Einigung über "La Belle"-Entschädigung
Libyen lockt mit prall gefüllten Kassen

Nach der Einigung über eine Entschädigung für die „La Belle“-Opfer kann Libyen nun auch mit Deutschland auf eine Belebung der Handelsbeziehungen hoffen. Deutsche Wirtschaftsvertreter reagierten sehr positiv auf die Entscheidung. Insbesondere als Öllieferant spielt Libyen für Deutschland eine zentrale Rolle.

BERLIN. Jochen Clausnitzer vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht nun die Chance, einen zentralen Wettbewerbsnachteil der deutschen Wirtschaft kompensieren zu können. Diese konnte bislang keine Hermes-Bürgschaften nutzen, da das Instrument wegen der ungelösten „La Belle“-Frage blockiert war. Andere Länder, wie etwa Frankreich, hatten ihre Entschädigungsfragen mit Libyen hingegen schon früher geklärt und seither staatliche Bürgschaften eingesetzt. Unter dem Vorsitz des Bundeswirtschaftsministeriums wird bereits morgen der Interministerielle Ausschuss über einen Hermes-Plafonds für Libyen beraten. Aus Wirtschaftskreisen verlautete, dass es dabei möglicherweise gar keine finanzielle Obergrenze geben werde. „Dann können auch langfristige Projekte einfacher abgesichert werden“, hieß es.

Deutschland hat im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 1,7 Mrd. € aus Libyen importiert und eigene Erzeugnisse im Wert von 500 Mill. € nach Libyen verkauft. Nach Russland und Norwegen ist Libyen der drittgrößte deutsche Lieferant von Erdöl. „In einem Staatshandelsland wie Libyen ist die politische Flankierung besonders wichtig“, baut der DIHK-Experte Clausnitzer nun auch auf die Unterstützung der Unternehmen durch die Bundesregierung.

Klaus Friedrich, Außenwirtschaftsexperte beim Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), sieht in der Libyen-Einigung vor allem einen psychologischen Effekt. Die juristischen Beschränkungen für hiesige Unternehmen seien bislang schon „minimal“ gewesen. Nun komme es darauf an, wie Gaddafi künftig Wirtschaftspolitik betreiben wolle. Bezogen auf seine Branche warnte Friedrich allerdings vor überzogenen Erwartungen. Das Marktvolumen Libyens lasse sich nicht mit dem des Iraks und des Irans vergleichen.

„Eine Normalisierung der politischen Beziehungen würde den wirtschaftlichen Beziehungen sicherlich einen zusätzlichen Impuls geben“, sagte Walter Englert, Koordinator des deutsch-libyschen Wirtschaftsforums. Geschäftspotenzial für deutsche Unternehmen sieht er vor allem im Energiesektor und der Telekommunikation. Derzeit wächst die libysche Wirtschaft mit Wachstumsraten um drei Prozent.

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