Einigung mit Sadr-Bewegung
Waffenstillstand in Bagdad

Im Irak hat die Bewegung des radikalen Schiitenführers Moktada Sadr nach eigenen Angaben eine Waffenruhe mit der irakischen Regierung vereinbart. Damit soll den am Freitagabend eskalierten ein zumindest vorläufiges Ende gesetzt werden.

HB BAGDAD. Ab Sonntag solle im Bagdader Schiitenviertel Sadr City nicht mehr gekämpft werden, teilte der Sprecher der Organisation, Salah el Obeidi, am Samstag in Nadschaf mit. „Wir werden das Feuer einstellen, Waffen von den Straßen abziehen und alle Zufahrten nach Sadr City öffnen“, sagte Obeidi der Nachrichtenagentur AFP. Die Vereinbarung sehe jedoch weder die Entwaffnung noch die Auflösung der Mahdi-Miliz Sadrs vor, sagte Obeidi.

Die Absprache beinhalte das „Recht der bewaffneten Kräfte und der Sicherheitskräfte, gegen gesuchte Personen vorzugehen“, sagte Obeidi weiter. Dies müsse jedoch unter Wahrung der Menschenrechte geschehen. Nach Angaben von Obeidi wurde die Einigung bei Verhandlungen zwischen Vertretern der Sadr-Bewegung und einer Delegation von Regierungschef Nuri el Maliki erzielt. „Die beiden Gruppen stimmten bei zehn von 14 diskutierten Punkten überein“, sagte er weiter. Die Delegation habe versichert, dass Maliki die Vereinbarung respektieren werde.

Bei den Kämpfen zwischen der US-Armee und Sadrs Mahdi-Miliz wurden seit Freitagabend in Sadr City mindestens 13 Menschen getötet und 77 weitere verletzt. Ein Anwohner sprach von „einer der schlimmsten Nächte der vergangenen Wochen“. In dem nordöstlichen Stadtteil Bagdads kämpfen irakische Truppen mit Unterstützung der US-Armee seit Ende März gegen die Mahdi-Miliz des radikalen Schiitenpredigers Moktada Sadr. Mehr als tausend Menschen wurden seither getötet und tausende Anwohner vertrieben. Anfang April hatte Sadr seine Gefolgsleute bereits zum Rückzug aufgerufen. Nach einer Woche relativer Ruhe flammten jedoch erneut Kämpfe in Bagdad auf.

Das US-Militär und die irakische Armee errichteten Mauern um Teile von Sadr City, um Bewaffnete davon abzuhalten, Raketen und Granaten auf die streng bewachte Grüne Zone in Bagdad abzufeuern. Dort sind die irakischen Regierungsinstitutionen und die US-Botschaft untergebracht. Die von Schiiten dominierte Regierung Maliki hat bisher vergeblich versucht, eine Auflösung der schiitischen Mahdi-Miliz zu erzwingen; dies soll vor den Regionalwahlen im Oktober geschehen. Die Sadr-Bewegung verweigert eine Waffenabgabe, solange von der Regierung und der US-Armee unterstützte schiitische und sunnitische Gruppierungen ebenfalls ihre Waffen behielten.

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