El Kaida-Prozess in Hamburg - Al Tawhid-Prozess in Düsseldorf
Zeuge El Motassadeq bestreitet Schuld an Anschlägen

Im zweiten Hamburger Terrorprozess gegen Abdelghani Mzoudi hat der als Zeuge geladene Mounir El Motassadeq die Aussage verweigert. In seiner Erklärung sagte der Marokkaner, es sei sinnlos, sich zu weiteren Einzelheiten zu äußern, solange sein „Fehlurteil“ bestehe. Er gilt als mitschuldig an den Anschlägen vom 11. September 2001 und verbüßt eine 15-jährige Haftstrafe. Unterdessen bestritt in dem Düsseldorfer Prozess gegen einen Al Tawhid-Verdächtigen ein palästinensischer Zeuge, in Pläne für Terroranschläge verwickelt gewesen zu sein.

HB HAMBURG/DÜSSELDORF. Im Hamburger El Kaida-Prozess hat der bereits zu 15 Jahren Haft verurteilte Mounir El Motassadeq als Zeuge erneut jede Mitschuld an den Attentaten vom 11. September 2001 in den USA bestritten. Einzelheiten zu den Vorwurfen gegen den angeklagten Abdelghani Mzoudi nannte er nicht.

Der 29-jährige Motassadeq verlas in dem Prozess gegen Abdelghani Mzoudi am Dienstag eine persönliche Erklärung, in der er betonte, dass er zu Unrecht verurteilt worden sein. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium bei Washington seien von der El Kaida-Organisation des mutmaßlichen Moslem-Extremisten Osama Bin Laden in Afghanistan geplant, organisiert und finanziert worden.

Er habe davon nichts gewusst, sagte Motassadeq. Mzoudi wird von der Bundesanwaltschaft Beihilfe zum Mord in über 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Auch er soll als Mitglied der Hamburger Gruppe um Mohammed Atta an den Planungen der Anschläge beteiligt gewesen sein. Mzoudi kommt aus Marokko und hat Motassadeq in Hamburg während seines Studiums kennengelernt. Motassadeq hatte in seinem Prozess gesagt, er sei gemeinsam mit Mzoudi in einem Ausbildungslager der El Kaida-Organisation in Afghanistan gewesen. Mzoudi hat sich bislang nicht zu der Anklage gegen ihn nicht geäußert. Im Falle einer Verurteilung erwartet ihn ebenfalls eine 15-jährige Haftstrafe.

Motassadeq war im Februar dieses Jahres vom Hamburger Oberlandesgericht wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er soll zu der Gruppe um den mutmaßlichen Flugzeugentführer Atta gehört haben und von Anfang an in die Planungen der Attentate in den USA eingeweiht gewesen sein. Motassadeq hat gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Motassadeq: Bin Laden billigte die Auswahl der Piloten

Selbst der US-Kongress habe in seinem Untersuchungsbericht über den 11. September festgestellt, dass die Anschläge nicht in Hamburg, sondern bereits 1996 von der El-Kaida in Afghanistan geplant worden seien, sagte Motassadeq weiter. Nach den Erkenntnissen der US-Behörden habe die Gruppe in Hamburg auch nicht für die Finanzierung der Attentate gesorgt. El Kaida habe Atta sowie die weiteren mutmaßlichen Flugzeugentführer in Afghanistan rekrutiert.

„Bin Laden billigte die Auswahl der Piloten und sorgte für ihre Ausbildung“, betonte Motassadeq. „Atta und die anderen“ seien in einem El-Kaida-Ausbildungslager in die langjährigen Vorbereitungen der Attentate eingeweiht worden. „Ich gehörte nicht dazu“, sagte der sichtlich erregte Motassadeq. Abschließend erklärte er, dass er sich zu Details der Anklage gegen Mzoudi nicht äußern wolle. „Ich halte es für sinnlos, mich zu Einzelheiten zu äußern, weil gegen mich ein grundlegendes Fehlurteil gefällt worden ist.“

In der vergangene Woche hatte das Gericht den arabischen Dolmetscher Mzoudis von seinem Amt entlassen, weil er in einer Gerichtspause mit einem Freund des Angeklagten geredet hatte. Mzoudis Rechtsanwälte hatten daraufhin einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Klaus Rühle gestellt, der von dem Senat abgelehnt wurde.

Die Rechtsanwälte haben das Gericht daraufhin aufgefordert, sämtliche Zeugenvernehmungen seit Beginn des Prozesses zu wiederholen, weil alle Aussagen von dem entlassenen Dolmetscher übersetzt worden sind. „Sämtliche Übersetzungen müssen nach der Strafprozessordnung als ungeschehen angesehen werden“, sagte Rechtsanwältin Gül Pinar. Sie betonte allerdings, dass das „nur ein Hinweis an das Gericht“ sei. Einen förmlichen Antrag auf eine Wiederholung der Vernehmungen wollte sie nicht stellen.

BKA: Al Tawhid-Verdächtiger bestreitet Anschlagspläne

Derweil hat in Düsseldorf ein Palästinenser laut Bundeskriminalamt bestritten, Terroranschläge in Deutschland geplant zu haben. Der Mann wird verdächtigt, der islamistischen Gruppe Al Tawhid anzugehören und Attentate vorbereitet zu haben. Er sei zwar bereit gewesen, für Palästina zu sterben, wäre aber nur im Nahen Osten aktiv geworden, zitierte ein BKA-Beamter die Aussage des 30-Jährigen am Dienstag als Zeuge vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

Diese Aussage steht im Widerspruch zum Geständnis des 26-jährigen Terror-Verdächtigen, der derzeit in dem Düsseldorfer Prozess vor Gericht steht. Er hatte ausgesagt, für Al Tawhid Anschläge in Düsseldorf und Berlin geplant zu haben. Laut BKA hat der 30-Jährige, gegen den die Bundesanwaltschaft vor knapp zwei Wochen Anklage erhoben hatte, aber enge Kontakte zu dem Palästinenser eingeräumt. Der Prozess ist bis November terminiert.

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