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Einsatz in Mali: Franzosen und Tschader besetzen Flughafen in Tessalit

Die Truppen haben die letzte Hochburg der islamistischen Rebellen in Mali erreicht. In Tessalit übernahmen französische und tschadische Soldaten den Flughafen.

Malische Soldaten mit einem Dutzend islamistischer Rebellen, die sie im Norden Gaos festgenommen haben. Quelle: AFP
Malische Soldaten mit einem Dutzend islamistischer Rebellen, die sie im Norden Gaos festgenommen haben. Quelle: AFP

GaoFranzösische und tschadische Soldaten haben am Freitag die strategisch wichtige nordostmalische Stadt Tessalit erreicht. Die Truppen hätten in der letzten Hochburg der Islamisten die Kontrolle über den Flughafen übernommen, bestätigte der französische Generalstab in Paris Angaben aus der Region. Bei dem ersten Selbstmordanschlag in der Geschichte des Landes, zu dem sich Islamisten bekannten, wurde ein malischer Soldat leicht verletzt.

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Nach Angaben des Sprechers des französischen Generalstabs, Thierry Burkhard, landeten auch Fallschirmspringer in der Nacht in Tessalit, das weniger als 90 Kilometer von der Grenze zu Algerien entfernt ist. Die Stadt liegt im Ifoghas-Gebirgsmassiv, wo sich nach Angaben von Experten und Sicherheitsbehörden viele Anführer und Kämpfer islamistischer Gruppen aufhalten. Dort werden auch sieben französische Geiseln vermutet.

Mali Mit Bombern gegen Dschihadisten

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Am Donnerstagabend hatten französische und tschadische Truppen die Kontrolle über die Stadt Aguelhok zwischen Kidal und Tessalit übernommen. Seit mehreren Tagen waren die Regionen um Aguelhok und Tessalit Ziele französischer Luftangriffe. Dabei hatte die Luftwaffe vor allem Materiallager und Trainingszentren von Islamisten im Visier.

Ein Tuareg näherte sich am Freitag mit einem Motorrad einem Armeeposten in Gao und zündete dann seinen Sprengstoffgürtel, wie ein malischer Soldat der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der Mann sei auf der Stelle tot gewesen, ein malischer Soldat sei leicht verletzt worden.

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    Der bisherige Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird als Interimspräsident vereidigt.

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  • 15. Oktober 2012

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  • 1. November 2012

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  • 5. Dezember 2012

    Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.

  • 20. Dezember 2012

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  • 8. Januar 2013

    Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.

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  • 12. Januar 2013

    Französische Kampfjets zwingen die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. Ein französischer Hubschrauberpilot kommt ums Leben. Quelle: dpa

Zu dem Anschlag bekannte sich die islamistische Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO). Diese hatte bereits die Verantwortung für eine Explosion vom Mittwoch übernommen, bei der vier Malier starben, als ihre Fahrzeuge zwischen Douentza und Gao auf eine Mine fuhren. Die Gruppe hatte erklärt, mit Angriffen auf Armeekonvois und Selbstmordattentaten ein „neues Kampfgebiet“ zu eröffnen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte am Donnerstag vor einem Guerillakrieg in Mali. „Der Militäreinsatz war bislang effizient und erfolgreich. Die Dschihadisten, die bewaffneten Gruppen und terroristischen Elemente sind offenbar geflohen“, sagte Ban vor Journalisten. Er sei jedoch besorgt, „dass sie zurückkehren könnten“. Die Angriffe der vergangenen Tagen zeigten, dass die Kämpfer in einigen Gegenden Widerstand leisteten.

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Bei Gefechten zwischen rivalisierenden malischen Armeeeinheiten in der Hauptstadt Bamako wurden am Freitag mehrere Menschen verletzt. Wie aus Militärkreisen sowie seitens Augenzeugen verlautete, wurde ein Lager von Elitesoldaten, die dem gestürzten Staatschef Amadou Toumani Touré nahestehen, von anderen Einheiten der malischen Armee angegriffen.

Nach dem Sturz der Regierung in Bamako durch unzufriedene Soldaten im März vergangenen Jahres hatten Islamisten gemeinsam mit Tuareg-Rebellen innerhalb weniger Tage den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Später vertrieben die Islamisten die Tuareg-Rebellen und riefen im Norden des Landes das islamische Recht der Scharia aus.

Afrika

Frankreich hatte am 11. Januar militärisch in Mali eingegriffen, um den weiteren Vormarsch der Islamisten Richtung Süden zu stoppen. Nach den bisherigen Planungen sollen Truppen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS die Franzosen bald ablösen.

  • 09.02.2013, 18:04 Uhrmerlot-56

    Der Krieg in Mali erinnert mich an den 2. Irak Krieg, als die Amerikaner die irakische Armee binnen kürzester Zeit besiegten.
    Wie wir alle wissen, hat der wirkliche und für die US Truppen verlustreiche Krieg erst nach der totalen Niederlage der irakischen Armee begonnen.
    Frankreich ist gerade dabei, sich wie damals in Vietnam in einen langen und blutigen Terror-Krieg verstricken zu lassen.

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