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Einsatz in Mali: Franzosen kämpfen „Mann gegen Mann“

Seit der Nacht marschieren die französischen Soldaten in Mali in den umkämpften Norden des Landes vor. Jetzt kommt es angeblich zu ersten direkten Gefechten mit islamistischen Kämpfern bei der Stadt Diabali.

An der französischen Militäraktion sind auch mehrere leichte Panzer beteiligt. Quelle: AFP
An der französischen Militäraktion sind auch mehrere leichte Panzer beteiligt. Quelle: AFP

Paris/Berlin/Göttingen/BamakoIn Mali sind die vorrückenden französischen Bodeneinheiten in Gefechte verwickelt worden. Spezialeinheiten lieferten sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen Gefechte mit islamistischen Kämpfern in der Rebellen-Stadt Diabali. Wie aus den Sicherheitskreisen weiter verlautete, lieferten sie sich mit den Islamisten Gefechte "Mann gegen Mann". Einheiten der malischen Armee seien vor Ort.

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Eine örtliche Sicherheitsquelle bestätigte die Nahkämpfe zwischen Islamisten und französischen Spezialeinheiten. Die französischen Bodentruppen, die sich zuvor vom Flughafen Bamako aus in Richtung Norden aufgemacht hatten, seien an den Kämpfen aber nicht beteiligt. Sie befänden sich in der Stadt Niono rund 50 Kilometer südlich von Diabali sowie in der noch weiter entfernten Stadt Markala in "Alarmbereitschaft".

Was in Mali auf dem Spiel steht

  • Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

    Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

  • Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

    Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

  • Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

    Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

  • Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

    Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

  • Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

    Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

  • Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

    Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Zum Schutz einer strategisch wichtigen Brücke auf dem Fluss Niger in Markala wurde zudem eine französische Einheit entsandt. Diese solle sicherstellen, dass die Islamisten nicht in das Gebiet vordringen könnten, da sie so eine Verbindung zum Süden erhielten, hieß es von Seiten des Militärs.
In der malischen Hauptstadt Bamako hält die Begeisterung über die französische Militärintervention an. Geschäftsleute berichteten am Mittwoch von einem Verkaufsboom für malische und französische Flaggen, die an vielen Häusern der Stadt Seite an Seite hängen. Auch an vielen Autos und zahllosen Mopeds und Motorrädern ist die französische Flagge befestigt.

Mali Mit Bombern gegen Dschihadisten

  • Mali: Mit Bombern gegen Dschihadisten
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„Ich bin der französischen Regierung und den Franzosen einfach nur dankbar“, sagte Boubacar Traore (40). „Jetzt haben wir wieder Hoffnung“, so der Händler Fatoumata Keiea. „Wir können Präsident François Hollande nur danken, ... der für eine gerechte Sache eingreift“, meinte Umar Siffiko. „Mein Großvater kämpfte mit den Franzosen während des Zweiten Weltkriegs. Nun zahlt Frankreich auch eine Schuld ab“, sagte Siaka Konate.

Nur die malische Partei SADI, die dem Militär besonders nahe steht, äußerte sich zurückhaltend über das französische Engagement. Parteichef Oumar Mariko betonte am Wochenende, dass vor allem malische und andere afrikanische Truppen den Kampf gegen die Islamisten führen müssten.

Seit der Nacht marschierten die französischen Soldaten von der Hauptstadt Bamako in den von islamistischen Rebellen kontrollierten Norden Malis. Bisher hätten die Soldaten die Hauptstadt Bamako gesichert, die Menschen dort, Franzosen und EU-Bürger, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch dem französischen Sender RTL. Deutschland beteiligt sich am internationalen Militäreinsatz in Mali zunächst nur mit zwei Flugzeugen.

  • 16.01.2013, 11:34 UhrWolfgangPress

    Es ist nicht zu begreifen wie saudämlich die Politiker sind. Erst bombt London und Paris Gaddafi weg und die beiden und auch andere Deppen unterstützen in Syrien die Islamisten und nun ziehen die gegen die militärisch zu Felde. Das Problem Mali - andere werden auch noch kommen - wäre nicht, hätte man Gaddafi, der sich ja in den letzten Jahren sehr kooperativ zeigt, an der Macht gelassen.
    Die Politiker in EU-Land sollten endlich begreifen, was in Syrien droht. Kommen die Islamisten an die Macht, dann Gute Nacht. Also sollten wie im eigenen Interesse Assad massiv unterstützen, auch mit Waffen.

  • 16.01.2013, 11:53 UhrArn

    Wolfgang da haben sie recht, selbst sadam Hussein zu beseitigen war ein Fehler und gleichfalls der Anfang vom Ende, was da jetzt mit denn schiiten abgeht, wo ist bis heute die gewünschte demokratie in Irak.
    Genau die selbe Anarchie erwartet uns jetzt in den anderen Ländern.

    aber so iss das wenn man aus dem bequemen Nest, denn Gutmenschen spielen will

  • 16.01.2013, 12:05 UhrHarald

    Alles richtig Wolfgang. Aber die angesprochenen Staatsführer wollten nicht mehr mit dem US-Dollar als Währung handeln. Daher stehen ja auch Syrien und Iran ganz oben auf der Liste der bösen Länder ;-)

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