Einsatz
„Die Bundeswehr ist mental nicht vorbereitet“

Reinhold Robbe ist Wehrbeauftragter des Bundestags und SPD-Verteidigungsexperte. Im Interview spricht er über den Kongo-Einsatz der Bundeswehr.

Handelsblatt: Ist die Zustimmung im Parlament für den Kongo-Einsatz eine ausreichende Rückendeckung für die Bundeswehrsoldaten?

Reinhold Robbe: In formaler und auch in psychologischer Hinsicht: Ja. Es gibt eine breite Rückendeckung für den Einsatz.

Sie sprechen aber auch von vielen Vorbehalten in der Armee gegen einen Kongo-Einsatz. Warum?

Es hängt entscheidend damit zusammen, wie der Einsatz zu Stande gekommen ist – auch auf europäischer Ebene. Das ständige Hin und Her hat nicht gerade das Vertrauen der Soldaten gestärkt, sondern im Gegenteil viele Sorgen und Ängste ausgelöst. Darüber hinaus sage ich: Die Bundeswehr ist mental nicht auf Afrika vorbereitet. Die Soldaten könnten dort mit vielen Dingen zu tun haben, mit denen sie bislang nicht konfrontiert waren. Dazu gehören beispielsweise gesundheitliche Risiken.

Macht auch die generell zunehmende Belastung durch immer mehr Auslandseinsätze den Soldaten Sorge?

Das kommt in der Tat hinzu. Sie kriegen alle hautnah mit, was es bedeutet, mit rund 7 000 Mann das ganze Jahr über im Einsatz zu sein. Zusätzlich müssen auf Grund internationaler Verpflichtungen Kontingente vorgehalten werden. Die Soldaten bekommen auch mit, dass der Kongo-Einsatz etwa 60 Millionen Euro kosten wird und dass dies aus dem Wehretat bezahlt wird. Die Bundeswehr ist seit Jahren chronisch unterfinanziert: Das Geld wird den Soldaten im wahrsten Sinne aus dem Portemonnaie genommen.

Hat die Truppe das Vertrauen in die Führung der Bundeswehr verloren?

Nein. Ein fundamentales Misstrauen kann ich nicht feststellen. Natürlich werden die Soldaten ihren Auftrag erfüllen und in den Einsatz gehen. Sie werden nicht laut Kritik üben. Meine Aufgabe ist es aber, das Sprachrohr der Soldaten zu sein. Es ist schließlich nicht gerade unwichtig, wie es um die Motivation der Soldaten bestellt ist. Derzeit ist sie etwas angekratzt.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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