloem, nachdem die 17 Euro-Finanzminister dem Deal am frühen Morgen zugestimmt hatten. Das Programm umfasse eine Stabilisierung des zyprischen Finanzsektors mit einer weitgehenden Restrukturierung der beiden größten Banken des Landes, sagte Dijssselbloem. „Eine Abgabe auf Einlagen kann und wird vermieden werden“, ergänzte er. Einlagen unter 100.000 Euro seien ganz außen vor. Zuvor hatte die EU-Spitze mit Gipfelchef Herman Van Rompuy und EU-Kommissionschef José Manuel Barroso mit Zyperns Präsident Nikos Anastasiades die Grundlinien des neuen Plans festgelegt.

Der Durchbruch kam Stunden vor Ablauf eines Ultimatums der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montagabend, nach dem sie ohne eine Einigung den zyprischen Banken den Geldhahn zudrehen wollte. Der neue Rettungsplan für Zypern sieht EU-Kreisen zufolge die Abwicklung der angeschlagenen Laiki-Bank vor. Laiki soll in eine sogenannte Bad Bank mit faulen Einlagen überführt werden, garantierte Einlagen sollen an die Bank of Cyprus, dem größten Geldinstitut des Landes, transferiert werden.

Einlagen bis zu 100.000 Euro seien dabei garantiert, während alle höheren Guthaben zur Tilgung von Schulden der Bank herangezogen würden, erklärten EU-Diplomaten in der Nacht zum Montag am Rande der Eurogruppe in Brüssel. Experten schätzen bis zu 40 Prozent. Guthaben über 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus werden eingefroren bis geklärt ist, wie viel Verluste ihnen auferlegt werden müssten, erklärten die Eurogruppen-Minister.

Bei den dramatischen Marathon-Verhandlungen hatte Zyperns Präsident Anastasiades zuvor mit Rücktritt gedroht. Er habe sich geweigert, beide Großbanken – die Bank of Cyprus und die Laiki Bank – zu schließen, erklärten EU-Diplomaten.

Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, erklärte: „Wir glauben, dies wird eine dauerhafte und voll finanzierte Lösung sein.“ EU-Währungskommissar Olli Rehn räumte ein, dass auf die Zyprer schwere Zeiten zukämen: „Die nächste Zukunft wird für das Land und sein Volk sehr schwer werden“, sagte er. Die Maßnahmen seien aber wichtig, um die zyprische Wirtschaft auf einem neuen Fundament wieder aufzubauen.

Um die 10 Milliarden Euro Rettungskredit von EU und Internationalem Währungsfonds zu bekommen, muss Zypern aus eigener Kraft 5,8 Milliarden Euro auftreiben. Dijsselbloem sagte, die Einbeziehung vermögender Investoren werde vermutlich 4,2 Milliarden Euro bringen. Der Rest soll mit Steuererhöhungen und Privatisierungen aufgebracht werden.

„Die Lage hat sich in Zypern nicht verbessert“
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123 Kommentare zu "Einigung in Zypernkrise: EU-Finanzminister billigen Rettungsplan"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht....bedeutet ΛΟΓΟΚΡΙΣΙΑ oder auf Deutsch ZENSUR. Und das passiert 2013 nicht wahr?

    Grüsse

  • @Rechner
    "3 x werden wir noch wach, heissa , dann ist Draghis Tag."

    Naja, knapp daneben ist auch vorbei.

    Woher nimmst du eigentlich die Gewissheit, daß der ESM-Kredit für die Ablösung des ELA-Kredits gewährt wird. Also, linke Tasche<---> rechte Tasche, dat kann man sich ja gleich sparen. Wird natürlich auch nicht so geschehen, sonst steht das Problem ja gleich wieder vor der Tür.

    Korrekt, Zypern wird wieder ne Billigflagge mit Ziegen und Oliven. Und dauerhaftem Geld aus Resteuropa!

    Schaun mer mal, wer der nächste Kandidat wird.

  • @lensoes

    "...unsere hausinterne "Bankagitationsrechenabteilung" zur Rettung der hier so angeschlagenen Eurozustimmung fährt jetzt schon aus gegebenen Anlaß in die Frühschicht ein."

    Ja, ist mir auch aufgefallen. Sonst eher nachtaktiv, rechnet er nun schon durch bis zum frühen Morgen. Wahrscheinlich ist'n Schichtwechsel dabei gewesen : )

  • Nein, aber für ein Drohbeispiel taugt es allemal.

  • @Rechner: Sie kapieren nichts, haben aber offensichtlich viel Zeit hier zu mailen!

    Nochmals für Sie in Kürze:

    Gerade weil die ELA-Kredite verloren sind (übrigens nur 7,5 Mrd. und nicht 10 Mrd.!) muß man jetzt endlich den Wahnsinn beenden, anstatt mit ständig neuen Krediten das Elend zu verlängern und zu verteueren! Man weiß bereits jetzt - und gibt es auch zu - dass es nicht bei den 10 Mrd. bleiben wird! Also lieber jetzt 7,5 Mrd. in den Wind schießen, als neue 10 Mrd. plus weiter xxx Mrd. in der Folgezeit. Die Schuldentragfähigkeit Zyperns ist auch mit diesem "Rettungspaket" in keinster Weise gegeben. Alle weiteren "Kredite" werden verloren sein. Soweit müßten auch Sie "rechnen" können!

    Zur AfD: Dies ist die einzige Partei - wenn auch noch kaum am Leben -, in der Fachleute und nicht Politiker den Ton angeben. für die etablierten Parteien ist der Euro ein politisches Projekt, das um jeden Preis, auch des Totalverlusts der deutschen Vermögen, durchgepeitscht werden muß. Sie können mit Ihren Ersparnissen da gerne mitmachen, ich entscheide mich aber anders!

  • Wie war das doch als Kohl Kanzler wurde?
    Er wollte die geistig moralische Wende.
    Heute wissen wir, was damit gemeint war.
    Die Wende weg von Demokratie hin zur neuen Diktatur
    Da kam dann die Einheit gerade Recht.
    Der ganze sozialistische Ungeist kam wie gerufen.
    Und dann wurde "Kohls Mädchen", eine stramme DDR-Frau Kanzlerin.
    Die "Erfolge" haben wir heute.
    "Den Sozialismus in seinem Lauf hatlen weder Ochs noch Esel auf"
    Hatte Honecker mit diesen Ausspruch doch Recht?

  • Steuerzahler
    richtig. Und schon Gräfin Dönhoff schrieb vor Jahren ihr Buch "Zähmt den Kapitalismus"
    Aber wo nur noch Dilettanten als Politiker tätig sind, kann man keinen Verstand erwarten.

  • Ludwig500
    keine Panik. Sie wissen doch, Schäuble hat doch erst vor kurzem geagt "wir sind auf einem guten Weg"

  • Rechner
    bei Ihnen fällt oft auf, dass alles was nicht auf Linie ist, feindlich oder populistisch ist.
    Das sit bedenklich
    Warum sind denn die Wirtschaftsnachrichten nun europafeindlich?
    Es ist ein Magazin, was nicht dem linken Mainstream hinterher läuft und das ist gut so

  • Zitat : EU-Finanzminister billigen Rettungsplan


    Jetzt hat man dem NACKTEN auch noch die Hand abgehackt, so sieht die RETTUNG aus !


    Diese Rettung wird jetzt sehr lange dauern und unseren Steuerzahler sehr viel Geld kosten !


    Vive la démocratie à Bruxelles !!!


    Avanti Dilettanti !

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