Einsatz an Ground Zero
„Wir wussten, dass ein Krieg begonnen hatte“

Er war am 11. September 2001 Captain bei der NYPD und befahl den Einsatz am Ground Zero. Im Interview mit Handelsblatt Online spricht James F. Albrecht über die chaotischen Stunden in Manhattan vor zehn Jahren.
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New YorkWie war der Morgen des 11. September bei Ihnen auf der Wache?
Es war ein ganz normaler Dienstag, schön ruhig. Ich saß in meinem Büro und las die Einsatzberichte der Nacht. Als Police Captain war ich an jenem Tag Einsatzkommandant für den gesamten Stadtteil Queens in der Tagschicht. Um halb sieben Uhr morgens hatte ich noch meine Eltern zum Flugzeug gebracht. Sie wollten nach Las Vegas fliegen, und natürlich habe ich mir nichts Schlimmes dabei gedacht. Um sieben war dann Dienstbeginn.

Wie erfuhren Sie von der Katastrophe?
Es war gegen viertel vor neun, da kam eine Kollegin rein und sagte, es habe einen Flugzeugabsturz am World Trade Center gegeben. Ich fragte, was für ein Flugzeug. Sie wusste es nicht. Also schalteten wir den Fernseher an, wie alle anderen auch. Dort sah ich dann live die zweite Explosion. Ich dachte, das ist nicht wahr, das kann doch gar nicht sein.

Rückten Sie sofort aus?
Unmittelbar nach der zweiten Explosion war Ausnahmezustand. Über Funk wurde die höchste Alarmstufe vier ausgerufen - so weit ich mich erinnern kann, war das noch nie vorgekommen. Sämtliche Bereitschaftspolizisten der ganzen Stadt wurden in Marsch gesetzt, auch meine Staffeln. Ich kommandierte einige Beamte zum World Trade Center, andere sollten zu den U-Bahnstationen ausschwärmen, um Panik zu verhindern. Ich rief auch alle Polizisten zum Dienst, die frei hatten. Man wusste ja noch gar nicht genau, was eigentlich passiert war.

Wann wussten Sie es?
Als ich meine Notfalltasche mit Wasser, Helm und Taschenlampe packte, kam die Nachricht, dass ein Flugzeug ins Pentagon in Washington gestürzt war. Wir wussten jetzt, es hatte ein Krieg begonnen.

Dann machten Sie sich nach Ground Zero auf.
Wir fuhren in einem Bus Richtung Manhattan, meine Streifenwagen vor uns her. Normalerweise hat man auf dem Long Island Expressway einen tollen Blick auf die Skyline, doch an diesem Tag war der Anblick schrecklich: Ich sah die Türme, den schwarzen Rauch. Ich war erschrocken, aber sicher, wir würden eine Menge Leute retten können. So wie 1993, beim ersten Anschlag aufs WTC. Doch dann hörte ich eine Kollegin durchs Funkgerät brüllen: „Passt auf, das Gebäude kommt runter!“ Ich konnte es nicht glauben, bis ich mit eigenen Augen sah, wie der Südturm in sich zusammenstürzte. Ich dachte: Das wird Tausende Tote geben.

Sie fuhren dann trotzdem mitten rein…
… ja, wir parkten etwa 500 Meter von den Trümmern entfernt und gingen den Rest zu Fuß. Ich hielt meine Kollegen an und sagte: Das ist kein normaler Tag heute. Passt gut auf euch auf, wir wissen nicht, was noch alles passieren kann.

Kommentare zu " Einsatz an Ground Zero: „Wir wussten, dass ein Krieg begonnen hatte“"

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  • Sieht so ein Präsident aus, der nichts zu verbergen hat?

    http://www.youtube.com/watch?v=VV2qK2tIHrc

  • ... sonst funktioniert doch die intendierte "Gehirnwäsche" nicht ausreichend genug. ;-)

  • Ist nicht irgendwann einmal genug darüber berichtet? Tagelang vorher wird schon in jedem Sender und in jeder Zeitschrift darüber berichtet. Langsam kann ich es nicht mehr hören! OK, am Tag der Katastophe ein Bericht ist in Ordnung, aber was hier passiert ist des Guten zuviel! Gleiches gilt auch für die US-Wahl. Darüber wird hier mehr berichtet als über die Bundestagswahl bei uns! Vielleicht liegt es auch daran, daß viel Deutsche Sender US-Firmen gehören und darüber berichten müssen...

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