Einreise in die USA
Besuch beim großen Bruder

Die Amerikaner leben in Angst vor dem Terror. Deshalb wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Freiheit immer kleiner geschrieben und Sicherheit immer größer. So gerät nicht selten die Einreise in die USA zum Ärgernis – auch für deutsche Geschäftsleute. Manch einer landet am Flughafen im Gefängnis. Und Amerikas Kontrollwahn geht weiter.

ALZENAU/BRÜSSEL. Langsam tröpfelt Orangensaft an der Innenseite des transparenten Plastikgefäßes nach unten. Nach und nach füllt sich der Behälter mit der süßen Flüssigkeit. Majed Shehadeh schaltet die Küchenmaschine aus, wirft die ausgepressten Orangenhälften in den Abfalleimer unter der Spüle und schenkt sich ein Glas ein. Vorsichtig nippt er daran. Ein Lächeln breitet sich über sein Gesicht aus. „Wunderbar! Diese kleinen Freuden des Alltags, alles wird plötzlich viel wertvoller als vorher“, sagt der deutsche Geschäftsmann und fährt sich mit dem Handrücken über die Lippen.

Vorher – das war vor dem 28. Dezember vergangenen Jahres. Damals flog Shehadeh, der in Damaskus geboren wurde, seit 1976 in Deutschland lebt und seit zehn Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, nach Los Angeles, um seine Tochter zu besuchen. Seine Frau Joanne, US-Staatsbürgerin aus Massachusetts, war schon vorgeflogen und erwartete ihren Mann in der Ankunftshalle.

Doch dort kam Shehadeh nie an. „Bei meiner Ankunft wurde ich von der Einwanderungsbehörde abgeführt. Man hat mich stundenlang verhört und dann ins Gefängnis gesperrt“, erzählt der 62-Jährige. Die Einreise wurde ihm verweigert. Drei Nächte saß der Deutsche im Flughafengefängnis, bevor er zurück nach Frankfurt geschickt wurde.

Die Amerikaner leben weiter in Angst vor dem Terror. Deshalb wird im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Freiheit immer kleiner geschrieben – und Sicherheit immer größer. Bei der Einreise führt das immer häufiger zu Fehlgriffen, wie Majed Shehadeh erfahren musste. Und er ist kein Einzelfall: „Wir bekommen immer öfter Beschwerden von Geschäftsreisenden und Privatleuten, die grundlos abgewiesen werden“, sagt Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz.

Ein Grund für den Ärger bei der Einreise in die USA sind die so genannten Antiterrorlisten der amerikanischen Geheimdienste. „Da stehen mittlerweile zwischen 60 000 und 120 000 Namen drauf. Da kann es auch schnell zu Verwechslungen kommen“, sagt Peter Schaar.

Niemand weiß genau, aus welchen Gründen ein bestimmter Name auf eine Liste kommt. Klar ist aber, dass die Amerikaner bei der Auswahl auch die Fluggastdaten verwenden, die die europäischen Fluggesellschaften seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 an die US-Behörden übermitteln müssen. Bisher sind das 34 Datensätze pro Person: Neben dem Namen des Passagiers werden auch Telefon- und Kreditkartennummer sowie spezielle Essenswünsche gespeichert – angeblich lassen sich daran Verdächtige erkennen.

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