International
Elch knutscht Drachen

Erst einmal "sorry" für die längere Sendepause, aber ich musste die Familie nach Peking holen. Und einen Umzug von Europa nach Asien macht man eben nicht mal an einem Tag - schon gar nicht mit kleinem Söhnchen und mit einem Baby. Und wo treffen sich junge Familien? Genau - bei McDonalds oder bei Ikea. Auch in China.

Da wir unseren Dreijährigen bislang an der Burger-Kette vorbei manipuliert haben, gehören wir also zu den Langnasen, die sich in Peking im verrückten Möbelhaus wiederfinden. Das ist schon ein Erlebnis. Plötzlich trifft man alle seine treuen Freunde wieder, die einen seit Studentenzeiten begleiten: Der aufrechte Billy, der billige Ivar oder der praktische Racken. Willkommen daheim! Und auch in China werden schwedische Fleischbällchen mit dieser pappigen braunen Soße angeboten. East meets West - Ikea sei Dank!

Doch nicht alles ist gleich. Zum Beispiel gibt es in China einige Ikea-Produkte nicht im Programm, zum Beispiel die Espressomaschine Trivsel. Obwohl Starbucks längst die Metropolen wie Peking erobert hat, ist der kleine Schwarze beim Chinesen daheim eben noch nicht wirklich angesagt. Dafür wiederum kann man wohl kaum den bunten Abtropf-Halter für Stäbchen in Europa bekommen, oder?

Auch die Preise sind keineswegs identisch. Die Wok-Pfanne Pyra, die man in Europa für 7,99 Euro verticken kann, bliebe bei dem Preis in China wohl ein Ladenhüter. Hier kostet das Stück umgerechnet 4,50 Euro - was im Wok-Land immer noch happig ist. Der Hake-Messerblock geht in Europa für 3,99 Euro weg, in Peking für umgerechnet 2,70 Euro. Noch krasser ist der Unterschied bei Möbeln wie dem 2er-Bettsofa Ektorp. Das kostet in Deutschland stolze 679 Euro, in Peking liegt der Preis unter 250 Euro.

Trotz des deutlichen "China-Rabatts" ist Ikea im Reich der Mitte zwar sehr populär, aber im Vergleich zum allgemeinen Preisgefüge keineswegs billig. Auch Ikea musste nach der Eröffnung seines ersten Marktes in Peking erst die Preise deutlich senken, um auch Kunden an die Kasse zu bekommen.

Denn auch das ist mir aufgefallen: Am Sonntagnachmittag etwa ist es bei Ikea in Peking rappelvoll. Doch an der Kasse herrscht wunderbare Ruhe und geradezu gähnende Leere. Ein Ausgang für "Kunden ohne Einkauf" verrät den Grund: Viele Chinesen gehen einfach gerne in das verrückte Kaufhaus mit dem Elch, um mal etwas westliches Flair zu atmen und um sich zu entspannen. Zum Entspannen ? Ja, denn die Sessel und Sofas im Schauraum sind bei Ikea in Peking fast immer belegt - mit schwatzenden Besucherinnen oder mit Chinesen, die mal eben ein Nickerchen halten.

Handelsblatt-Korrespondenten aus aller Welt schildern in Global Reporting ihre Erlebnisse abseits der üblichen Pfade.

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