Einwanderung
Polizei räumt Flüchtlingslager bei Calais

Die französische Polizei hat ein wildes Zeltlager von Flüchtlingen in Nordfrankreich geräumt. In dem als "Dschungel von Calais" bekannten Lager wurden 278 Menschen festgenommen, fast die Hälfte von ihnen Kinder und Jugendliche.

HB CALAIS. Zu Kritik von Menschenrechtlern sagte Einwanderungsminister Eric Besson vor Ort, der Einsatz habe sich nicht gegen die Migranten, sondern "gegen die Logistik von Menschenschmugglern gerichtet, die sie ausbeuten".

Die Flüchtlinge leisteten keinen Widerstand. Sie trugen Rucksäcke und Decken, während sie in langen Reihen von der Polizei abgeführt wurden. Mehrere weinten still vor sich hin. Menschenrechtsaktivisten versuchten, eine Kette zu bilden und die Festnahme zu behindern. Dabei kam es zu kleineren Rangeleien. Später zerstörten die Einsatzkräfte mit Bulldozern und Kettensägen die Zelte und Hütten der Bewohner.

Die Organisation Flüchtlingsaktion verurteilte den Einsatz als inhuman, räumte aber ein, dass das Lager gar nicht erst hätte entstehen sollen. Damit seien falsche Erwartungen geweckt worden.

Die meisten Bewohner des als "Dschungel" bezeichneten Lagers haben eine kostspielige und langwierige Reise durch Asien und Europa hinter sich, zu Fuß oder versteckt in Lastwagen oder auf Schiffen. Sie sammelten sich bei Calais, um trotz aufwendiger Grenzanlagen mit Infrarotkameras und Hitzesensoren in Güterzügen oder auf Lastwagen durch den Eurostar-Tunnel nach England zu gelangen. Zeitweise hielten sich bis zu 1 000 Flüchtlinge in dem Lager auf.

Einwanderungsminister Besson sagte: "Auf dem Territorium dieser Nation kann das Gesetz des Dschungels nicht ewig währen." Das Waldstück sei zum "Basislager für Menschenschmuggler" geworden. Jeder Flüchtling werde vor die Wahl gestellt, politisches Asyl in Frankreich zu beantragen oder in sein Heimatland zurückzukehren. Die übrigen sollen abgeschoben werden, zumeist nach Griechenland, wo die Flüchtlinge zuerst in die EU gelangt sind.

Besson kündigte an, dass nun auch weitere wilde Flüchtlingslager in der Region geräumt werden, darunter ein Lager mit irakischen Kurden. 2002 hatten die französischen Behörden bereits das nahegelegene Lager Sangatte geräumt. Der britische Innenminister Alan Johnson begrüßte das Vorgehen der französischen Behörden.

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