Eklat beim EU-Gipfel
Chirac verlässt erzürnt den Saal

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist es am Donnerstagabend beim Vortrag des Präsidenten der europäischen Arbeitgeber Unice zu einem Eklat gekommen.

HB BRÜSSEL. Aus Zorn über den Englisch sprechenden Landsmann hat der französische Präsident Jacques Chirac kurzzeitig die EU-Gipfelberatungen in Brüssel verlassen. Bei der demonstrativen Aktion erhielt er französischen Regierungsvertretern zufolge am Donnerstagabend Unterstützung von Außenminister Philippe Douste-Blazy und Finanzminister Thierry Breton.

Die drei Spitzenpolitiker kehrten erst in die Runde der Staats- und Regierungschefs zurück, als der Präsident des französischen Wirtschaftsverbandes Unice, Ernest-Antoine Seilliere, seine Rede beendet hatte. Seilliere hatte zu Beginn gesagt, er wolle seinen Beitrag auf Englisch und damit in der „Sprache der Wirtschaft“ leisten. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sprach anschließend auf Französisch. Trichet ist Franzose, benutzt bei Auftritten im Rahmen seines Amtes allerdings fast immer Englisch.

In Delegationskreisen hieß es, Chirac habe ein Zeichen für die französische Sprache setzen wollen. Regierungskreise versicherten, dass die Reaktion nichts mit Seillières Kritik an Wirtschaftsprotektionismus zu tun gehabt habe. Seillière hatte am Mittag bei einem Sozialgipfel in Brüssel den Widerstand der französischen Regierung gegen den Versuch einer feindlichen Übernahme des französischen Versorgers Suez durch die italienische Enel kritisiert. „Der Protektionismus ist ein Problem“, sagte der Arbeitgeber-Chef.

Englisch, Französisch und Deutsch sind die Arbeitssprachen der Europäischen Union (EU), die keine gemeinsame Amtssprache kennt. Bei Gipfeltreffen werden die Sprachen aller 25 Mitglieder benutzt. Französisch dominierte allerdings lange Jahre die Verhandlungen und Beratungen in der anfangs vor allem westeuropäischen Union. Mit dem Beitritt der skandinavischen und schließlich der osteuropäischen Länder hat Englisch mehr und mehr das Französische abgelöst. Seit einigen Jahren kämpft Frankreich mit großzügigen Angeboten für Sprachkurse und Fördermaßnahmen darum, die Entwicklung aufzuhalten.

Zum Auftakt ihres Frühjahrsgipfels hatten die EU-Chefs Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern eingeladen, um mit ihnen über die Fortschritte der Lissabon-Strategie zu beraten. Das Maßnahmenpaket soll die Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken.

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